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Ein Punkt, zwei Welten: Wiedenbrück und Auerbach teilen sich das 1:1

Es war ein Abend, an dem 42.011 Zuschauer in Wiedenbrück nicht wussten, ob sie am Ende jubeln oder stöhnen sollten. Das 1:1 zwischen den Kickers und dem VfB Auerbach am 20. Spieltag der 1. Liga Deutschland war ein Spiel, das alles hatte - außer einen Sieger. Trainer Dexter Morgan (ja, der Name verführt zu makabren Wortspielen) dürfte sich nach Abpfiff gefragt haben, wie man so viel Kontrolle besitzen und trotzdem nur einen Punkt mitnehmen kann.

Wiedenbrück begann mit der taktischen Handschrift Morgans: defensiv eingestellt, auf Konter lauernd, aber mit einem gehörigen Maß an "wir hauen den Ball einfach mal nach vorn". Auerbach-Coach Harty Hardsen hingegen hatte sein Team auf Angriff getrimmt - offensiv, mutig, aggressiv, beinahe trotzig. Die ersten Minuten gehörten aber den Hausherren: Eduardo Gutierre prüfte Auerbach-Keeper Isaac MacKintosh gleich dreimal in den ersten 25 Minuten, als wolle er ihn persönlich in den Feierabend schicken.

In der 20. Minute dann die Belohnung: Marwin Meister, der linke Flügelflitzer, traf nach Vorarbeit von Jürgen Göbel trocken ins rechte Eck. 1:0 für die Kickers - und das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Meister später und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Wenn ich darüber nachgedacht hätte, wäre der Ball wahrscheinlich auf der Tribüne gelandet."

Auerbach wirkte geschockt, fing sich aber nach einer Verletzung von Wouter Roemer (29.) wieder. Der junge Jens Lindner kam und brachte frischen Wind - oder zumindest einen leichten Luftzug. Kurz vor der Pause sah man bei den Gästen erste Anzeichen von Struktur, doch Wiedenbrück verteidigte clever und leidenschaftlich.

Nach dem Seitenwechsel drehte sich das Spielbild wie ein schlecht geschnittener Krimi. Kaum hatte der Schiedsrichter wieder angepfiffen, stand es 1:1: Laurent Maurice, der erfahrene Mittelfeldstratege Auerbachs, nutzte in der 48. Minute eine Unachtsamkeit in der Wiedenbrücker Abwehr und schob eiskalt ein. Wiedenbrücks Torhüter Samuel Jones streckte sich vergebens. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte er später - eine Erklärung, die selbst in der Kreisliga nicht zieht.

Von da an wogte die Partie hin und her. Charles Carter versuchte es aus der Distanz (49.), Yannick Marx köpfte knapp vorbei (52.), während auf der Gegenseite Xabi Velez und Gotthard De Groot immer wieder gefährlich auftauchten. Besonders De Groot, der niederländische Wandstürmer, sorgte in der 86. Minute noch einmal für Herzrasen im Stadion, doch Jones machte seinen Fehler aus Halbzeit eins wieder gut.

Zwischenzeitlich verlor das Spiel etwas an Spielfluss - nicht zuletzt wegen Gelber Karten für Erik Schulz (63.) und Fernando Alves (79.), die beide meinten, das Wort "Aggressivität" im Taktikzettel ihres Trainers besonders ernst nehmen zu müssen. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich Schulz. Hardsen kommentierte trocken: "Er hat ihn ja auch getroffen - nur nicht den richtigen."

Dexter Morgan reagierte in der 59. Minute mit einem Doppelwechsel: Patrik Lopez ersetzte den müden Gutierre, Otto Hofer kam für den jungen Carsten Eckert. Das brachte kurzzeitig frischen Schwung, aber kein Tor. In der Nachspielzeit gab es dann noch eine kuriose Szene, als Morgan den 18-jährigen Ersatzkeeper Essi Suhonen für Samuel Jones brachte. "Er sollte mal Stadionluft schnuppern", erklärte Morgan. Ob man dazu wirklich eine laufende Partie braucht, sei dahingestellt.

Statistisch gesehen hatte Wiedenbrück die Nase leicht vorn: 54 Prozent Ballbesitz, 9:6 Torschüsse und eine Zweikampfquote von 52 Prozent. Doch Auerbachs Kompaktheit und Hartnäckigkeit sorgten dafür, dass am Ende beide Seiten mit einem fairen Unentschieden leben mussten.

"Mit dem Punkt können wir leben", meinte Hardsen in der Pressekonferenz, "auch wenn ich das Gefühl habe, dass wir noch eine Stunde hätten weiterspielen können, ohne dass jemand trifft." Morgan sah es ähnlich: "Solange wir vorne Chancen vergeben und hinten Geschenke verteilen, ist das Ergebnis logisch."

So blieb es beim 1:1 - ein Resultat, das keiner Mannschaft wirklich hilft, aber beiden beweist, dass Fußball manchmal einfach ein Spiel der verpassten Gelegenheiten ist.

Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen und die letzten Fans noch über die merkwürdige Torwart-Auswechslung diskutierten, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren: Hier haben zwei Teams gespielt, die sich gegenseitig neutralisierten - mit viel Herz, etwas Chaos und einer Prise Humor. Ein Spiel, das man nicht unbedingt gewinnt, aber auch nicht vergisst.

18.09.643987 06:35
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