Sverige Fotboll
+++ Sportzeitung für Schweden +++

Eiskalter Engel beschert Ersboda den Sieg in Göteborg

Göteborg - 12.500 Zuschauer hatten sich an diesem frostigen Februarabend im Ullevi-Stadion eingefunden, um den 18. Spieltag der 1. Liga Schweden zu sehen - und viele dürften sich noch immer fragen, wie man mit 56 Prozent Ballbesitz und fünf Torschüssen so leer ausgehen kann. Göteborg AS versuchte alles, spielte gefällig, aber am Ende jubelte Ersboda BK über ein abgeklärtes 2:0.

Es war ein Spiel, das sinnbildlich für die Saison von Göteborg stand: viel Ball, wenig Biss. Trainer Andersson - der nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen in die Kabine stapfte - hatte seine Mannschaft auf "kontrollierten Angriff" eingestellt. Nur kontrolliert war hier vor allem eines: die eigene Harmlosigkeit. "Wir wollten ruhig aufbauen", sagte Kapitän Eric Uggla später, "aber irgendwann war der Ball halt immer wieder bei denen."

Und die "Denen", also Ersboda BK, hatten einen Plan, der so simpel wie effektiv war: laufen, schießen, treffen. Schon nach drei Minuten prüfte Asier Quaresma den Göteborger Torwart Edvard Karlsson mit einem Distanzhammer. Der Keeper parierte glänzend - und tat das noch weitere 19 Mal. Doch irgendwann musste auch er kapitulieren.

Nach 53 Minuten ließ Kevin Engel, der rechte Flügelstürmer der Gäste, das Stadion kurz verstummen. Nach einem feinen Pass von Jack Maxwell zog er aus halbrechter Position ab - 1:0 für Ersboda. Engel rannte jubelnd zur Eckfahne, während Göteborgs Innenverteidiger sich gegenseitig fragend anblickten. "Ich hab kurz überlegt, ob ich überhaupt schießen soll", grinste Engel später, "aber dann hab ich’s einfach gemacht. Manchmal hilft Nachdenken ja nicht."

Göteborg versuchte zu antworten. Trainer Andersson brüllte von der Seitenlinie: "Mehr Bewegung!", woraufhin sein Stürmer Joschua Dietz tatsächlich einen Schritt nach links machte - um dann prompt eine Gelbe Karte zu kassieren, weil er beim nächsten Zweikampf etwas zu beherzt einstieg. Es passte ins Bild.

Ersboda dagegen spielte weiter mit einer Selbstverständlichkeit, die man sonst eher von Tabellenführern kennt. Ihre Taktik blieb offensiv, aggressiv, fast schon frech. Und so kam es, wie es kommen musste: In der 67. Minute war es wieder Kevin Engel, der nach Zuspiel von Julio Sancho das 2:0 markierte. Doppeltorschütze, Matchwinner, Engel eben. "Ich schieße lieber zweimal als gar nicht", meinte der 24-Jährige trocken.

Göteborg hatte noch Chancen - oder besser gesagt: eine Handvoll halber Chancen. Uggla prüfte in der 60. Minute Torwart Halvorsen, Alf Pederson versuchte es aus spitzem Winkel, und Dietz schoss einmal so weit vorbei, dass der Ball fast beim Linienrichter landete. Der reagierte geistesgegenwärtig, sprang zur Seite - vielleicht die dynamischste Bewegung eines Göteborger an diesem Abend.

Die Zuschauer, in dicke Schals gehüllt, gaben alles. "Heja, Heja Göteborg!" hallte es, doch selbst das konnte die Mannschaft nicht wachkitzeln. "Wir hatten den Ball, aber sie hatten den Plan", fasste ein resignierter Fan nach Schlusspfiff zusammen.

Auch Gästetrainer Piel Juergen zeigte sich in bester Laune: "Ich hab meiner Mannschaft gesagt: Wenn ihr lauft, wird’s warm. Und siehe da, es hat funktioniert." Seine Mannschaft hatte nicht nur 20 Torschüsse, sondern auch 56 Prozent der Zweikämpfe gewonnen - und das, obwohl Göteborg optisch das Spiel machte.

Einen Schreckmoment gab es noch in der 79. Minute, als Ersbodas Mittelstürmer Adam Hoskins nach einem Zweikampf verletzt liegen blieb. "Nichts Schlimmes", beruhigte Juergen später, "er hat sich nur an seinem eigenen Ehrgeiz verhoben."

Als der Schiedsrichter schließlich abpfiff, blickten die Göteborger Spieler in die kalte Nacht - und wohl auch in eine ungemütliche Zukunft. Der Trainer schüttelte den Kopf: "Man kann ein Spiel nicht gewinnen, wenn man nur so tut, als wolle man ein Tor schießen."

Ersboda BK dagegen feierte ausgelassen. Kevin Engel ließ sich von seinen Mitspielern auf die Schultern heben. "Zwei Tore in Göteborg - das erzählt man seinen Enkeln", rief er lachend, bevor er in der Kabine verschwand.

Am Ende bleibt ein verdienter Sieg für Ersboda, ein ratloser Gastgeber und die Erkenntnis, dass Ballbesitz zwar schön aussieht, Tore aber immer noch mehr zählen. Oder, wie ein älterer Herr auf der Tribüne murmelte, während er sein Bier austrank: "Die Göteborger hatten den Ball - die anderen den Verstand."

Und irgendwie war das an diesem Abend der Unterschied.

24.12.643990 09:23
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager