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Es gibt Spiele, die beginnen harmlos und enden als Lehrfilm für Offensivfußball. Das Duell zwischen dem FC Elfsborg und Malmö IF war genau so eines. 27.638 Zuschauer im ausverkauften Borås Arena sahen, wie die Gastgeber Malmö in ihre Einzelteile zerlegten - freundlich lächelnd, aber gnadenlos effizient. 5:0 hieß es am Ende, und ehrlich gesagt: Malmö kam noch gut weg. Schon die Anfangsminuten ließen erahnen, wohin die Reise gehen würde. Elfsborg kombinierte mit einer Leichtigkeit, als hätten sie sich beim Trainingsspiel verlaufen. Malmö hingegen wirkte, als sei die Anreise länger gewesen als geplant - vielleicht inklusive Irrfahrt durch die Defensive. In der 22. Minute klingelte es zum ersten Mal: Valter Afzelius, der flinke Linksaußen mit der Körperhaltung eines Rockstars, verwandelte nach feiner Vorarbeit von Jacob Harte. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten - na gut, und ein bisschen Stil darf man ja haben", grinste Afzelius später. Das 2:0 kurz vor der Pause war dann ein Musterbeispiel für das, was Malmö an diesem Abend vermissen ließ: Ordnung. Björn Söderberg nahm sich aus 18 Metern ein Herz, nachdem Harte erneut den Ball klug durchgesteckt hatte. Der Ball zischte unhaltbar in den Winkel, und Malmö-Keeper Paulo Conceicao schaute dem Fluggerät hinterher, als wolle er sich dessen Marke merken. "Manchmal weißt du einfach, dass du ihn triffst", sagte Söderberg, "und manchmal weißt du, dass der Torwart ihn auf keinen Fall hält." Trainer Mister Fussball - ja, der Mann heißt wirklich so - zeigte sich in der Halbzeit zufrieden, aber nicht satt: "Wir wollten weiter draufgehen. Wenn du 28 Torschüsse hast, willst du auch ein paar Tore mehr." Seine Jungs nahmen ihn wörtlich. In der 65. Minute legte Torsten Lindström das 3:0 nach. Der bullige Rechtsaußen, sonst eher für rustikale Flanken bekannt, schob nach einem feinen Doppelpass mit Söderberg überlegt ein. "Torsten hat mich überrascht", witzelte Trainer Fussball. "Ich dachte, er haut den über die Tribüne - stattdessen trifft er die lange Ecke." Malmö-Coach Christoph Kleinschmidt wirkte da schon leicht gealtert, als er an der Seitenlinie die Hände in die Taschen schob. "Wir wollten offensiv stehen", murmelte er später. "Das taten wir auch - leider zu offensiv." Seine Mannschaft hatte da ganze drei Torschüsse zustande gebracht, Ballbesitz 41 Prozent, Zweikampfquote unterirdisch. Die Statistik war gnädiger als das Spiel. Das 4:0 fiel in der 72. Minute - wieder durch Afzelius, diesmal nach Zuspiel des eingewechselten Niyazi Kocaoglu, der frischen Wind brachte. Afzelius nahm den Ball lässig mit, täuschte an, schob trocken ein. Das Publikum stand Kopf. Einer rief: "Gib ihnen eine Karte für den Bus nach Hause!" Doch selbst das war nicht der Schlusspunkt. In der 94. Minute, als Malmö längst nur noch den Abpfiff herbeisehnte, setzte Alain Allington den Deckel drauf. Nach Flanke von Jakob Söderberg verwertete er per Kopf zum 5:0-Endstand. Ein Tor, das so elegant war, dass selbst Kleinschmidt kurz applaudierte - zumindest innerlich. "Wir haben heute Fußball gespielt, wie ich ihn mag: mutig, schnell, frech", sagte Mister Fussball nach dem Spiel, während er sich demonstrativ den Trainingsanzug über den Bauch zog. "Aber nächste Woche müssen wir das bestätigen. 5:0 ist schön, aber es gibt immer Luft nach oben." Der Blick auf die Zahlen spricht Bände: 59 Prozent Ballbesitz, 28 Torschüsse, fünf Tore, und kein einziges Gegentor. Malmö? Drei Schüsse, zwei Gelbe Karten, null Trost. Nach dem Abpfiff stand ein Spieler ratlos im Mittelkreis und sagte zu seinem Mitspieler: "Vielleicht war das ja nur ein schlechter Traum." Sein Mitspieler antwortete trocken: "Dann weck mich bitte nicht auf - es könnte schlimmer werden." So verlässt Elfsborg den vierten Spieltag der 1. Liga Schweden als Tabellenführer der Herzen - und wohl auch der Köpfe. Malmö dagegen hat einiges zu sortieren. Christoph Kleinschmidt versprach, "die nächsten Einheiten mit Ball" zu gestalten - was impliziert, dass dieser heute eher optional war. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen, während die Lautsprecher bereits die Hymne spielten. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein alter Fan, mit halb leerem Kaffeebecher in der Hand: "So spielt man Fußball, wenn man Montag frei hat." Ein Satz, der diesen Abend besser zusammenfasst als jede Statistik. 22.02.643987 19:28 |
Sprücheklopfer
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