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Harbour View - 39.812 Zuschauer kamen am Dienstagabend ins Harbour Stadium, um ihre "Sailors" zu sehen - und gingen mit hängenden Köpfen nach Hause. Duhaney Park entführte beim 0:2 (0:2) nicht nur drei Punkte, sondern auch die Illusion, dass Heimvorteil auf Jamaikas grünem Rasen noch etwas bedeutet. Von Beginn an machten die Gäste aus dem Westen Kingstons klar, dass sie keine Sightseeing-Tour gebucht hatten. Schon in der zweiten Minute zwang Charles Fryer den Heimkeeper Luís Linares zu einer ersten Flugeinlage, die mehr nach Panik als nach Parade aussah. "Ich hab’ den Ball gesehen, aber irgendwie war er schneller als mein Gedanke", gab Linares später mit einem schiefen Grinsen zu. Das 0:1 fiel in der 17. Minute und war fast so lehrbuchhaft, dass man es in der Trainerlizenzprüfung zeigen könnte: Fryer auf Winston, der rechts durchstartet, ein Haken, ein Schuss - Tor. Jean-Pierre Winston, 28 Jahre jung und mit einem Dauerlächeln im Gesicht, jubelte so ausgelassen, als hätte er gerade den Lottojackpot gezogen. "Charles hat den Ball perfekt gelegt. Da musste ich nur noch den Fuß richtig treffen - was bei mir ja nicht immer klappt", witzelte der Matchwinner nach dem Spiel. Harbour View, taktisch mit "OFFENSIVE - BALANCED - SURE" gestartet, wirkte danach eher wie in einer Gruppenmeditation: viel Ballbesitz (42 Prozent laut Statistik) ohne sichtbare Erkenntnis. Nur drei Torschüsse in 90 Minuten - und selbst die erinnerten mehr an Rückgaben als an Angriffe. Kurz vor der Pause setzte Duhaney Park den nächsten Nadelstich: Winston flankte, Kai Saint-Pierre zog aus 20 Metern ab, und der Ball zappelte in der Ecke - 0:2 (45.). Saint-Pierre, 33, wirkte danach so gelassen wie jemand, der gerade seinen Lieblingskaffee gefunden hat. "Ich hatte Platz. Zu viel Platz. Ich dachte, da stimmt was nicht - also hab ich geschossen." Trainerin Elisa Fernanda grinste später: "Ich hab’ ihm schon 100 Mal gesagt, er soll schießen, wenn er kann. Heute hat er endlich auf mich gehört." Harbour View kam aus der Kabine mit dem Versuch, das Spiel zu drehen - allerdings ohne Drehmoment. In der 52. Minute musste Mittelfeldmotor Christophe Cromwell verletzt raus. "Er sagte, er habe nur kurz Sternchen gesehen", verriet ein Mitspieler. Für ihn kam Eugenio Papasidero - ein Rechtsverteidiger, was sinnbildlich für die Ratlosigkeit auf der Bank stand. Die Gäste spielten ihren "OFFENSIVE - COUNTER - SHORT"-Plan weiter stoisch herunter. Elf Torschüsse, aber kein übertriebenes Pressing, kein wildes Gerenne. Duhaney Park wirkte wie der ältere Bruder, der weiß, dass er das Spielzeug sowieso behalten darf. In der 57. Minute kam dann doch so etwas wie Hoffnung auf, als Marco Bischoff aus der Distanz abzog. Gästekeeper Luka Haag parierte spektakulär, riss die Arme hoch und brüllte "Nicht heute!" - das Mikrofon am Spielfeldrand fing es ein. Die Fans von Harbour View quittierten es mit einem kollektiven Stöhnen. Die letzten 30 Minuten plätscherten dahin, wie ein tropischer Regenschauer, der nicht enden will. Winston prüfte Linares noch einmal (80.), Gariepy antwortete mit einem harmlosen Roller (81.). In der Kurve sangen einige Fans trotzdem weiter, andere verließen schon früh die Tribüne. Statistisch war alles klar: 57,6 Prozent Ballbesitz für Duhaney Park, 55,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe, elf Schüsse aufs Tor - zu drei der Gastgeber. Trainerin Fernanda fasste es nüchtern zusammen: "Wir haben den Ball laufen lassen, sie sind hinterhergelaufen. Das war der Unterschied." Bei Harbour View dagegen suchte man nach Worten. "Wir wollten offensiv spielen, aber anscheinend hat das Konzept an der Mittellinie Halt gemacht", sagte ein sichtlich genervter Kapitän Eric Gariepy. "Manchmal fühlt es sich an, als hätten wir drei verschiedene Spielideen - und keine davon funktioniert." Als der Schlusspfiff kam, war die Stimmung im Stadion irgendwo zwischen Resignation und höflichem Applaus. Duhaney Park jubelte kurz, stellte sich zum Shakehands auf und verschwand so unspektakulär, wie sie gespielt hatten: effizient, ruhig, siegessicher. "So spielt eine Mannschaft, die weiß, was sie will", meinte ein älterer Fan auf der Pressetribüne, während er seine Notizen schloss. Und Harbour View? Die wissen es wohl noch nicht so genau. Ein Fazit mit Augenzwinkern: Wenn 39.812 Menschen gemeinsam auf ein Tor hoffen und nur drei Bälle in Richtung desselben fliegen, darf man das getrost als spirituelle Übung bezeichnen. Duhaney Park hat an diesem Abend gezeigt, dass Effizienz nicht schön, aber verdammt erfolgreich sein kann. 05.09.643987 18:02 |
Sprücheklopfer
Ihr könnt euch da ja mal hinstellen, und wenn dann Ribery mit 180 Stundenkilometern an einem vorbeigelaufen kommt, gibt's wenige, die den stoppen können.
Arne Friedrich