// Startseite
| Heraldo de Mexico |
| +++ Sportzeitung für Mexico +++ |
|
|
|
Ein Freitagabend im März, 59.000 Zuschauer im Estadio de Chetumal, und es roch nach gegrilltem Mais, Adrenalin und leichtem Frust. Atletico Chetumal empfing die Diablos aus Guadalajara - ein Duell, das auf dem Papier nach Feuerwerk klang, in Wirklichkeit aber erst in der zweiten Halbzeit zündete. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, als Cesc Carvalho in der 63. Minute den einen, goldenen Treffer erzielte, der das Spiel entschied. Bis dahin war viel gelaufen - nur eben kein Ball ins Netz. Beide Teams begannen mit einer ausgewogenen, fast spiegelgleichen Ausrichtung, "balanced" nennen das die Taktikfüchse. Doch während Guadalajara früh mit einem scharfen Schuss von Roberto Girardi in der zweiten Minute ein Zeichen setzte, reagierte Chetumal prompt: Vicente Morte prüfte den Gästekeeper Olivier Fouquet in der zehnten Minute. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber der Keeper hatte wohl andere Pläne", grinste Morte später gequält. Die Partie war intensiv, aber nicht unfair - na ja, fast. Bereits in der fünften Minute sah Guy Lancaster Gelb, nachdem er eher den Knöchel als den Ball traf. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", erklärte er hinterher halb entschuldigend, halb stolz. Auch die Diablos ließen sich nicht lumpen: In der 19. Minute kassierte Philip Kowalik nach rustikalem Einsatz seine Verwarnung - und wurde zur Pause vorsichtshalber ausgewechselt. Trainer Ralf Mr kommentierte trocken: "Manchmal ist es besser, wenn der Verteidiger in der Kabine Pressing spielt." Chetumal hatte bis zur Pause die besseren Chancen, vor allem Morgan Cort (49.) und Raffaello Conflenti (50.) nagten mehrfach am Führungstor. Doch Fouquet im Kasten der Diablos war an diesem Abend so sicher wie ein Schließfach in Zürich. "Das war eine Wand!", fluchte Chetumal-Coach Bastian Roemmler nach dem Schlusspfiff, "und wir haben es wieder mit einem Gummihammer versucht." Dann kam die verhängnisvolle 63. Minute: Luis Wendt, bis dahin unauffällig, setzte sich auf der rechten Seite durch, legte quer - und Cesc Carvalho vollendete eiskalt aus zwölf Metern ins linke Eck. 1:0 für Guadalajara, das Stadion verstummte für einen Moment, bevor ein Raunen durch die Ränge ging. Carvalho, 29 Jahre, Routinier mit dem Charme eines Straßenkickers, riss die Arme hoch und grinste breit. "Ich spürte, dass der Ball reingeht, schon bevor ich ihn traf", sagte er danach und schob mit einem Augenzwinkern hinterher: "Vielleicht war das Teufelswerk." Atletico warf nun alles nach vorn. Roemmler brachte Inigo Herrera (68.) und Andrew Neville (70.), um frischen Wind zu erzeugen. Und tatsächlich: Es wurde stürmischer, aber nicht zielstrebiger. Die Statistik sprach Bände - 12 Torschüsse, 48 Prozent Ballbesitz, fast Gleichstand in den Zweikämpfen (49,6 Prozent). Doch wer keine Tore schießt, gewinnt bekanntlich keine Spiele - außer, man spielt Schach. Die Diablos dagegen spielten die letzten Minuten mit diabolischer Abgeklärtheit herunter. Ralf Mr brachte in der 88. Minute noch den jungen Nuno Olazabal, wohl um Zeit von der Uhr zu nehmen. "Er sollte den Ball halten", erklärte der Trainer später, "nicht die Luft an." Doch Olazabal machte genau das, als Chetumal noch einmal alles nach vorn warf. In der 87. Minute zog Rechtsverteidiger Oscar Galindez aus der Distanz ab - der Ball zischte über die Latte, und Fouquet atmete tief durch. Als Schiedsrichter Ortega nach 94 Minuten abpfiff, fiel eine Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung über das Stadion. Die Diablos jubelten, Atletico blieb ratlos. "Wir haben alles gegeben, aber der Fußball ist manchmal ein schlechter Witz", sagte Verteidiger Dennis Fleischer, während er sich die Schienbeinschoner auszog. Guadalajara sicherte sich mit dem 1:0 drei wichtige Punkte, bleibt im oberen Tabellendrittel und zeigte, dass man auch ohne Spektakel gewinnen kann. Atletico Chetumal hingegen steckt weiter im Mittelmaß fest - engagiert, kämpferisch, aber glücklos. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne zusammenfasste, während er sein Bier austrank: "Wir hätten ein Tor gebraucht. Nur eins. Aber anscheinend war das zu viel verlangt." So endete ein Abend, an dem 59.000 Menschen alles sahen - Leidenschaft, Chancen, Gelbe Karten - nur eben keine Tore für die Gastgeber. Dafür aber ein diabolisch effizienter Auftritt aus Guadalajara. Und das, liebe Leser, ist wohl der Unterschied zwischen einem guten Spiel und einem gewonnenen. 18.07.643993 17:54 |
Sprücheklopfer
Spielerfrau.
Mehmet Scholl auf die Frage nach seinem Lieblingsberuf