// Startseite
| Sverige Fotboll |
| +++ Sportzeitung für Schweden +++ |
|
|
|
Wer am Samstagabend ins Stadion von Lungskile gekommen war, bekam genau das, was man sich von einem Winterspieltag in der 1. Liga Schweden erhofft: Atemwolken, Grätschen, fliegende Mützen und sieben Tore in 90 Minuten. Am Ende jubelte Ersboda BK - und Lungskile SK fragte sich, wie man mit 55 Prozent Ballbesitz, mehr Kontrolle und drei eigenen Treffern trotzdem ohne Punkt dastehen kann. Bereits nach fünf Minuten zappelte der Ball erstmals im Netz von Lungskile. Julio Sancho, dieser flirrende Linksaußen mit der Eleganz eines Eisläufers, nahm einen Pass von Rudolf Uggla auf und schlenzte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Sancho später, "aber manchmal entscheidet der Ball selbst." Die Antwort kam prompt - und zwar genau 60 Sekunden später. Sigfrid Dahlin, der Publikumsliebling mit dem markanten Stirnband, verwertete eine butterweiche Hereingabe von Peter Wendt zum 1:1. "Da hab sogar ich kurz geglaubt, wir gewinnen heute 5:2", scherzte Wendt anschließend. Doch Ersboda blieb das aktivere Team. Der offensive Ansatz von Trainer Piel Juergen - kurze Pässe, viel Risiko, noch mehr Selbstvertrauen - brachte Lungskile immer wieder ins Schwimmen. In der 31. Minute traf Rudolf Uggla nach einer Ecke von Innenverteidiger Jordi Herreros zum 2:1. Ein Treffer, der so wuchtig war, dass sogar die Ersatzbank kurz aufsprang, obwohl man dort eigentlich schon nach Decken griff. Mit diesem 1:2 ging es in die Pause. Lungskile hatte zwar mehr Ballbesitz, aber weniger Zielstrebigkeit. Acht Torschüsse standen am Ende 18 von Ersboda gegenüber - eine Statistik, die Trainer Juergen nach dem Spiel genüsslich kommentierte: "Wir haben geschossen, wann immer jemand in Richtung Tor geschaut hat. ANYTIME, wie’s in den Statistiken steht - das gefällt mir!" Nach der Pause drehte Lungskile jedoch auf. Petri Ylönen erzielte in der 53. Minute das 2:2, wieder nach Vorarbeit von Peter Wendt, der auf der rechten Seite ackerte wie ein Schneepflug. Das Stadion tobte, und als Dahlin in der 62. Minute sein zweites Tor erzielte - vorbereitet vom jungen Aaron Farnsworth - glaubte man an die Wende. 3:2 für Lungskile, der Schnee glitzerte, das Bier gefror fast in den Bechern - Fußballromantik pur. Doch Ersboda wäre nicht Ersboda, wenn sie nicht noch ein paar Überraschungen im Gepäck gehabt hätten. Trainer Juergen brachte frische Kräfte: Paulus Karlson und später Fabian Frank. Karlson wurde prompt zum Schlüsselspieler - er bereitete in der 75. Minute den Ausgleich durch Gerard Grenier vor. Ein Schuss wie ein Strich, mitten durch die Abwehr, und plötzlich stand es 3:3. Während Lungskile noch versuchte, den Ballbesitz wieder in Kontrolle zu übersetzen, lauerte Ersboda auf den entscheidenden Konter. In der 88. Minute war es dann soweit: Karlson schickte den eingewechselten Kevin Engel steil, der mit der Kälte eines nordschwedischen Polartags vollstreckte - 4:3 für die Gäste. "Da hab ich den Atem des Torwarts gehört", erzählte Engel später mit einem verschmitzten Lächeln. "Ich dachte, wenn ich jetzt nicht schieße, erfriere ich." Lungskile versuchte in den Schlussminuten noch alles, aber gegen die robuste Defensive um Herreros und den glänzend aufgelegten Torwart Jesper Karlson kam nichts Zählbares mehr zustande. Coach Juergen stand an der Seitenlinie, ballte die Faust und murmelte etwas von "endlich mal wieder ein richtiges Fußballspiel". Nach dem Schlusspfiff klopfte Sigfrid Dahlin enttäuscht auf den gefrorenen Rasen. "Wir spielen schön, aber die anderen treffen", sagte er, während sich Ersboda in einer Spielertraube feierte. Die 12.500 Zuschauer gingen mit roten Nasen, aber leuchtenden Augen nach Hause. Sie hatten ein Spiel gesehen, das an Tempo, Chaos und Emotionen kaum zu überbieten war. Und irgendwo hinter der Tribüne hörte man einen Lungskile-Fan seufzen: "Wenn Schönheit Punkte gäbe, hätten wir heute gewonnen." So aber blieb das Fazit nüchtern: Ersboda BK siegt 4:3 (2:1), bleibt in der Tabelle oben dran - und Lungskile SK hat zwar das Herz am rechten Fleck, aber die Punkte wieder einmal verloren. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass im Februar ohnehin niemand wegen des Ergebnisses ins Stadion kommt - sondern wegen der Geschichten, die so ein Abend schreibt. 08.11.643990 02:18 |
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft