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Ein lauer Sommerabend in Paraguay, 43.500 Zuschauer im Estadio 12 de Octubre, und am Ende dieses 19. Spieltags der 1. Liga Paraguay war klar: Es gibt Unentschieden, die fühlen sich wie Siege an - und solche, die wie Zahnarzttermine schmecken. Das 2:2 zwischen AD 12 Octubre und Club General Luque gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. Dabei fing alles so verheißungsvoll an für die Hausherren. Schon in der 38. Minute sorgte Alexander Catrall mit einem satten Linksschuss für die Führung, nachdem Albert Teixeira ihn mit einem Pass aus der Tiefe bedient hatte, der glatt aus einem Trainingsvideo hätte stammen können. "Ich hab einfach gedacht: Wenn er nicht schießt, schrei ich ihn an", grinste Teixeira später. Catrall tat ihm den Gefallen - und das Stadion bebte. Bis zur Pause bestimmten die Gastgeber das Geschehen, obwohl sie mit nur 46 Prozent Ballbesitz auskommen mussten. Dafür waren sie deutlich zielstrebiger: 15 Torschüsse insgesamt, und wenn man ehrlich ist, hätten sie daraus mehr machen können. Trainer Tommy Tomsen schnaubte in der Halbzeit vor der Bank: "Wir spielen schön, aber die Tore zählen, nicht die Likes!" Doch kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, war die Führung dahin. In Minute 49 zirkelte Leandro Suero von General Luque den Ball nach feiner Vorarbeit von Julian Celis ins Netz - und plötzlich war die Partie wieder offen. "Wir wussten, dass sie vorne brandgefährlich sind", gestand 12-Octubre-Keeper Liam O’Leary, "aber ich hab gehofft, sie vergessen das ausnahmsweise mal." Die Antwort kam prompt: In der 61. Minute war es Ruben Hernandez, der nach einem kraftvollen Lauf über rechts und einer butterweichen Flanke von Oscar Haddington das 2:1 erzielte. Das Publikum tobte, Trainer Tomsen riss die Arme hoch, und Hernandez rannte jubelnd zur Eckfahne, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden. Doch der Jubel hielt ganze zwei Minuten. Stephane Caron, der rechte Flügelwirbel von Luque, nutzte in der 63. Minute eine Unaufmerksamkeit in der Defensive - und stellte nach Vorarbeit von Gabriel Houghton wieder auf Gleichstand. Ironie des Abends: Beide Teams schienen sich ab da mit dem Ergebnis abgefunden zu haben, auch wenn sie es nie zugeben würden. "Wir wollten gewinnen", betonte Gästecoach Rolando Rolando mit ernster Miene, "aber manchmal spielt der Ball eben nicht mit." Dass seine Männer am Ende 54 Prozent Ballbesitz und elf Torschüsse hatten, half ihm bei der Laune nur bedingt. Zumal er schon nach 15 Minuten gezwungen war, den verletzten Rechtsverteidiger Carlos Delgado rauszunehmen. "Er hat gesagt, sein Bein fühlt sich an wie Kaugummi", erzählte Rolando halb besorgt, halb genervt. Ersatzmann Sven Schaller tat, was er konnte - und sammelte immerhin eine gelbe Karte in der 54. Minute. Auch sonst ging es ordentlich zur Sache: Drei Gelbe für die Gäste, keine für die Hausherren - ein kleiner statistischer Sieg für 12 Octubre, die in Sachen Aggressivität laut Taktikdaten ohnehin auf "STRONG" programmiert waren. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Angst haben", sagte Abwehrchef Garritt Brinkerhoff, "auch wenn meine Schienbeine das anders sehen." In der Schlussphase passierte dann das, was bei solchen Spielen fast immer passiert: Beide Teams hatten noch Chancen, keiner nutzte sie. Catrall prüfte in der 90. Minute noch einmal Keeper Laurent Bonnaire - doch der parierte spektakulär. Auf der Gegenseite jagte Billy Onnington den Ball in der 83. Minute knapp über den Querbalken. Der Rest war viel Kampf, viel Gestikulieren und ein bisschen Schauspiel - Fußball also, wie ihn die Fans lieben und Trainer hassen. "Ich bin zufrieden, aber nicht glücklich", bilanzierte Tommy Tomsen nach Abpfiff und ergänzte mit einem schiefen Lächeln: "Das ist ungefähr mein Dauerzustand." Sein Gegenüber Rolando Rolando konterte trocken: "Bei uns war’s umgekehrt - glücklich, aber nicht zufrieden." Unterm Strich bleibt ein gerechtes Remis, das keinem so richtig hilft, aber allen Gesprächsstoff liefert. Beide Teams zeigten Offensivgeist, kämpften bis zum Schluss und bewiesen, dass ein 2:2 manchmal spannender sein kann als ein 5:0. Und während die Zuschauer nach Hause schlenderten, murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald Herztabletten im Stadionkiosk." Vielleicht hat er recht. Aber hey - dafür lieben wir diesen Sport. 26.08.643987 23:03 |
Sprücheklopfer
Mann! Mehr Abseits geht nicht! Also ehrlich!
Christoph Daum zum Linienrichter