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Borussia Emsdetten hatte am Samstagabend alles: Flutlicht, 7202 euphorische Zuschauer, und den festen Willen, den favorisierten SV Stuttgart zu ärgern. Nur eines fehlte - ein Tor. Am Ende stand ein schmales 0:1 (0:0) auf der Anzeigetafel, das den Gästen drei Punkte und den Emsdettenern einen ordentlichen Kloß im Hals bescherte. Von Beginn an war klar: Das wird kein Spaziergang. Trainer Michael Lappe hatte seine Borussia defensiv eingestellt, "weil wir wussten, dass Stuttgart mit drei Stürmern kommt - und zwei davon sind so schnell, dass man sie auf Fotos kaum scharf bekommt", wie er nach dem Spiel trocken bemerkte. Tatsächlich rollte der erste gefährliche Angriff der Gäste bereits nach sieben Minuten: Vicente Valente prüfte Emsdettens Keeper Niklas Zimmer mit einem satten Distanzschuss. Zimmer lenkte den Ball über die Latte und brüllte anschließend seine Abwehr wach - "Jungs, wir spielen hier nicht Fangen!" Die erste Halbzeit verlief dann wie ein Tanz auf der Rasierklinge. Stuttgart kombinierte gefällig, aber ohne den letzten Biss, während Emsdetten auf Konter lauerte. Julian Salvadorez hatte in der 33. Minute die große Chance, als er nach einem Stellungsfehler der Gäste frei zum Schuss kam - doch sein Versuch landete direkt in den Armen von Torhüter Pau Gomes. "Ich wollte ihn eigentlich lupfen", grinste Salvadorez später, "aber der Ball wollte einfach nicht hoch genug steigen. Vielleicht war er auch einfach müde." Nach der Pause übernahm der SV Stuttgart endgültig das Kommando. Die Statistik spricht Bände: 16 Torschüsse der Gäste gegenüber 12 von Borussia Emsdetten, dazu hauchdünn mehr Ballbesitz (50,1 zu 49,9 Prozent). Vor allem der 22-jährige William Young war kaum zu bremsen. Immer wieder startete der bullige Mittelstürmer in die Tiefe, forderte Bälle, zog ab - und scheiterte. Bis zur 78. Minute. Da fasste sich Vicente Valente ein Herz, dribbelte zwei Emsdettener aus und legte quer auf Young. Der nahm Maß, zog ab - und endlich zappelte das Netz. 0:1. Der Jubel der Stuttgarter war ohrenbetäubend, Young riss die Arme hoch und schrie seine Freude in den Nachthimmel. "Ich hab schon gedacht, heute ist einer dieser Tage, an dem du hundertmal schießt und keiner rein will", sagte er später schmunzelnd. "Aber Vicente hat mir den Ball auf den Teller gelegt." Emsdetten versuchte in der Schlussphase alles, doch die Defensive der Schwaben stand stabil - und wenn doch mal etwas durchkam, war Gomes zur Stelle. Besonders bitter: In der 91. Minute hatte Salvadorez noch einmal die Chance zum Ausgleich, sein Schuss aber rauschte knapp am Pfosten vorbei. Michael Lappe schlug die Hände vors Gesicht, während auf der Tribüne die Fans kollektiv aufstöhnten. Die letzten Minuten gerieten turbulent. Didier Beyince sah in der 92. Minute Gelb, nachdem er den Ball etwas zu temperamentvoll ins Seitenaus drosch - wohl, um Dampf abzulassen. "Ich hab ihn nicht wütend weggeschossen, ich wollte nur den Balljungen beeindrucken", sagte er später mit einem schiefen Lächeln. Am Ende blieb es beim knappen, aber verdienten Sieg für den SV Stuttgart. Ihre offensive Ausrichtung - durchgängig mutig, selbst in der Nachspielzeit - wurde belohnt. Borussia Emsdetten dagegen zeigte, dass sie kämpfen können, aber im letzten Drittel schlicht die Durchschlagskraft fehlte. "Wir haben heute ein gutes Spiel gemacht, aber wir müssen lernen, dass schöne Ansätze keine Punkte bringen", resümierte Lappe. Sein Gegenüber, Stuttgarts Coach - der sich das Lächeln nicht verkneifen konnte - meinte: "Emsdetten hat uns gefordert. Aber unsere Jungs haben das mit Ruhe gelöst. Und William hat endlich wieder getroffen - ich kann heute ruhig schlafen." Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Schönes Spiel, aber ein Tor wäre halt nett gewesen." Tja, Borussia Emsdetten wird sich an diesem Abend wohl sagen müssen: Wenn man keine Tore schießt, kann man auch keine Punkte sammeln - so einfach ist Fußball manchmal. Und so bleibt vom 11. Spieltag der Regionalliga A vor allem ein Gefühl: Emsdetten hat Herz gezeigt, Stuttgart die Effizienz. Und irgendwo in der Kabine summt William Young vermutlich noch immer leise vor sich hin - die Melodie des Sieges. 15.05.643987 03:12 |
Sprücheklopfer
In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler