Athlitiki Icho
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Drama unter Flutlicht: Kreta schießt, Ergotelsis trifft

Wenn 34.264 Zuschauer im Stadion von Heraklion singen, dann liegt entweder der Duft von Gyros über dem Rasen - oder OFE Kreta spielt. Am 11. Spieltag der griechischen Superliga empfing die Elf von Trainer Jeff Johnson den Nachbarn Ergotelsis - und erlebte einen dieser Abende, an denen man alles richtig macht, außer das Offensichtliche: Tore schießen.

Schon in der zweiten Minute prüfte Guillermo Yanez den gegnerischen Keeper Leandros Seitaridis mit einem satten Schuss aus 20 Metern. Ein Raunen ging durchs Stadion, der Ball zischte Zentimeter am Pfosten vorbei. Johnson, stets ein Freund der offensiven Ausrichtung, rieb sich die Hände: "Wenn wir so anfangen, machen wir heute drei." Am Ende wurde es - Sie ahnen es - genau einer.

Kreta dominierte, kombinierte, attackierte. 18 Schüsse aufs Tor, 53 Prozent Ballbesitz, eine Tacklingquote von knapp 57 Prozent - das sind Zahlen, mit denen man normalerweise gewinnt. Aber die Fußballgötter auf der Insel hatten offenbar einen Sinn für Ironie.

In der 32. Minute war es dann soweit: Minos Theodoridis, der linke Flügelläufer mit der Präzision eines Uhrmachers, flankte in den Strafraum, wo Guillermo Yanez per Direktabnahme vollstreckte. 1:0 für Kreta, und die Südtribüne stand Kopf. Yanez rannte jubelnd zur Eckfahne, küsste das Vereinswappen und rief laut in Richtung Trainerbank: "Das war für dich, Mister Jeff!" Johnson nickte zufrieden - und dachte wohl schon an die Kabinenansprache zur Pausenführung.

Doch wer Kreta kennt, weiß: Ein Spiel dauert nicht nur 45 Minuten, sondern 90 - und manchmal auch gefühlte 900.

Direkt nach Wiederanpfiff kam Ergotelsis plötzlich aus der Versenkung. Ausgerechnet Ioakim Mitroglou, der kurz vor der Pause wegen eines ruppigen Einsteigens Gelb gesehen hatte, tankte sich auf der linken Seite durch und legte quer. Archondis Alexiou, 32 Jahre, graue Schläfen, Routine in den Beinen, schob den Ball aus zehn Metern ins lange Eck - 1:1 in der 53. Minute. Der Jubel der Gäste: verhalten, fast entschuldigend. Alexiou grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber manchmal überrascht man sich selbst."

Kreta antwortete mit Wut im Bauch. Felipe Jemez prüfte Seitaridis gleich dreimal in fünf Minuten, der junge David Block - gerade erst zur Halbzeit für Yanez gekommen - scheiterte zweimal knapp. "Ich dachte schon, das Tor ist verflucht", meinte Block nach dem Spiel, während er sich mit einem Handtuch die Schweißperlen von der Stirn wischte.

In Minute 56 dann der einzige unschöne Moment: Der 17-jährige Linksverteidiger Leandros Eleftherakis sah Gelb, nachdem er einen Konter resolut stoppte. Johnson klatschte Beifall - vielleicht nicht gerade das pädagogisch wertvollste Signal. "Er hat gezeigt, dass er keine Angst hat", verteidigte ihn der Coach später.

Ergotelsis dagegen verteidigte mit allem, was Beine hatte. Drei Torschüsse insgesamt - mehr brauchte es nicht, um Kreta an den Rand der Verzweiflung zu bringen. Torwart Seitaridis wuchs über sich hinaus, fischte in der 81. Minute sogar einen Kopfball von Jemez aus dem Winkel. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass es knallt", lachte der Schlussmann nach Abpfiff.

Jeff Johnson hingegen lachte nicht. "Wir haben alles getan, außer das zweite Tor", sagte er in die Mikrofone. Dann fügte er mit einem schiefen Grinsen hinzu: "Vielleicht sollten wir das Tor nächste Woche etwas breiter machen."

So blieb es beim 1:1, einem Ergebnis, das Kretas Offensivdrang nicht gerecht wird, aber dem Spielverlauf trotzig ins Gesicht lacht. 18:3 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz - und doch nur ein Punkt.

Auf der Heimtribüne verabschiedeten sich die Fans mit Applaus und dem Gefühl, dass ihre Mannschaft zwar nicht gewonnen, aber wenigstens unterhaltsam gescheitert war. "So ist Fußball auf Kreta", rief ein älterer Herr beim Hinausgehen. "Viel Sonne, viel Herz, wenig Glück."

Und vielleicht ist genau das die Magie dieses Spiels: Es erzählt mehr über Leidenschaft als über Tabellenplätze. Die Statistik mag sagen, Kreta war besser. Die Geschichte sagt: Ergotelsis war cleverer. Und irgendwo zwischen Pflicht und Poesie bleibt ein 1:1, das schmeckt wie ein halber Sieg - zumindest für die Gäste.

Nächste Woche reist Kreta nach Athen. Vielleicht findet man dort, was an diesem Abend fehlte: die Gnade des Fußballgottes.

22.09.643990 17:19
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