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Es war einer dieser Abende in Guadalajara, an denen man schon beim Einlaufen der Teams spürte: Hier wird es heiß. 79.500 Zuschauer in Rot und Schwarz, Trommeln, Fahnen und dieses unnachahmliche Summen im Stadion, das nur entsteht, wenn eine ganze Stadt an ihre "Diablos" glaubt. Und sie sollten nicht enttäuscht werden. Am Ende stand ein 2:0 über die Tombstone Colts - ein Sieg, der deutlicher wirkte, als es das nackte Ergebnis zeigt. Schon nach zwei Minuten setzte Antonio Pascual, der rechte Wirbelwind der Diablos, das erste Ausrufezeichen. Ein Schuss aus spitzem Winkel, der Colt-Keeper Aaron Monroe zum ersten Flug zwingt. Trainer Ralf Mr grinste danach: "Antonio hatte heute offenbar beschlossen, dass das Tor sein bester Freund ist." Die ersten zwanzig Minuten waren ein roter Wirbel. Nelson Figo prüfte Monroe gleich zweimal, Vitorino Butragueno tanzte auf links wie ein Flamenco-Star mit Überdosis Espresso, und in der 11. Minute rauschte ein Kopfball von Nuno Olazabal nur Zentimeter über die Latte. Die Colts dagegen wirkten wie Cowboys, die ihre Colts vergessen hatten - Kian Prinsloo schoss zwar zweimal gefährlich, aber Diablos-Keeper Hanson Wendell hatte die Ruhe eines Mannes, der schon vor dem Frühstück zwei Stiere bezwungen hat. In der 35. Minute dann die Erlösung: Nuno Pena, der laufstarke Linksverteidiger, eroberte den Ball, marschierte über den Flügel und flankte butterweich in den Strafraum. Pascual nahm die Kugel direkt - 1:0. Das Estadio explodierte. "Ich musste gar nicht hinschauen", lächelte Pena später, "Antonio roch das Tor schon, bevor der Ball kam." Die Colts versuchten danach, die Kontrolle zu übernehmen. Mit 52 Prozent Ballbesitz sah das auf dem Statistikzettel ganz ordentlich aus, aber wer die Partie sah, wusste: Es war ein Scheinriese. Guadalajara ließ sie laufen, biss in den Zweikämpfen - Tacklingquote 56 Prozent - und lauerte auf Konter. Kurz vor der Pause musste Coach Hendrik Seeger reagieren und brachte Joshua Morriss für den müden David Peters. "Wir wollten mehr Druck über rechts", erklärte er, "aber irgendwie war da nur Gegendruck." Nach der Pause wurde es rustikaler. Jacinto Espriu holte sich in der 56. Minute Gelb ab - "reines Missverständnis", wie er später lachend meinte. "Ich wollte nur den Ball, der Schiedsrichter meinte wohl, ich wollte auch das Schienbein." Doch die Diablos blieben Herr im Haus. Nuno Olazabal, erst 21, arbeitete unermüdlich im Sturmzentrum, kam zu mehreren Abschlüssen (57., 61.), scheiterte aber entweder an Monroe oder am eigenen Eifer. "Ich habe ihm in der Kabine gesagt, er soll tief durchatmen", so Trainer Mr nach dem Spiel. "Er hat geatmet - und dann noch dreimal aufs Tor geschossen." Die Colts? Sie mühten sich, aber wirkten zunehmend ratlos. Prinsloo rannte, Dennehy versuchte es aus der Distanz, doch Wendell im Diablos-Tor war an diesem Abend unbezwingbar. "Ich mag es, wenn sie denken, ich sei schon geschlagen", grinste der Keeper. "Dann fange ich erst an, Spaß zu haben." In der 81. Minute fiel dann die Entscheidung - und natürlich war es wieder Pascual. Diesmal legte Butragueno von links mustergültig quer, und Pascual schob mit der Seelenruhe eines Sonntagsausflüglers ein: 2:0. Die Menge sang, tanzte, tobte. Pascual riss die Arme hoch, zeigte auf den Himmel - und später auf der Bank auf seinen Trainer: "Er sagte, ich soll einfach Spaß haben. Also hab ich zwei Tore gemacht." Die letzten Minuten wurden zur roten Gala. Guadalajara wechselte durch, brachte Archie Valentine für Carles Antolin, ließ den Ball laufen und die Colts laufen - meist hinterher. Am Ende war es ein Statement-Sieg der Diablos Guadalajara: 20 zu 7 Torschüsse, weniger Ballbesitz, aber mehr Herz, mehr Tempo, mehr Feuer. "Wir sind Diablos", sagte Ralf Mr mit einem Augenzwinkern, "wir brauchen den Ball nicht, um das Spiel zu beherrschen." Hendrik Seeger nahm’s mit Galgenhumor: "Manchmal hat man das Gefühl, die schießen mit Flammenwerfern. Wir hatten nur Wasserpistolen." So bleiben die Diablos in der Copa Libertadores auf Kurs Richtung K.-o.-Runde - mit einem Antonio Pascual, der an diesem Abend nicht nur zwei Tore erzielte, sondern auch das Stadion in Brand setzte. Im übertragenen Sinne, versteht sich. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen rief: "Wenn das die Hölle ist - ich will eine Dauerkarte!" 14.05.643987 16:38 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme