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Ein Fußballabend, wie ihn Drehbuchautoren kaum spannender schreiben könnten: CD Almagro und UD Lanus trennten sich im Play-off-Rückspiel der Amerikaliga mit einem 2:2 (1:1). 56.750 Zuschauer im ausverkauften Estadio de la Vega bekamen alles, was das Herz begehrt - Tore, Verletzungen, Verzweiflung und am Ende ein Happy End, zumindest für die Gastgeber. Die ersten Minuten gehörten den Gästen aus Lanus, die von Beginn an offensiv auftauchten. Schon in der 2. Minute prüfte Silvestre Gomes den Almagro-Keeper Raphael Bayer mit einem satten Schuss - eine erste Duftmarke. Doch dann konterte Almagro, angeführt vom quirlig agierenden Luke Lester, der links Außen für ordentlich Betrieb sorgte. In der 18. Minute wurde sein Engagement belohnt: Nach schöner Vorarbeit von Lester schob Adriano Cunha zum 1:0 ein. Der Jubel war groß - und dauerte exakt eine Minute. Denn kaum hatten die Heimfans das erste Bier ausgetrunken, stand es schon 1:1. Glenn Degeest, Lanus’ erfahrener Linksaußen, traf nach einer Ecke von Noe Deco per platziertem Schuss ins rechte Eck. "Ich hatte das Gefühl, der Ball hätte einen eigenen Willen", grinste Degeest später, "und dieser Wille war: rein ins Tor." Das Spiel blieb offen, hart, aber weitgehend fair. In der 20. Minute dann der Schock für Almagro: Torschütze Cunha verletzte sich bei einem Zweikampf und musste raus. Trainer Alex Trainskij reagierte prompt, brachte Jamie Bonnaire und fluchte lautstark in Richtung Physio. "Ich sag’s euch, wir verlieren mehr Flügelspieler als ein altes Flugzeug", knurrte er nach dem Spiel. Lanus übernahm zunehmend das Kommando. Mit 51 Prozent Ballbesitz und neun Torschüssen waren die Gäste die aktivere Mannschaft. Doch Almagro hielt dagegen, kämpfte, biss, rannte - und schoss. Immer wieder versuchte sich Max Thuringer, vergeblich; sein Abschluss in der 31. Minute wurde von Keeper Vincent Da Cru sehenswert entschärft. Nach der Pause das gleiche Bild: Lanus drängte, Almagro lauerte. In der 58. Minute schließlich die logische Konsequenz. Dominique Chevallier, schon zuvor auffällig, traf nach Pass von Innenverteidiger Deco zum 2:1 für die Gäste. "Noe hat einfach einen Laser im Fuß", schwärmte Chevallier. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten." Eine dieser Aussagen, bei der man schwer entscheiden kann, ob sie Understatement oder Arroganz ist. Almagro taumelte, aber fiel nicht. Trainskij wechselte in der 67. Minute den erfahrenen Serge Menard ein, der sofort Struktur ins Mittelfeld brachte. "Serge ist wie ein alter Wein - manchmal schwer zu ertragen, aber am Ende wohltuend", witzelte der Trainer. Lanus blieb offensiv - die Taktik des Teams von Coach David Sander war über die gesamte Partie hinweg klar: offensiv, balanciert, aber ohne Pressing. "Wir wollten Fußball spielen, nicht rennen", erklärte Sander nach dem Spiel und klatschte dabei ironisch in die Hände. Doch in der Schlussphase schien sein Team die Rechnung ohne die unverwüstlichen Gastgeber gemacht zu haben. Die 86. Minute: Gotthard Van Keuren versucht’s mit einem Schuss aus der zweiten Reihe, Da Cru pariert. Die 87. Minute: Yves Barrymore, eben erst eingewechselt, flankt von rechts auf Nestor Mocana - und der jagt den Ball volley unter die Latte. 2:2! Das Stadion explodiert. Barrymore rannte jubelnd zur Trainerbank, Trainskij fiel ihm fast in die Arme. "Ich konnte kaum glauben, dass der Alte noch so viel Dampf hat", lachte Mocana später, "aber offenbar hat Yves im Training heimlich geübt." Die letzten Minuten waren ein einziger Hexenkessel. Lanus versuchte es noch einmal mit Bruno Blanqui in der Nachspielzeit, doch sein Schuss in der 92. Minute strich knapp über die Latte. Danach war Schluss. Statistisch gesehen war Lanus leicht überlegen - mehr Torschüsse, etwas mehr Ballbesitz, eine bessere Zweikampfquote. Aber das Unentschieden fühlte sich eher wie ein moralischer Sieg für Almagro an. "Wir haben Herz gezeigt", sagte Trainer Trainskij, "und manchmal reicht das, um die Geschichte am Leben zu halten." Coach Sander sah das naturgemäß anders: "Wenn man zwei Auswärtstore schießt und trotzdem nicht gewinnt, ist das wie ein schlechter Witz. Nur dass keiner lacht." So endete ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Drama, Emotion - und zwei Teams, die sich nichts schenkten. Ob es für Almagro zum Weiterkommen reicht, entscheidet das Rückspiel - aber eines ist sicher: Wer solche Spiele liefert, braucht keine Drehbuchautoren. Der Fußball selbst schreibt die besten Geschichten. 16.01.643991 05:08 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund