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Es war ein frostiger Abend in Umeå, doch auf dem Rasen des Ersboda Stadions brannte die Luft. 16.856 Zuschauer sahen ein Spiel, das weniger durch filigrane Ballkunst als durch beherzten Einsatz und den unermüdlichen Willen eines Mannes entschieden wurde: René Schüler, der 32-jährige Linksaußen, traf doppelt und führte Ersboda BK zu einem 2:1-Sieg über Östers FF. Schon vor dem Anpfiff ahnte man, dass Trainer Piel Juergen seine Jungs heiß gemacht hatte. "Wir spielen heute vorne drauf, egal, ob’s schneit oder taut", rief er über den Platz, während der Atem seiner Spieler kleine Dampfwolken in die kalte Abendluft malte. Und tatsächlich: Kaum war der Ball freigegeben, rollte eine Angriffswelle nach der anderen auf das Tor der Gäste zu. Bereits in der zweiten Minute prüfte Fabian Frank den Östers-Keeper Valter Pettersson mit einem satten Schuss - Auftakt zu einem Feuerwerk von insgesamt 21 Torschüssen der Gastgeber. Östers FF kam dagegen nur auf vier Versuche, was viel über das Kräfteverhältnis aussagt. Trotzdem: Ballbesitzmäßig hatten die Gäste mit 56 Prozent die Nase vorn, zumindest auf dem Papier. Doch Ballbesitz schießt bekanntlich keine Tore. In der 26. Minute zeigte Ersboda, wie man’s richtig macht. Gerard Grenier, quirlig und unermüdlich im Mittelfeld, sah den startenden Schüler, spielte einen feinen Steckpass durch die Schnittstelle, und der Routinier vollendete eiskalt ins lange Eck. 1:0 - die Tribüne bebte. "Ich hab’ einfach gespürt, dass Gerard mich sieht", grinste Schüler später, "und dann musste ich das Ding nur noch reinschieben." Östers FF zeigte sich nicht geschockt, sondern antwortete kurz vor der Pause. In der 45. Minute nutzte Georg Carlsson einen Moment kollektiver Ersboda-Schläfrigkeit: Ein langer Ball auf den rechten Flügel, ein kurzer Haken, und schon zappelte das Leder im Netz. 1:1 - und die Halbzeitpausen-Tee-Tasse schmeckte plötzlich bitter für die Heimfans. In der Kabine muss Piel Juergen deutliche Worte gefunden haben. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr weiter so spielt, lad ich euch alle zum Eishockey ein - als Zuschauer!", verriet er nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern. Seine Mannschaft nahm sich das offenbar zu Herzen. Nach dem Wiederanpfiff rollten sie wieder wie ein Schneepflug über die Gäste hinweg. In der 62. Minute dann die Kopie des ersten Treffers: erneut Grenier, erneut Schüler, erneut Tor. Dieses Mal sogar noch abgeklärter - ein flacher Schuss ins kurze Eck, Pettersson streckte sich vergeblich. 2:1, das Stadion explodierte erneut. "Ich hatte das Gefühl, ich könnte heute auch mit der Ferse treffen", sagte Schüler später lachend, "aber ich wollte’s nicht übertreiben." Ersboda blieb weiter offensiv, vielleicht sogar zu sehr - immerhin kassierte Rechtsverteidiger Carl Nuno schon in der 17. Minute Gelb und musste später zusehen, wie sein Ersatzmann Herbert Larsson bei seinem ersten Ballkontakt gleich ebenfalls verwarnt wurde. "Zwei Gelbe auf derselben Position - das ist doch Teamgeist!", witzelte Trainer Juergen trocken. Östers FF mühte sich, fand aber kaum Wege durch die resolute Ersboda-Abwehr um Alfred Abelson und Keeper Valter Dahlin. Der hatte zwar wenig zu tun, aber wenn, dann war er zur Stelle - etwa in der 93. Minute, als Nowak noch einmal gefährlich abzog. Dahlin tauchte ab wie ein Eisbär auf Beutezug und rettete den Sieg. Statistisch gesehen war das Spiel ein Lehrstück: Ersboda mit nur 44 Prozent Ballbesitz, aber fast fünffacher Anzahl an Torschüssen und besserer Zweikampfquote (57 Prozent). Östers FF mit schönem Aufbau, aber ohne Ertrag - der Fußballgott ist eben kein Statistiker. Nach dem Schlusspfiff umarmte Trainer Juergen seinen Doppeltorschützen, während Schüler sich vom Publikum feiern ließ. "Wir haben den Schneesturm überlebt - und drei Punkte geholt", fasste der Coach zusammen. Ein leicht sarkastisches Schlusswort? Vielleicht dies: Östers FF hatte den Ball, Ersboda die Tore - und wer sich davon nichts abschauen kann, sollte vielleicht Curling ausprobieren. 06.03.643987 11:52 |
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