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Es war einer dieser Abende in Ersboda, an denen der Himmel früh dunkel wird, der Atem dampft und der Ball klirrt, wenn er auf den Pfosten trifft. 19.401 Zuschauer trotzten der Kälte, um zu sehen, wie Ersboda BK am 11. Spieltag der 1. Liga Schweden den FC Sirius mit 4:1 abfertigte - und dabei Lust auf mehr machte. Von Beginn an spielte die Elf von Trainer Piel Juergen so, als habe sie den Kaffee intravenös bekommen. Schon in den ersten Minuten flogen die Bälle wie Schneebälle auf das Sirius-Tor, 21 Torschüsse standen am Ende zu Buche. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir keine Angst vor blauen Sternen haben", grinste Stürmer Alexander Washington, der selbst ein Tor beisteuerte und an einem weiteren beteiligt war. Der Auftakt gehörte ganz klar den Gastgebern: In der 25. Minute traf Adam Hoskins, der bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Presslufthammers, nach mehreren vergeblichen Versuchen endlich ins Schwarze. "Ich hab mir gedacht: Wenn ich schon dreimal den Torwart warmschieße, darf ich beim vierten Mal ruhig feiern", witzelte Hoskins nach Abpfiff. Nur sieben Minuten später legte der junge Washington nach. Er nahm einen Pass von Sigmund Eriksson mit, drehte sich einmal um die eigene Achse und drosch das Leder unhaltbar unter die Latte - 2:0. Die Tribüne bebte, der Stadionsprecher kam kaum hinterher. Sirius wirkte in dieser Phase wie ein Astronom, der sein Teleskop verloren hat: viel Himmel, aber keine Orientierung. Die Gäste aus Uppsala versuchten, mit ruhigem Passspiel Kontrolle zu gewinnen, doch Ersboda presste, biss und rannte. Ballbesitz hin oder her - 51 Prozent für die Hausherren, aber gefühlt doppelt so viel Tempo. Trainer Juergen stand an der Seitenlinie, kaute Kaugummi wie ein Dirigent seinen Taktstock, und rief: "Weiter, Jungs, das ist unser Abend!" Nach der Pause keimte kurz Hoffnung bei den Gästen, doch die wurde rasch erstickt. In der 51. Minute marschierte Linksverteidiger Mikael Uggla nach vorn, bekam den Ball - von wem sonst als Washington - und traf trocken ins rechte Eck. Ein Verteidiger, der trifft? "Ich wusste gar nicht, dass ich das darf", lachte Uggla später. Zwei Minuten später machte Julio Sancho mit dem 4:0 endgültig den Deckel drauf. Hoskins hatte clever abgelegt, Sancho nur noch einzuschieben. FC Sirius reagierte spät, zu spät. In der 68. Minute gelang Holger Pederson nach Vorlage von Iuliu Codrea wenigstens der Ehrentreffer - ein sehenswerter Schuss, der Ersbodas Keeper Jesper Karlson keine Chance ließ. "Da war kurz Funkstille in der Abwehr", gab Karlson zu, "aber bei 4:0 darf man ja mal den Nachbarn klingeln lassen." Gelbe Karten gab’s am Ende auch noch - Maurice Cauchon für Sirius in der 87. Minute, Asier Quaresma für Ersboda in der 89. Minute. Beide wohl eher aus Frust und Müdigkeit als aus Bosheit. Statistisch war’s ein klares Ding: 21 zu 6 Torschüsse, 56 Prozent Zweikampfquote für Ersboda, und ein Publikum, das schon in der Nachspielzeit Samba tanzte. Sirius-Coach (der übrigens den Medien lieber anonym blieb) murmelte nach dem Spiel nur: "Wir waren heute einfach zu brav." Piel Juergen dagegen ließ sich feiern, aber mit einem Schmunzeln: "Ich sag’s mal so: Wenn meine Jungs weiter so spielen, muss ich bald gar nichts mehr coachen - nur noch den Grill anwerfen." Alexander Washington, der Mann des Spiels, wurde beim Rausgehen noch von einem Kind gefragt, ob er wirklich erst 21 sei. "Ja", antwortete er mit einem Augenzwinkern, "aber heute fühl ich mich wie 30 - so viel bin ich gelaufen." Und während die Flutlichter erloschen und der Schnee wieder zu fallen begann, klang aus der Fankurve ein vielstimmiges "Ersboda, Ersboda!" durchs Stadion. Die Spieler winkten, die Zuschauer klatschten, und irgendwo im Hintergrund soll ein Verkäufer seine letzte Bratwurst verschenkt haben - an einen frierenden, aber glücklichen Sirius-Fan. So klingt Fußballromantik im hohen Norden: ein bisschen bissig, ein bisschen herzlich - und mit vier Toren, die Ersboda BK an diesem Abend auf Platz eins der Herzen schossen. 07.03.643994 09:53 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel