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Wenn ein Fußballspiel das Etikett "Lehrstunde" verdient, dann war es dieses: Ersboda BK fertigte am Dienstagabend im heimischen Stadion vor 18.764 begeisterten Zuschauern den völlig überforderten Ängelholms FF mit 6:1 ab - und das, obwohl die Gäste laut Statistik sogar leicht mehr Ballbesitz hatten. Aber was nützt das ganze Ballgeschiebe, wenn der Gegner jedes Mal trifft, sobald er den Ball sieht? Der Abend begann, wie man ihn in Ersboda liebt: mit einem Torjubel nach gerade einmal sieben Minuten. Adam Hoskins, der bullige Mittelstürmer, schob nach einer butterweichen Vorlage von Henrik Sundström eiskalt ein. "Ich dachte, ich steh im Abseits", grinste Hoskins später, "aber der Linienrichter ist wohl Fan von mir." Trainer Piel Juergen, sonst kein Mann großer Emotionen, reckte die Faust wie ein Rockgitarrist beim Finale eines Konzerts. Ängelholm wirkte überrascht, fast beleidigt. Zwar mühten sich die Gäste redlich um Struktur - 53 Prozent Ballbesitz sprechen für sich - aber in der gefährlichen Zone waren sie so harmlos wie ein nasser Schwamm. Fünf Torschüsse insgesamt, einer davon zählte: In der 53. Minute traf Jonatan Johnsen nach Pass von Sigvard Eriksson zum zwischenzeitlichen 1:1. Der Jubel der Gäste-Fans (es sollen tatsächlich 42 gewesen sein) währte allerdings kürzer als ein schwedischer Frühsommer. Denn dann kam der Moment des Abends - oder besser: die zehn Minuten des Schreckens für Ängelholm. Gerard Grenier, der zentrale Mittelfeldmann mit der Eleganz eines Balletttänzers und der Schusskraft eines Presslufthammers, erzielte zwischen der 61. und 67. Minute gleich drei Tore. Dreimal stand Asier Quaresma am Ursprung, dreimal landete der Ball im Netz. "Wir haben das im Training geübt", sagte Grenier mit todernster Miene. "Ich laufe, Asier passt, und der Keeper leidet." Spätestens jetzt war das Spiel entschieden, aber Ersboda hatte offensichtlich noch Laune. Hoskins legte in der 75. Minute nach - diesmal von Sigmund Eriksson bedient, der kurz zuvor eingewechselt worden war. Als ob es ein Drehbuch gäbe, setzte Henrik Sundström in der 81. Minute den Schlusspunkt zum 6:1, wiederum nach Vorlage von Grenier. Der frisch eingewechselte Ersatztorwart Alrik Anderson, gerade 19 Jahre alt, konnte sich gemütlich die Handschuhe putzen - gefährlich wurde es nicht mehr. Der Rest war Schaulaufen: ein paar gelbe Karten (Herbert Larsson für Ersboda, Sigvard Eriksson und Anders Ohlsson für die Gäste), eine Verletzung von Johnsen, der nach seinem Tor mit bandagiertem Knie vom Platz musste, und eine Menge ratloser Gesichter auf Seiten von Ängelholm. Trainer Juergen Piel kommentierte das Geschehen mit trockenem Humor: "Wir haben offensiv gespielt, weil wir’s können. Defensiv wär ja langweilig." Sein Gegenüber, der sichtlich entnervte Coach von Ängelholm, murmelte in der Pressekonferenz: "Manchmal ist Fußball grausam. Heute war er außerdem noch laut." Die Statistik unterstreicht das Drama: Ersboda mit 18 Schüssen aufs Tor, Ängelholm mit fünf. Der Ballbesitz von 53 Prozent half den Gästen so viel wie ein Regenschirm im Schneesturm. Die Gastgeber waren aggressiver, zielstrebiger - und schlicht besser. Im Stadion sangen die Fans nach dem Abpfiff den Namen Grenier so laut, dass selbst die Flutlichtmasten zu vibrieren schienen. Der Franzose, mittlerweile Publikumsliebling, gab sich bescheiden: "Ich spiele nur, um Spaß zu haben. Sechs Tore sind Teamarbeit." Dass er selbst drei davon erzielte, verschwieg er mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Charme und Überheblichkeit pendelte. Ein besonderer Moment spielte sich am Spielfeldrand ab: Der 18-jährige Torsten Nelsen, frisch eingewechselt, durfte erstmals Erstligaluft schnuppern. "Ich hatte Angst, dass ich den Ball gar nicht berühre", sagte er später, "aber dann hab ich sogar geschossen! Knapp daneben, aber immerhin. Mama war stolz." Fazit: Ein denkwürdiger Abend für Ersboda BK, ein Albtraum für Ängelholm. Wenn Piel Juergens Mannschaft so weitermacht, wird man in Schweden bald von der "Ersboda-Maschine" sprechen. Und wer weiß - vielleicht war dieses 6:1 ja erst der Anfang einer sehr lauten Saison. Oder, wie Hoskins es nach Spielende formulierte, während er sich den Schweiß aus dem Bart wischte: "Wenn wir Spaß haben, wird’s gefährlich." Man darf gespannt sein, wer den Spaß als Nächstes zu spüren bekommt. 23.11.643993 05:54 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic