Athlitiki Icho
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Drama in Athen: Giannina entreißt Kallithea den Sieg in letzter Sekunde

Es war ein Montagabend, wie ihn die Fans von Kallithea FC so schnell nicht vergessen werden - und wahrscheinlich auch nicht wollen. 20.000 Zuschauer im altehrwürdigen Grigoris-Lambrakis-Stadion sahen ein 2:2 (1:1) zwischen Kallithea FC und Giannina, das alles bot, was man sich von einem griechischen Fußballabend verspricht: Sonne, Zorn, Leidenschaft - und ein spätes Tor, das den Gastgebern den sicher geglaubten Sieg raubte.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Giannina kam mit offenem Visier, offensiv eingestellt, taktisch auf Angriff programmiert. Trainer Kai Häntsch ließ seine Mannen mutig anlaufen - und wurde nach 30 Minuten belohnt. Amaury Figo, der flinke Rechtsaußen mit der Frisur eines Rockstars, zog nach Pass von Salvador Dominguez ab und traf trocken ins linke Eck. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Figo nach dem Spiel. "Ich glaube, der Ball ist noch unterwegs, so fest war der Schuss."

Doch Kallithea schüttelte sich kurz - und antwortete mit jugendlicher Frechheit. Nur sieben Minuten später war es der 21-jährige Stavros Manos, der nach feinem Zuspiel des 19-jährigen Alvertos Lekkas zum 1:1 einnetzte. Lekkas, ohnehin schon Publikumsliebling, hob entschuldigend die Hände: "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er später lachend. "Aber Stavros war halt im Weg - und das war gut so."

Das Spiel blieb intensiv, manchmal wild, aber nie unfair - zumindest bis in die Schlussphase. Lediglich drei Gelbe Karten verteilte der Schiedsrichter, eine davon in der 80. Minute an Kallitheas Innenverteidiger Galaktion Papandreou, der einen Konter stoppte, "weil niemand sonst rennen wollte", wie er hinterher mit trockenem Humor erklärte.

In der zweiten Halbzeit schien Kallithea das Geschehen unter Kontrolle zu haben. 52 Prozent Ballbesitz, 7 Torschüsse, und immer wieder dieser Lekkas, der Gianninas Abwehr alt aussehen ließ. In der 54. Minute war es dann soweit: Jose del Olmo, der Routinier im Sturmzentrum, verwertete erneut eine Vorlage von Lekkas. 2:1 - das Stadion tobte. "Ich dachte, der Alte braucht mal wieder ein Tor", witzelte Lekkas. Del Olmo konterte trocken: "Er nennt mich ’Alter’, aber ich laufe noch mehr als er!"

Giannina aber gab sich nicht geschlagen. Trainer Häntsch, sonst eher der ruhige Typ, schickte seine Spieler immer wieder nach vorn. "Wir wollten kein schönes Spiel machen, sondern ein Ergebnis holen", sagte er mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich: Seine Mannschaft kämpfte bis zum Schluss.

In der Nachspielzeit, als viele Fans von Kallithea schon den Abpfiff herbeipfiffen, schlug Giannina noch einmal zu. Glenn Verbeke, der in der 37. Minute für den verletzten Salvador Dominguez gekommen war, setzte zum letzten Angriff an, bediente Reece Hamlin - und der 34-jährige Routinier traf in der 94. Minute eiskalt zum 2:2. Die Gästebank explodierte, während Kallitheas Trainerteam wie versteinert wirkte.

"So ist Fußball", murmelte Del Olmo nach dem Abpfiff, die Hände in die Hüften gestemmt. "Man denkt, man hat gewonnen - und dann kommt Hamlin." Dabei hätte Kallithea den Sack längst zumachen können. Manos und Deco vergaben beste Chancen (72. und 48. Minute), und auch Lekkas scheiterte knapp.

Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: Kallithea mit etwas mehr Ballbesitz, Giannina aber mit der deutlich höheren Abschlussfrequenz - elf Schüsse aufs Tor, fast doppelt so viele wie die Gastgeber. Und vielleicht war es genau dieser Mut, der am Ende mit dem Punkt belohnt wurde.

Trainer Häntsch zeigte sich nach dem Spiel zufrieden: "Wir haben Moral bewiesen. Und wenn man in der 94. Minute trifft, darf man ruhig mal laut sein." Sein Gegenüber von Kallithea - der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte - verzog das Gesicht und meinte nur: "Vielleicht sollten wir das nächste Mal bis 96 spielen."

So endete ein Abend, der an Dramatik kaum zu überbieten war. Zwei Teams, die alles gaben, zwei junge Helden auf Seiten Kallitheas, ein alter Fuchs aufseiten Gianninas - und ein Publikum, das zwischen Euphorie und Verzweiflung schwankte.

Vielleicht war dieses 2:2 am Ende das gerechteste Ergebnis. Es belohnt Gianninas Beharrlichkeit und bestraft Kallitheas Leichtsinn. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wenn du in der 94. Minute noch zitterst, hast du’s auch verdient."

Und irgendwo im Athener Abendwind lächelte wohl der Fußballgott - wie so oft, wenn niemand so recht weiß, wer eigentlich gewonnen hat.

04.11.643987 10:49
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