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Wenn die Sonne über Umeå langsam untergeht und 18.792 Zuschauer ihre Sitzkissen zurechtrücken, dann weiß man: Es wird wieder Fußball gearbeitet. Oder, im Fall von Ersboda BK an diesem 13. Spieltag der 1. Liga Schweden, eher Fußball zelebriert. Denn was die Mannschaft von Trainer Piel Juergen an diesem Samstagabend auf den Rasen legte, war keine bloße Pflichtaufgabe - es war eine Lehrstunde für Djurgarden FF, abgeschlossen mit einem deutlichen 4:0 und der Erkenntnis, dass Offensivgeist manchmal einfach schöner ist als taktische Vorsicht. Schon in den ersten Minuten schien Ersboda mit dem Ball verheiratet. 53 Prozent Ballbesitz lesen sich solide, aber wer im Stadion war, bekam den Eindruck, es seien mindestens 80 gewesen. Djurgarden rannte, Ersboda kombinierte - und zwar mit einer fast unverschämten Leichtigkeit. Besonders auffällig: Mittelstürmer Adam Hoskins, der schon früh andeutete, dass er heute keine Lust auf halbe Sachen hatte. Nach mehreren Annäherungsversuchen fand er in der 31. Minute schließlich sein Ziel - nach feinem Zuspiel von Alexander Washington knallte Hoskins den Ball trocken ins Netz. 1:0, verdient, unumstritten. Washington, 21 Jahre jung und offensichtlich mit einem Übermaß an Selbstvertrauen gesegnet, legte zwölf Minuten später nach. Nach einem schnellen Doppelpass mit Julio Sancho tanzte er Djurgardens Abwehr aus und vollendete zum 2:0. "Ich hab einfach gedacht: Wenn’s läuft, dann läuft’s", grinste Washington nach dem Spiel, während Hoskins ihm lachend zurief: "Das war eher ein Tanz denn ein Torschuss!" Zur Halbzeit wirkte Djurgarden, als hätte man ihnen die Spielanleitung verweigert. Trainer Piel Juergen hingegen lächelte in sich hinein - die Taktik war simpel und effektiv: offensiv, aggressiv, kurzpassorientiert. "Wir wollten sie gar nicht zerstören, nur ein bisschen beschäftigen", sagte er später augenzwinkernd. Nach der Pause kam Djurgarden immerhin zu zwei Torschüssen - ein Fortschritt, aber keiner, der die Statistikabteilung ernsthaft in Wallung brachte. Stattdessen setzte Ersboda dort fort, wo sie aufgehört hatten: mit Spielfreude und Präzision. In der 66. Minute belohnte sich Gerard Grenier für sein unermüdliches Antreiben. Nach Vorlage von Jack Maxwell zog der Mittelfeldmann aus 20 Metern ab - ein Strahl, der Torhüter Abelson keine Chance ließ. 3:0, und der Jubel hallte bis in die Eishallen der Stadt. Maxwell selbst durfte sich dann in der 79. Minute in die Torschützenliste eintragen. Diesmal drehte sich das Zusammenspiel um: Grenier bereitete vor, Maxwell vollendete. "Wir haben das im Training hundertmal geübt", sagte Maxwell später und grinste, "meistens hat’s nicht geklappt - aber heute war’s wohl der richtige Tag." Djurgarden versuchte es derweil mit kosmetischen Korrekturen: eine Auswechslung nach einer Verletzung, ein paar Gelbe Karten zur Frustbewältigung. Besonders Alf Pedersons Eintrag in Minute 53 wirkte eher wie ein Zeichen der Ratlosigkeit. Und als Ersbodas Innenverteidiger Jordi Herreros in der Nachspielzeit noch Gelb-Rot sah, wirkte selbst das eher wie ein dramaturgisches Zugeständnis - das Spiel war längst entschieden. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. 19 Torschüsse, vier Tore, und das Gefühl, dass hier etwas wächst. "Wenn wir so weitermachen, müssen wir die Tabellenführung bald mieten, nicht mehr nur besuchen", witzelte Trainer Juergen in der Pressekonferenz. Djurgarden hingegen reiste ernüchtert ab. Zwei magere Torschüsse und 47 Prozent Ballbesitz - kaum genug, um den Bus vollzutanken. Ihr Trainer, sichtlich bemüht um Fassung, murmelte: "Manchmal ist der Gegner einfach besser. Heute war so ein Tag - oder eine Woche." Am Ende bleibt ein Ersboda BK, das sich in Spiellaune geschossen hat und Djurgarden, das sich wohl fragt, ob man auf Kunstrasen auch schwimmen kann - so tief stand man phasenweise im eigenen Strafraum. Und während die letzten Zuschauer ihre Fahnen einrollten, rief ein kleiner Junge auf der Tribüne: "Papa, können wir morgen wieder kommen?" Wenn das kein Kompliment an einen Fußballabend ist, der in Umeå wohl noch lange Gesprächsthema bleibt. (600 Wörter) 30.03.643994 13:20 |
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Ich grüße meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern.
Mario Basler