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Es gibt Spiele, die schreibt man als Reporter mit zitternden Fingern, weil sie so knapp, so dramatisch, so unvorhersehbar sind. Und dann gibt es Spiele wie dieses: ein 9:0-Spektakel der "Duncan Destroyers" gegen das völlig überforderte Team von "Bull Bay". Was am 32. Spieltag der 1. Liga Jamaica im mit 50.000 Zuschauern gefüllten Stadion geschah, war kein normales Fußballspiel - es war eine 90-minütige Lehrstunde in Sachen Effektivität, Spielfreude und, nun ja, Mitleid. "Ich hab irgendwann aufgehört, die Tore zu zählen", gestand Bull-Bay-Trainer Sports Mann nach Abpfiff mit einem gequälten Lächeln. "Ab dem sechsten dachte ich, das sei ein Déjà-vu." Der Mann hatte Grund zur Ironie - seine Mannschaft kam im gesamten Spiel auf sage und schreibe null Torschüsse. Nicht einen einzigen Versuch, der Torhüter Alessandro Pietro auch nur hätte schwitzen lassen. Dabei begann alles harmlos. Die ersten 20 Minuten plätscherten dahin, die Destroyers kombinierten sich warm, Bull Bay stand tief, hielt die Ordnung. Doch dann, in der 30. Minute, brach die Dämme: Jacob Guillory eröffnete nach Vorlage von Nenad Rukavina das Schützenfest. Kaum waren die Fans wieder auf ihren Plätzen, donnerte Rechtsverteidiger Marc Benoi das 2:0 ins Netz - ausgerechnet nach Zuspiel des Innenverteidigers Patrik Johnsen. "Ich hab einfach draufgehalten, weil keiner kam", grinste Benoi später. Und es ging weiter Schlag auf Schlag. Billy Malfoy, der rechte Mittelfeldmotor, traf doppelt (34. und 43. Minute) und verlieh dem Halbzeitstand von 4:0 eine gewisse Logik. "Ich hatte das Gefühl, Bull Bay wollte uns nicht stören", sagte Malfoy trocken. In der Pause soll Destroyers-Coach - der sich vornehm im Hintergrund hielt - lediglich gesagt haben: "Macht einfach weiter, aber bitte nicht zweistellig." Seine Spieler hielten sich brav daran, auch wenn es knapp wurde. In der 55. Minute traf Julien Bethune zum 5:0, nach feiner Vorarbeit von Malfoy, der an diesem Abend ohnehin überall zu sein schien. Dann kam die große Rukavina-Show: Der bullige Linksaußen netzte in der 62. und 65. Minute doppelt, einmal nach Vorlage von Diamantis Papadopoulos, einmal nach Michel Berryer. 7:0 - und noch eine halbe Stunde zu spielen. Ein Zuschauer auf der Haupttribüne rief laut: "Lasst sie leben!", worauf ein anderer konterte: "Es ist zu spät!" Doch die Destroyers hatten noch Lust. Bethune erhöhte in der 74. Minute auf 8:0, und kurz vor Schluss (88.) setzte er mit seinem dritten Treffer den Schlusspunkt zum 9:0-Endstand. "Ich wollte eigentlich noch das vierte machen", lachte der Mann des Abends, "aber mein Schuh war kaputt." Statistisch war das Spiel eine Kuriosität: 31 Torschüsse der Gastgeber, null der Gäste. Der Ballbesitz war paradoxerweise fast ausgeglichen - 49 zu 51 Prozent - was wohl daran lag, dass Bull Bay den Ball meist in der eigenen Hälfte quer spielte, bevor er von den Destroyers abgefangen wurde. Die Zweikampfquote sprach ebenfalls Bände: 60 Prozent für Duncan, 40 für Bull Bay. Zwei Gelbe Karten für die Hausherren (Reece Ward in der 57., Benoi in der Nachspielzeit) waren die einzigen kleinen Makel in einem ansonsten makellosen Fußballabend. "Das war nicht nur ein Sieg, das war eine Demonstration", schwärmte ein Fan beim Verlassen des Stadions. "Ich hab selten gesehen, dass eine Mannschaft so viel Spaß daran hat, zu zerstören." Und Bull Bay? Trainer Sports Mann fand immerhin noch Humor: "Ich sag den Jungs, das war ein pädagogisch wertvolles Spiel. So sieht es aus, wenn man zuschaut, statt mitzumachen." Man könnte sagen, die Duncan Destroyers haben ihrem Namen alle Ehre gemacht - sie zerstörten, präzise und ohne Gnade. Und während in den Kabinen noch gelacht und gejubelt wurde, summte irgendwo auf der Tribüne ein älterer Herr leise vor sich hin: "Neun Tore, neunmal Freude." Vielleicht war es Spott, vielleicht pure Bewunderung. Sicher ist nur: Diesen Abend werden 50.000 Menschen in Duncan so schnell nicht vergessen. 02.04.643990 02:45 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was ihm der Siegtreffer gegen Bayern München bedeutet