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Caracas, 28. Januar 2026 - Es war einer dieser Abende, an denen ein ganzes Stadion den Atem anhält, weil ein 20-jähriger Stürmer beschließt, sein eigenes Kapitel Vereinsgeschichte zu schreiben. Real Caracas schlägt Guaro Larense mit 1:0 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine Partie beschreibt, die alles andere als nüchtern verlief. Trainer Eiko Henke stapfte nach Schlusspfiff mit einem erleichterten Lächeln über den Rasen. "Wir haben heute Fußball gearbeitet, nicht gespielt", sagte er, während 30.631 Zuschauer noch immer in der Abendluft jubelten. Und tatsächlich: Es war kein rauschendes Fest des Passspiels, sondern 90 Minuten voller Kampf, Krämpfe und kleiner Dramen. Die Anfangsphase gehörte Real Caracas. Schon in der ersten Minute prüfte der flinke Rechtsaußen Agemar Manuel den Gästetorwart mit einem wuchtigen Schuss - ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Fünf Minuten später versuchte es Francisco Gallardo gleich doppelt, doch Guaros Keeper Marcos Penas war hellwach. Auf der Gegenseite hielten Xavi Galindo und Amaury Baiao das Spiel offen, schossen in der zehnten und zwölften Minute gefährlich auf das Tor von Helmut Ackermann, der jedoch die Ruhe selbst blieb. "Ich hab’ nur gedacht: Nicht schon wieder ein 0:0", raunte ein Fan hinter mir in der Pressetribüne, als Gallardo in Minute 18 erneut verzog. Caracas schien alles zu versuchen, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Zur Pause stand es 0:0 - und Henke wirkte an der Seitenlinie so entspannt wie ein Mensch beim Zahnarztbesuch. Nach dem Seitenwechsel tat sich zunächst wenig. Guaro Larense hatte mehr Ballbesitz (53 Prozent über das ganze Spiel), Real Caracas dafür die klareren Chancen. Dann, in der 72. Minute, explodierte das Stadion: Miguel Costa, der erfahrene Mittelfeldmotor, sah den jungen Agemar Manuel starten, legte mit einem butterweichen Pass in die Tiefe - und Manuel blieb eiskalt. Flach ins rechte Eck, 1:0! Jubel, Tränen, bengalische Fackeln - Caracas bebte. "Ich hab gar nicht nachgedacht, einfach draufgehauen", grinste Manuel später. "Costa hat’s mir leicht gemacht." Guaro Larense warf danach alles nach vorne, doch Real Caracas verteidigte mit Zähnen und Klauen. Innenverteidiger Tomas Fritz, später noch verwarnt, grätschte, als hinge das Schicksal der Liga von jedem Ball ab. Adriano Machado sah in der 63. Minute Gelb, Daniel Gebhardt in der 82., und als ob das nicht reichte, verletzte sich Gebhardt in der Nachspielzeit - ein bitteres Ende für den jungen Flügelspieler. "Wir haben’s vergeigt in den ersten 60 Minuten", schimpfte Gästecoach (dessen Name im Spielbericht seltsam fehlte) nach der Partie. "Man kann nicht 16 Schüsse zulassen und hoffen, ungeschoren davonzukommen." Ganz unrecht hatte er nicht: Real Caracas feuerte 16 Mal in Richtung Tor, Guaro Larense kam nur auf 6 Versuche - und das trotz leichtem Übergewicht im Ballbesitz. Henke dagegen lobte sein Team für den Einsatz: "Wir wussten, dass Guaro stark in der Ballzirkulation ist. Also haben wir ihnen den Spaß genommen. Wenn’s schön werden soll, müssen sie ins Museum gehen." In den Schlussminuten brannte Caracas noch einmal ein Pressing-Feuerwerk ab, das die Gäste kaum über die Mittellinie ließ. Der taktische Schalter - von "kein Pressing" auf "ja, alles nach vorne" - war so offensichtlich, dass selbst die Tauben auf dem Tribünendach nervös flatterten. Als der Schlusspfiff kam, fiel Henke seinem Torschützen in die Arme. "Eiko hat mich fast erdrückt", lachte Manuel, während die Kameras klickten. "Er meinte nur: ’Ich hab’ dir das gestern im Training genauso gesagt!’" Ein 1:0 also, das mehr war als eine Zahl. Es war ein Sieg des Willens, der Geduld - und des jugendlichen Leichtsinns, der manchmal eben genau das Richtige tut. Real Caracas bleibt damit im oberen Tabellendrittel der "1. Liga Venezuela" und darf weiter vom internationalen Geschäft träumen. Ein alter Fan fasste es beim Hinausgehen besser zusammen, als jeder Taktikexperte es könnte: "Schöner Fußball? Nein. Aber schöner Abend." Und manchmal ist das im Stadion von Caracas eben genau dasselbe. 08.12.643987 02:42 |
Sprücheklopfer
Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muß man sich fragen: Warum!? Ja, warum? Und was muß man tun? Ihn sich wiederholen!
Giovanni Trappatoni