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Dynamo tanzt Verl schwindelig - ein 4:0 der veredelten Sorte

Wenn an einem frostigen Januarabend 39.299 Menschen im Rudolf-Harbig-Stadion die Sitzheizungen vergessen, dann muss etwas Warmes auf dem Rasen passiert sein. Und tatsächlich: Dynamo Dresden bot beim 4:0 gegen den SC Verl eine Vorstellung, die selbst den Glühwein überflüssig machte. Es war die Sorte Heimspiel, bei der man sich fragt, ob der Gegner überhaupt den Bus gefunden hat - oder ob er noch irgendwo auf der A4 im Stau steht.

Schon nach wenigen Minuten war klar, dass Dresden an diesem 22. Spieltag der 1. Liga Deutschland keine Lust auf Zurückhaltung hatte. 20 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, dazu eine Pressingwelle, die in der Schlussphase fast Mitleid mit den Gästen aufkommen ließ - das ist die nüchterne Statistik. Die emotionale: Es war ein Fußballfest mit Pauken, Trompeten und gelegentlich fast schon tänzerischer Leichtigkeit.

Der Auftakt gehörte dem quirligen Xabi Gome. Der 22-jährige Linksaußen, der aussieht, als würde er auch beim Stadtfest noch einen Sprint anziehen, traf in der 17. Minute nach feinem Zuspiel von Youngster Jan Erdmann. "Ich hab nur den Fuß hingehalten - und dann war’s plötzlich laut", grinste Gome hinterher. Laut war es tatsächlich: Die Südtribüne bebte, und Trainer Dynamo Dresden (ja, er heißt wirklich so) klatschte so heftig, dass man kurz um seine Handflächen fürchten musste.

Dass ein Rechtsverteidiger das 2:0 erzielt, ist normalerweise ein Zeichen dafür, dass der Gegner etwas zu viel Platz lässt. In Minute 37 nutzte Kai Stein genau diesen Umstand. Nach einem präzisen Pass von Adriano Veloso schob er den Ball überlegt ins lange Eck - und sah dabei aus, als hätte er das schon immer so gemacht. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Stein später lachend zu. "Aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich: Das war Absicht."

Zur Halbzeit stand es 2:0, und SC-Verl-Trainer Big Bang - nomen est omen - versuchte in der Kabine offenbar, seine Mannschaft mit einer Ansprache aus der Galaxie zu erreichen. "Wir wollten offensiv bleiben, auf Konter setzen", erklärte er später mit stoischer Ruhe. Nur: Die Raketen zündeten nicht. Verl brachte es auf ganze vier Torschüsse.

In der 60. Minute dann das 3:0: Marko Schmitt, der rechte Mittelfeldläufer mit der unauffälligen Spielweise, traf nach Vorlage von - genau - Kai Stein. "Ich hab Kai schon beim Jubel zugerufen, dass ich jetzt eine Flanke von ihm erwarte", erzählte Schmitt. "Er hat geliefert, ich hab erledigt. So einfach ist Fußball manchmal."

Und weil es an diesem Abend offenbar keinen Dynamo-Spieler gab, der nicht Lust auf Glanz hatte, setzte Adriano Veloso in der 80. Minute den Schlusspunkt. Nach einem butterweichen Pass von Innenverteidiger Vitor Albinana drosch Veloso den Ball ins Netz. 4:0. Das Stadion stand Kopf, der Gegner schaute betroffen.

Wirklich Pech hatte der SC Verl schon in der ersten Halbzeit, als Tomas Rodriguez nach 28 Minuten verletzt vom Platz musste. Für ihn kam der erfahrene Patrik Franz, der immerhin noch zwei Torschüsse abgab - einer davon landete immerhin in der Nähe des Dresdner Fanblocks.

Der Rest war Schaulaufen. Dresden spielte wie im Rausch, kombinierte in der Schlussphase mit "Pressing auf Spaßniveau", wie Trainer Dresden es nannte. "Wir wollten einfach zeigen, dass wir’s können - und das haben die Jungs gemacht. Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon offensiv spielt, dann richtig."

Bei Verl dagegen klang der Coach etwas kleinlaut. "Wir hatten einen Plan", sagte Big Bang, "aber Dynamo hatte einen besseren."

Jan Erdmann, der 20-jährige Spielmacher, sah das Ganze gelassener. "Ich hab zwar Gelb gesehen, aber immerhin auch ein Tor vorbereitet. Meine Mutter hat gesagt, das gleicht sich aus."

So endete ein Abend, der für Dresden mehr war als nur drei Punkte. Es war ein Statement. Ein 4:0, das nachklingt. Die Fans sangen noch Minuten nach dem Abpfiff, während auf der Anzeigetafel die Zahlen leuchteten: 4:0 (2:0).

Und irgendwo tief im Bauch des Stadions, zwischen den Gängen aus Beton und Biergeruch, hörte man einen Ordner sagen: "Wenn die so weiterspielen, brauchen wir bald ein größeres Stadion."

Ein Satz, der an diesem Abend nicht übertrieben klang. Denn Dynamo Dresden war - zumindest für 90 Minuten - nicht nur ein Fußballverein. Es war eine Showband in Gelb-Schwarz, die den Takt vorgab, während der SC Verl dazu nur höflich mitklatschen konnte.

30.09.643987 18:25
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