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Es war einer dieser Abende, an denen das Stadion brodelte, die Luft vibrierte und 71.103 Zuschauer kollektiv zwischen Hoffnung, Verzweiflung und Euphorie pendelten. Diablos Guadalajara und Deportivo Pachuca trennten sich am 27. Spieltag der 1. Liga Mexico mit 1:1 - ein Ergebnis, das die Statistiker zufriedenstellt, aber die Fans der "Diablos" wohl noch eine Weile diskutieren lässt. Von Beginn an machten die Gastgeber klar, wem das Haus gehört. Schon in der zweiten Minute prüfte Archie Valentine den gegnerischen Keeper Otto Justesen - und das gleich mehrfach. Drei Torschüsse in den ersten 15 Minuten, einer gefährlicher als der andere. "Ich wollte einfach mal sehen, ob er wach ist", grinste Valentine später. Der Däne im Tor von Pachuca war es - und wie. Doch die Gäste ließen sich vom frühen Druck der "Teufel" nicht beeindrucken. Xabi Ordonez und Duarte Ramallo antworteten mit schnellen Gegenangriffen, und spätestens als Adriano Almeida in der 18. Minute nur knapp verzog, war klar: Das wird kein Spaziergang. "Wir wollten sie kommen lassen und dann stechen", erklärte Pachuca-Trainer Bernd Franke nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung lag. In der 26. Minute stockte den heimischen Fans kurz der Atem: Antonio Pascual blieb nach einem Sprint liegen - Muskelverletzung. Trainer Ralf Mr reagierte sofort und brachte Pedro Coluna, der sich gleich in die Partie biss. "Ich hab nur ’rein da!’ gesagt, und Pedro hat geliefert", so Mr, der an der Seitenlinie zwischen Wutrede und Motivationsshow pendelte. Das Spiel war zur Pause torlos, aber hochintensiv. 54 Prozent Ballbesitz für Guadalajara, 14 Torschüsse insgesamt - die Statistik sprach für die Gastgeber, der Spielstand nicht. "Wenn Statistiken Tore wären, hätten wir gewonnen", murmelte Mittelfeldtalent Philippos Dimoutsos in der Halbzeit in Richtung eines Betreuers, offenbar halb im Scherz, halb im Frust. Nach Wiederanpfiff schien Pachuca frischer, aggressiver. Ordonez sah zwar in der 47. Minute Gelb nach einem rustikalen Einsteigen - "Er hat den Ball gesucht, aber nur den Gegner gefunden", kommentierte ein Fan süffisant -, doch die Gäste übernahmen zunehmend das Kommando. Dann kam die 76. Minute: Adriano Almeida setzte sich auf der rechten Seite stark durch, flankte scharf in den Strafraum - und ausgerechnet Linksverteidiger Sergio Alvarez rauschte heran und drosch den Ball mit einem satten Schuss unter die Latte. 0:1! Der Gästeblock explodierte, während sich Ralf Mr wütend die Kappe vom Kopf riss. "Wir haben geschlafen", knurrte er später. Doch die Diablos wären nicht die Diablos, wenn sie sich so einfach ergeben hätten. Angetrieben vom frenetischen Publikum warfen sie alles nach vorn. Dimoutsos, der junge Grieche, rannte, passte, fluchte - und in der 82. Minute sollte er belohnt werden. Nach einer Ecke kam der Ball über Umwege zu Rechtsverteidiger Oscar Galindez, der sich ein Herz fasste und aus 18 Metern abzog. Der Ball touchierte noch einen Verteidiger und zappelte im Netz - 1:1! Das Stadion bebte. "Ich dachte zuerst, der Ball fliegt auf den Parkplatz", lachte Galindez nach dem Schlusspfiff, "aber dann hat er sich entschieden, doch noch Held des Abends zu werden." In den letzten Minuten drückte Guadalajara weiter, doch Pachuca verteidigte clever und mit Routine. Adam Gunn, frisch eingewechselt, vertändelte in der 88. Minute eine mögliche Konterchance, worauf Coach Franke nur die Hände vors Gesicht schlug. "Wenn er den Ball einfach querlegt, nehmen wir hier drei Punkte mit", so der Trainer später, halb ernst, halb resigniert. Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das beiden Seiten irgendwie gerecht wurde. Guadalajara mit mehr Ballbesitz (54 Prozent), mehr Torschüssen (14 zu 15, also fast pari), aber zu wenig Effizienz. Pachuca diszipliniert, gefährlich im Umschalten, aber am Ende zu passiv, um den Sieg wirklich zu erzwingen. "Wir hätten es früher klar machen müssen", sagte Bernd Franke und schob hinterher: "Aber wer hier einen Punkt holt, darf auch mal zufrieden sein." Ralf Mr hingegen kommentierte trocken: "Ein Teufelstor reicht nicht, wenn man den Himmel stürmen will." So blieb es bei einem Remis, das sich anfühlte wie ein Krimi ohne Finale - spannend, laut, mit einer Prise Wahnsinn. Und irgendwo auf der Tribüne wird wohl ein Fan gesagt haben: "Wenn sie so weiterkämpfen, dann klappt’s nächste Woche mit drei Punkten." Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Schließlich sind die Diablos für Überraschungen bekannt - und für späte Feuerwerke. 07.12.643987 14:13 |
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