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Es war ein frostiger Freitagabend in Umeå, aber die Stimmung im Stadion von Ersboda BK war alles andere als kühl. 17.064 Zuschauer sahen am 16. Spieltag der 1. Liga Schweden ein Spiel, das alles bot: Tempo, Tore, Karten und ein Schiedsrichter, der sein Gelb offensichtlich im Sonderangebot erstanden hatte. Am Ende hieß es 3:1 (2:1) für die Hausherren - ein Ergebnis, das sich härter erarbeitet anfühlte, als es auf dem Papier aussieht. Die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings in die falsche Richtung. In der 18. Minute nutzte Landskronas Rechtsaußen Valborg Samuelsson die erste echte Chance der Gäste. Nach feinem Pass von Marco Endres zimmerte er den Ball aus halbrechter Position unter die Latte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber Valborg hat halt einen Fuß wie ein Vorschlaghammer", murmelte Ersboda-Trainer Piel Juergen später mit einem halben Lächeln. Doch Ersboda schüttelte sich nur kurz. Der Gastgeber, taktisch gewohnt offensiv eingestellt, suchte weiter den Weg nach vorn. Fabian Frank, der zentrale Stürmer mit dem Charme eines alten Straßenkämpfers, prüfte Landskronas Torwart Alf Holmqvist mehrfach, ehe er in der 35. Minute endlich traf - nach einem präzisen Zuspiel von Sigmund Eriksson. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du so viele Chancen versemmelst, irgendwann muss einer reinfallen", grinste Frank nach dem Spiel. Und kaum hatte das Publikum den Ausgleich bejubelt, folgte schon der nächste Jubelschrei. In der 41. Minute war es Gudmund Henriksson, der einen Abpraller aus kurzer Distanz ins Netz drosch - vorbereitet von Urban Karlson, der an diesem Abend ohnehin überall zu finden war, wo es brannte. 2:1 zur Pause, und die Tribüne bebte. Die zweite Halbzeit begann mit einem taktischen Schachzug von Landskrona, das weiterhin offensiv ausgerichtet blieb, aber kaum Durchschlagskraft entwickelte. Vier Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. Ersboda hingegen, mit 17 Abschlüssen deutlich aktiver, spielte wie ein Team, das es wissen wollte - auch wenn es mit der Disziplin so eine Sache war. Schon in der ersten Halbzeit hagelte es Gelbe Karten für die Gastgeber: Paulus Karlson (11.), Markus Eriksson (14.) und Jordi Herreros (40.) ließen den Schiedsrichter fleißig zum Karton greifen. In der 63. Minute wurde Herreros dann mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. "Er hat mich gar nicht richtig getroffen", protestierte Landskronas Henrik Ohlsson, während Herreros mit hochrotem Kopf den Rasen verließ. Trainer Juergen kommentierte trocken: "Ich sag’s mal so: Jordi wollte zeigen, dass er Leidenschaft hat. Hat geklappt." Trotz Unterzahl blieb Ersboda gefährlich. Urban Karlson, der bereits am ersten Tor beteiligt war, hatte mehrere gute Szenen und belohnte sich in der Nachspielzeit (94.) selbst: Nach einem energischen Solo über rechts schloss er eiskalt ab - 3:1, Deckel drauf. "Ich hab gar nicht gesehen, dass es schon 90 war", sagte Karlson lachend. "Ich wollte einfach noch mal laufen." Landskrona, das den Ballbesitz mit 52,5 Prozent leicht für sich entschied, wirkte über weite Strecken behäbig. Zwar kombinierten sie gefällig, aber ohne Tiefe. "Wir spielen schön, aber wir treffen halt das Tor nicht", seufzte Trainer Alf Holmqvist nach dem Schlusspfiff, "und schön spielen gibt keine Punkte." Ersbodas Keeper Jesper Karlson musste nur selten eingreifen - die Defensive stand trotz Unterzahl sicher, was Juergen Piel später als "organisierte Anarchie" bezeichnete. Seine Mannschaft zeigte den größeren Willen, den höheren Einsatz (manche würden sagen: auch die höhere Blutdruckgefahr), und verdiente sich den Sieg redlich. Die Statistik untermauert den Eindruck: 17 Torschüsse für Ersboda, nur 4 für Landskrona, dazu eine Zweikampfquote von 56 Prozent zugunsten der Hausherren. Und während Landskrona zwar mehr Ballbesitz hatte, war Ersboda schlicht effizienter - oder, um es mit Fabian Frank zu sagen: "Ballbesitz ist was für Leute, die Angst vorm Toreschießen haben." Am Ende verabschiedeten sich die Fans mit einem zufriedenen Lächeln in die kalte Nacht, während Trainer Juergen Piel mit einem Augenzwinkern anfügte: "Wir haben zwar wieder zu viele Karten gesammelt, aber wenigstens hat keiner die Rote für’s Feiern bekommen." Ein Spiel mit Leidenschaft, Chaos und drei Punkten - typisch Ersboda eben. 11.07.643987 20:42 |
Sprücheklopfer
Wenn für Ze Roberto jemand 30 Millionen bietet, kann er sein Auto putzen und dann ab über die Alpen.
Rainer Calmund