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Manchmal braucht es keinen Schönheitspreis, um glücklich zu sein - drei Punkte reichen völlig. So sah es jedenfalls Ersboda-Trainer Piel Juergen nach dem 2:1 (1:1)-Heimsieg seiner Mannschaft gegen Mjällby BK beim 30. Spieltag der 1. Liga Schweden. "Wir haben heute nicht alles richtig gemacht, aber wir haben das Wichtigste richtig gemacht: Wir haben gewonnen", grinste Juergen nach Abpfiff, während 22.750 Zuschauer im Ersboda-Stadion noch immer über den Doppelschlag von Paulus Ohlson diskutierten. Es war ein Abend, der gemächlich begann - zumindest, wenn man Mjällby-Fan war. Schon in der dritten Minute prüfte Felix Norman Ersbodas Keeper Jesper Karlson mit einem satten Schuss, und in der siebten legte der 18-jährige Halvard Lindstrom nach. Die Gäste wirkten spritziger, zielstrebiger, hatten am Ende sogar 55 Prozent Ballbesitz und neun Schüsse aufs Tor - doch Effizienz ist bekanntlich keine Frage der Statistik. Ersboda, taktisch wie immer offensiv und mit starkem Pressing, brauchte eine Weile, um in Fahrt zu kommen. Dann aber schlug die Stunde von Paulus Ohlson. In der 27. Minute kombinierte sich das Heimteam sehenswert durch das Zentrum: Gerard Grenier passte in den Lauf von Ohlson, der rechts in den Strafraum zog und trocken ins lange Eck abschloss - 1:0. Der Jubel hallte noch durch die kalte Luft, als Mjällby zurückschlug. Neun Minuten später tauchte Valborg Norman, glänzend bedient von seinem Bruder Felix, frei vor Karlson auf und netzte zum 1:1 ein. Bruderliebe, wie sie auf dem Platz selten so effektiv funktioniert. "Ich wusste, dass er mich sieht, auch wenn er gar nicht hinschaut", sagte Valborg später augenzwinkernd. Die Partie blieb bis zur Pause offen, Mjällby kontrollierte das Mittelfeld, während Ersboda lauerte - und gelegentlich übermotiviert in die Zweikämpfe ging. "Wir wollten ihnen zeigen, dass sie hier nicht einfach durchspazieren", verteidigte Ohlson die energische Spielweise. Dass Ersboda am Ende eine Zweikampfquote von etwas über 51 Prozent hatte, war Ausdruck genau dieses Willens. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig am Bild: Mjällby mit viel Ball, Ersboda mit viel Herz. In der 59. Minute wechselte Juergen den müden Jack Maxwell aus und brachte Rudolf Uggla, der sofort frischen Wind auf der linken Seite brachte. Nur acht Minuten später zahlte sich der Druck aus. Nach einem kurz ausgeführten Freistoß spielte Asier Quaresma einen cleveren Doppelpass mit Ohlson - und der 29-Jährige ließ erneut seine ganze Routine aufblitzen. Mit einem satten Rechtsschuss aus 16 Metern traf er flach ins Eck - 2:1, und das Stadion stand Kopf. Mjällby warf in der Schlussphase alles nach vorne, doch die Abschlüsse von Felix Norman (86., 89.) blieben ungefährlich. Statt eines Ausgleichs gab es Gelbe Karten: Francisco Jorge sah in der 85. Minute Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, und in der Nachspielzeit erwischte es auch den erfahrenen Markus Pederson, der sich lautstark über einen Einwurf beschwerte. "Ich habe nur gesagt, dass der Ball rund ist", rechtfertigte sich Pederson später mit einem müden Lächeln. Während Mjällby-Trainer Lasse Fredericson nach dem Spiel "eine gute Leistung ohne Belohnung" sah, sprach Juergen von einem "Sieg des Willens". Auf die Frage nach dem Matchwinner lachte er: "Ohlson? Der trifft heute wahrscheinlich auch noch beim Abendessen den Salzstreuer." Statistisch betrachtet war es ein Duell zweier ungleicher Philosophien: Mjällby mit ruhigem, balanciertem Aufbau, Ersboda mit kurzen Pässen, aggressivem Pressing und dem Mut, jederzeit abzuziehen - zwölf Schüsse aufs Tor sprechen für sich. Und auch wenn Mjällby in Sachen Ballbesitz die Nase vorn hatte, gehörte die Effektivität klar den Hausherren. Nach dem Abpfiff standen viele Fans noch lange an den Stadiongrills, redeten über Ohlsons Doppelschlag und die unbändige Laufbereitschaft von Quaresma. Ein älterer Herr fasste es auf den Punkt: "Schön spielen können andere. Wir gewinnen halt lieber." Und genau das tat Ersboda BK an diesem Abend: vielleicht nicht schön, aber verdient. Drei Punkte, zwei Tore von Ohlson, ein glücklicher Trainer - und ein Stadion, das noch immer summt. Fußball kann so einfach sein, wenn man ihn einfach spielt. 22.08.643993 13:39 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic