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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball in Ersboda mehr nach Operette als nach Krimi klang: ein bisschen Drama, viel Lärm, und am Ende gewinnt die Truppe mit dem besseren Taktgefühl. Der FC Elfsborg besiegte den beherzt aufspielenden Ersboda BK mit 4:2 (1:0) und zeigte dabei, dass Effizienz manchmal schöner ist als Ballbesitz-Geklingel. 22.750 Fans im ausverkauften Stadion sahen ein Spiel, das so begann, wie es die Statistik später bescheinigte: Ersboda rannte, Elfsborg traf. Schon in den ersten zwanzig Minuten hagelte es Torschüsse für die Hausherren - Paulus Ohlson prüfte den Keeper, Kevin Engel drosch gleich dreimal aufs Tor, Julio Sancho versuchte es mit südamerikanischer Lässigkeit. Doch der Ball wollte einfach nicht rein. "Ich dachte, der Ball sei verzaubert", grinste Ohlson später. "Wir hätten wahrscheinlich noch bis Mitternacht schießen können." Elfsborg dagegen lauerte, wie es sich für ein Team mit Trainer Mister Fussball (ja, so heißt der Mann wirklich) gehört. In der 44. Minute war es Adriano Manu, der nach feiner Vorarbeit von Niyazi Kocaoglu auf der rechten Seite den Ball humorlos unter die Latte zimmerte - 0:1, und plötzlich war es still im Ersboda-Stadion. Nach der Pause schien Juergen Piel, der Trainer der Heimelf, die passenden Worte gefunden zu haben. "Ich habe gesagt: Jungs, schießt halt einfach weiter, irgendwann muss einer rein." Und siehe da: In der 52. Minute drückte Innenverteidiger Jordi Herreros den Ball nach einem Eckball über die Linie. Die Vorlage kam von Gerard Grenier, der kurzzeitig den Eindruck erweckte, er habe heimlich Regisseurqualitäten. Ersboda witterte Morgenluft - und tatsächlich drehte Adam Hoskins sieben Minuten später die Partie. Nach einem geschmeidigen Pass von Asier Quaresma traf der bullige Mittelstürmer zum 2:1. Die Tribüne bebte, die Fans sangen, der Stadionsprecher überschlug sich vor Freude. Doch dann passierte, was bei Ersboda eben oft passiert: ein kurzer Blackout, drei Tore gegen sich, und der Traum zerbröselt wie Knäckebrot im Regen. Zuerst war es Jakob Söderberg (65.), der nach feinem Zusammenspiel mit dem eingewechselten Jacinto Marco ausglich. Sechs Minuten später zirkelte Valter Afzelius, der schon die ganze zweite Hälfte auf links gewirbelt hatte, den Ball ins lange Eck - 2:3. "Ich hab’s gar nicht richtig gesehen", seufzte Torwart Jesper Karlson, "ich hab nur gehört, wie’s geklatscht hat." Als wollte er den Deckel endgültig draufmachen, traf Yves Tremblay in der 75. Minute nach Vorarbeit von Söderberg zum 2:4. Danach spielte Elfsborg das Ergebnis routiniert herunter - mit 56 Prozent Ballbesitz und einer Passquote, die Mister Fussball später als "fast schon zu schön für diese Liga" bezeichnete. Ersboda versuchte es noch mit wilder Offensive. Trainer Piel brachte Urban Karlson und Herbert Larsson, doch außer einem wütenden Schuss von Hoskins (86.) kam nichts Zählbares heraus. Zu allem Überfluss verletzte sich Julio Sancho kurz zuvor (69.) und musste humpelnd vom Platz. "Wir haben alles gegeben, aber Elfsborg war einfach cleverer", resümierte Piel, der trotz der Niederlage erstaunlich gelassen blieb. "Wenn du 16 Torschüsse hast und nur zwei reinmachst, weißt du, woran du arbeiten musst: am Zielen." Auf der anderen Seite grinste Mister Fussball, der sich nach Abpfiff demonstrativ die Hände rieb. "Wir haben das Spiel kontrolliert, auch wenn Ersboda uns anfangs laufen ließ. Vier Tore aus elf Schüssen - das nennt man Qualität, oder Glück. Mir egal, Hauptsache drei Punkte." Ein letzter Applaus brandete durchs Stadion, als die Gäste den Platz verließen. Die Fans in Gelb und Schwarz (Elfsborg) sangen, die in Blau und Weiß (Ersboda) schimpften, und irgendwo im Presseraum fiel der Satz, der das Spiel wohl am besten beschreibt: "Ersboda schießt, Elfsborg trifft." Am Ende stand ein 2:4, das deutlich klingt, aber eine Geschichte von Chancenwucher und taktischer Reife erzählt. Ein Sieg der Nerven über die Nervösen. Und während Mister Fussball zufrieden in den Mannschaftsbus stieg, rief ein Fan von Ersboda ihm hinterher: "Beim Rückspiel holen wir euch!" - worauf der Trainer trocken zurückwinkte: "Dann bringt bitte ein Torwartnetz mit größeren Löchern mit." Fußball, wie ihn Schweden liebt - ehrlich, laut, ein bisschen verrückt. 14.06.643993 05:18 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund