Anpfiff
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Düsseldorf zerlegt Oldenburg - und hat sogar noch Spaß dabei

Ein grauer Januartag, 20:30 Uhr, Flutlicht in der Arena am Rhein - und 12.500 Zuschauer durften Zeugen eines Spiels werden, das eher an ein Trainingsspiel mit ungleichen Mannschaften erinnerte. Düsseldorf gewann am 4. Spieltag der 3. Liga Deutschland mit 6:1 gegen den VfL Oldenburg. Ja, sechs zu eins. Und das, obwohl die Gastgeber weniger Ballbesitz hatten. Fußballlogik? Fehlanzeige. Effektivität? 100 Prozent.

Schon nach sechs Minuten ahnte man, dass der Abend für Oldenburg lang werden würde. Sergi Bermudez, der Mann mit der Präzision eines Uhrwerks, nahm nach einem Pass von Jerome Aimee Maß und schob trocken ein. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Bermudez später. "Aber wenn der Ball ins Tor will, wer bin ich, ihn aufzuhalten?"

Nur acht Minuten danach durfte wieder gejubelt werden - diesmal Bailey Musgrave, nach erneutem Zuspiel von Aimee. Der Oldenburger Keeper Kai Klose streckte sich, aber der Ball segelte über ihn hinweg. "In dem Moment dachte ich: Bitte pfeif ab", gestand Klose hinterher mit einem gequälten Lächeln.

In der 22. Minute dann schon das 3:0 - Fernando Mendes, der wie ein Wirbelwind über die linke Seite kam, traf nach Vorlage von Innenverteidiger Ricardo Pinto. Bei Oldenburg begannen die Köpfe zu hängen, während Trainer Matze Mustermann an der Seitenlinie zufrieden nickte. "Wir haben heute mal das umgesetzt, was wir im Training besprochen haben: Tore schießen", sagte er später trocken.

Zur Pause stand es also 3:0, dabei hatte Oldenburg mehr Ballbesitz (56 Prozent) und immerhin zwölf Torschüsse. Das Problem: Die meisten davon landeten irgendwo zwischen Tribüne und Eckfahne. "Wir hatten eigentlich gute Phasen", meinte Oldenburgs Trainer, der sich nach dem Spiel nicht zu erkennen geben wollte - verständlich, wenn man gerade sechs Stück kassiert hat.

Die zweite Hälfte begann, als hätte Düsseldorf beschlossen, ein bisschen Spaßfußball zu spielen. Roman Petrenko durfte raus, dafür kam Ashton MacMillan, ein Innenverteidiger - was normalerweise ein Signal der Vorsicht ist. Nicht so an diesem Abend. Kurz darauf fiel das 4:1 - allerdings für Oldenburg. Gustav Kunze schoss nach Vorlage von Florian Beer in der 74. Minute den Ehrentreffer. Der Gästeblock jubelte, als wäre es der Siegtreffer im Pokalfinale.

Doch die Freude währte exakt 60 Sekunden. Im direkten Gegenzug stellte Ernesto Morais mit seinem ersten Treffer den alten Abstand wieder her. "Ich hab nur kurz geguckt, wo der Torwart steht", erklärte Morais, "und dann einfach draufgehauen." Offenbar stand der Torwart an der falschen Stelle.

Oldenburg hatte da schon ein weiteres Problem: Innenverteidiger Ernst Barre sah erst Gelb (60.) und dann Gelb-Rot (67.). "Er wollte wohl zeigen, dass er noch da ist", kommentierte ein Düsseldorfer Fan trocken aus der Kurve.

In der Nachspielzeit wurde es dann endgültig grotesk. Erst traf Morais erneut (92.), nach Vorarbeit des eingewechselten MacMillan - ja, der Innenverteidiger. "Ich wollte eigentlich klären", lachte MacMillan, "aber Ernesto stand halt im Weg." Und dann setzte Aimee in der 95. Minute mit dem 6:1 den Schlusspunkt, assistiert von Jake Cawdor, der nach dem Spiel meinte: "Ich hätte selbst schießen können, aber Jerome hat mir gedroht, sonst singt er auf der Heimfahrt im Bus."

Am Ende standen 19 Torschüsse für Düsseldorf, 12 für Oldenburg - und trotzdem ein Ergebnis, das keiner Statistik standhält. 43 Prozent Ballbesitz, aber sechs Tore. "Das nennt man Effizienz", sagte Trainer Mustermann, "oder Glück. Ich nehme beides."

Oldenburgs Spieler verließen das Feld mit hängenden Köpfen, während die Düsseldorfer Fans "Zugabe!" riefen. "Wir hätten noch eins machen können", witzelte Musgrave, "aber wir wollten fair bleiben."

Ein Spiel, das zeigt: Fußball ist keine Mathematik, sondern manchmal einfach ein schlechter Witz - nur dass diesmal Düsseldorf die Pointe war.

Und irgendwo in Oldenburg wird man sich fragen: Wie kann man mehr vom Ball haben und trotzdem untergehen wie die Titanic? Antwort: Indem man gegen eine Mannschaft spielt, die jeden Schuss trifft - und dabei so aussieht, als würde sie Spaß am Untergang anderer haben.

Matze Mustermann fasste es am besten zusammen: "Wir wollten Zeichen setzen. Das war wohl ein Leuchtturm."

Ein Leuchtturm, der von Oldenburg aus gesehen wohl blendend hell leuchtet.

22.02.643987 19:32
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Jan-Aage Fjörtoft
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