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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seine ganze Theatralik entfaltet: 23.278 Zuschauer im Stadion von Ergotelsis, die Luft kühl, die Spannung greifbar, das Ergebnis lange offen. Erst in den letzten zehn Minuten explodierte die Partie - und mit ihr die Emotionen. Am Ende stand ein 2:0 für Ergotelsis gegen Arias FC, das nüchtern betrachtet verdient war, aber sich auf dem Rasen wie ein Befreiungsschlag anfühlte. Von Beginn an drückte Ergotelsis aufs Tempo, als hätte Trainer Diogenis Kladopoulos seinen Spielern vor dem Anpfiff den Kaffee intravenös verabreicht. Schon nach elf Minuten prüfte Timon Galakos den gegnerischen Keeper Ktesias Stephanopoulos mit einem satten Schuss - der erste von insgesamt 16 Versuchen der Hausherren. Arias FC dagegen zeigte sich zwar ballsicherer (53,8 Prozent Ballbesitz), aber harmlos wie ein zahnloser Löwe: ganze fünf Abschlüsse aufs Tor, und keiner davon wirklich furchteinflößend. "Wir wollten kontrollieren, nicht reagieren", erklärte Arias-Trainer Marios Theodorou nach dem Spiel, "aber irgendwie hat uns der Ballbesitz mehr beruhigt als beflügelt." Sein Gegenüber Kladopoulos grinste dazu nur trocken: "Wenn sie den Ball haben, können sie wenigstens keinen Schaden anrichten." Die erste Halbzeit verlief torlos, aber keineswegs ereignislos. Ioakim Mitroglou, der linke Mittelfeldmann von Ergotelsis, schoss in der 29. und 39. Minute zweimal gefährlich - allerdings jeweils haarscharf vorbei. Auch Simone Tomasi und Diogenis Galakos versuchten es aus der Distanz, doch Stephanopoulos im Tor der Gäste hielt mit Katzenreflexen dagegen. "Ich dachte, ich spiele gegen ein ganzes Maschinengewehr-Bataillon", schnaufte der Torhüter später. Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig. Arias FC ließ den Ball laufen, aber die Ideen blieben dünn wie griechischer Filterkaffee. In der 52. Minute zog Stelios Zagorakis knapp vorbei, in der 53. prüfte erneut Timon Galakos den Schlussmann - das Tor schien einfach vernagelt. Dann kam Minute 78, und mit ihr eine Szene, die symptomatisch für den Abend war: Fotios Sisinis, bis dahin ein Dauerläufer auf dem rechten Flügel, blieb nach einem Zweikampf liegen. Das Stadion hielt kurz den Atem an. Er wurde schließlich ausgewechselt, Astianax Papazoglou kam für ihn. "Er hat sich nur vertreten", beruhigte Kladopoulos später, "mehr Drama als Verletzung." Doch das Drama sollte noch kommen - sportlich. In der 82. Minute flankte Tomasi von links präzise auf Ioakim Mitroglou, der den Ball mit der Brust annahm und aus acht Metern trocken ins rechte Eck schob. 1:0! Das Stadion tobte, und Mitroglou rannte jubelnd zur Bank, nur um dort vom Trainer eingefangen zu werden. "Ich hab ihm gesagt: Bleib auf dem Platz, du wirst noch gebraucht", erzählte Kladopoulos lachend. Drei Minuten später bestätigte sich diese Prophezeiung auf kuriose Weise. Mitroglou - eben noch der Held - sah innerhalb weniger Minuten erst Gelb (81.) und dann Gelb-Rot (86.). "Ich hab nur höflich gefragt, ob der Schiri heute Geburtstag hat, weil er so pfeift", rechtfertigte sich Mitroglou nach dem Spiel, halb lachend, halb fluchend. Doch bevor Arias FC in Überzahl etwas daraus machen konnte, traf Ergotelsis erneut. In der 85. Minute schlug Diogenis Galakos einen Freistoß halbhoch in den Strafraum, Aristodimos Labropoulos stieg am höchsten und köpfte den Ball unhaltbar ins Netz. 2:0 - und das Spiel war entschieden. Die letzten Minuten waren eine Mischung aus Party und Abwehrschlacht. Ergotelsis verteidigte mit zehn Mann, Arias FC versuchte halbherzig, noch etwas zu retten, fand aber kein Durchkommen. "Wir hätten auch bis Mitternacht weiterspielen können, ohne zu treffen", gab Gästestürmer Efthymios Gounaris ehrlich zu. Statistisch gesehen war Ergotelsis das aktivere Team: mehr Torschüsse (16:5), bessere Zweikampfquote (55,4 Prozent) und trotz weniger Ballbesitz die deutlich gefährlichere Mannschaft. Am Ende jubelten die Richtigen - und zwar ausgelassen. "Das war ein Sieg der Geduld", sagte Torschütze Labropoulos, während er sich mit einem Handtuch den Schweiß abwischte. "Wir wussten, dass wir irgendwann durchkommen, auch wenn’s 90 Minuten dauert." Und als er sah, wie Mitroglou etwas zerknirscht am Spielfeldrand stand, fügte er grinsend hinzu: "Er hat halt alles gegeben - sogar sich selbst vom Platz." Ein typischer Abend also in der griechischen Liga: Drama, Leidenschaft, rote Karten und zwei späte Tore. Für Arias FC bleibt die bittere Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Und für Ergotelsis? Drei Zähler, zwei Helden und ein Stadion, das noch lange nach Abpfiff sang, als wäre es gerade Meister geworden. 09.04.643987 05:06 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002