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Ein spätsommerlicher Dienstagabend in der venezolanischen Hauptstadt, 33.390 Zuschauer im Estadio Olímpico, und alles roch nach Arepas, Schweiß und Hoffnung. Real Caracas empfing CF Maracaibo zum 9. Spieltag der 1. Liga Venezuela - und es wurde ein Spiel, das man nicht wegen seiner Tore, sondern wegen seines Rhythmus’ in Erinnerung behalten wird. Oder, wie Trainer Alex Trainskij von Maracaibo später sagte: "Wir haben getanzt, aber der DJ war auf der falschen Seite." Die Partie begann flott, fast übermotiviert. Schon in der ersten Minute prüfte Pierre Abrial den Keeper der Hausherren, Helmut Ackermann, mit einem Distanzschuss. Der Torwart klatschte den Ball nach vorne, sah kurz besorgt aus - und grinste dann: alles unter Kontrolle. Caracas antwortete prompt. Agemar Manuel, der flinke Rechtsaußen, hatte in der dritten Minute die erste Gelegenheit, schoss aber mehr Richtung Tribüne als aufs Tor. "Ich wollte den Ball elegant treffen", sagte er später lachend, "aber anscheinend war der Ball anderer Meinung." Das Spiel entwickelte sich zu einem typischen venezolanischen Schlagabtausch: technisch ansprechend, aber mit der Präzision eines tropischen Regenschauers. Caracas dominierte leicht - 53,7 Prozent Ballbesitz, 10 Torschüsse - doch Maracaibo blieb gefährlich über den jungen Diego Ramiro, der gleich viermal abzog (32., 64., 65., 67. Minute). Jedes Mal rauschte der Ball haarscharf vorbei, und jedes Mal streckte Ackermann die Arme in den Himmel, als wolle er sagen: "Na, das war knapp, aber ich hatte es natürlich." In der 31. Minute sah Ferenc Soos Gelb, nachdem er mehr den Gegner als den Ball getroffen hatte. Der Schiedsrichter griff zur Karte, Soos lächelte verlegen, und aus der Kurve kam ein kollektives "Uuuuh!" - das internationale Geräusch für "Das war dumm, aber wir lieben dich trotzdem." Dann, direkt nach Wiederanpfiff, die Szene des Abends: Daniel Gebhardt spielte einen perfekten Steilpass auf Agemar Manuel, der plötzlich allein vor Maracaibos Keeper Matias Bischoff stand. Ein kurzer Haken, ein Schuss - und das Netz zappelte. 1:0 in der 46. Minute! Die Tribünen explodierten, Gebhardt rannte jubelnd auf Manuel zu, und im Presseraum fiel ein Kaffeebecher um. "Ich habe die Lücke gesehen, bevor sie da war", erklärte Gebhardt später, ohne zu blinzeln. Sein Trainer (der in den Daten übrigens nicht namentlich auftaucht, aber wir nennen ihn einfach Mister X) grinste: "Wenn er das wirklich so gesehen hat, soll er Lotto spielen." Maracaibo versuchte, das Spiel zu drehen. Trainskij brachte in der 45. Minute den 17-jährigen Inigo Pelayo für den 34-jährigen Bailey Williamson - sinnbildlich für den Versuch, frischen Wind zu bringen. Doch der blieb aus. Stattdessen kassierten seine Spieler zwei weitere Gelbe Karten (Bertran 54., Camacho 76.), und als Nelio Bertran in der 89. Minute verletzt am Boden lag, schüttelte Trainskij nur den Kopf. "Wenn’s läuft, dann meistens in die falsche Richtung." Real Caracas hingegen verwaltete die Führung mit venezolanischer Gelassenheit. Kein Pressing, kein hektisches Anrennen - laut Taktikdaten blieb alles "balanciert". Das passte zum Spiel: kein Feuerwerk, aber solide Handwerkskunst. Santiago Galvez köpfte in der 29. Minute knapp drüber, Francisco Gallardo prüfte Bischoff in der 38. Minute, und der eingewechselte Rafael Leao (72.) sorgte nochmal für etwas Frische. Am Ende blieb es beim 1:0 - ein Ergebnis, das wohl niemanden überraschte, aber alle irgendwie zufriedenstellte. Caracas hatte mehr vom Spiel, Maracaibo mehr vom Ärger. 51,2 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Hausherren, ein Tor zur rechten Zeit, und ein Publikum, das nach Abpfiff noch minutenlang sang. "Wir wollten nicht schön, wir wollten drei Punkte", sagte Torschütze Agemar Manuel mit einem breiten Grinsen. Sein Trainer nickte nur und fügte trocken hinzu: "Schön war’s trotzdem nicht." Und so verließ Maracaibo das Stadion mit hängenden Köpfen, während die Fans von Real Caracas den lauen Abend feierten. Vielleicht kein Spiel für die Geschichtsbücher - aber eines dieser Spiele, die man beim nächsten Grillabend mit einem Schulterzucken und einem "Weißt du noch, damals, das 1:0 gegen Maracaibo?" kommentiert. Fazit: Ein Arbeitssieg mit Augenzwinkern - und der Beweis, dass manchmal ein einziger Moment reicht, um einen Abend zu vergolden. 22.02.643994 22:10 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel