Heraldo de Mexico
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Diablos tanzen im eigenen Feuer: Guadalajara schlägt Tampico mit 2:0

Es war ein Abend, wie ihn die Fans der Diablos Guadalajara lieben: ein volles Stadion, 58.713 Zuschauer, die Luft vibrierte vor Erwartung - und am Ende ein souveräner 2:0‑Sieg gegen CA Tampico. Wer allerdings denkt, die Diablos hätten sich in einen Rausch gespielt, der irrt. Es war eher ein geduldiges Verbrennen des Gegners - langsam, stetig, ohne jemals die Kontrolle zu verlieren.

Von Beginn an machten die Hausherren klar, wer hier das Sagen hat. Bereits in der fünften Minute zwang Vitorino Butragueño den Tampico‑Keeper Ricardo Flores zu einer ersten Glanztat. Zwei Minuten später prüfte Cesc Carvalho dessen Reflexe erneut. Es war ein Angriffswirbel, der den Gästen kaum Luft zum Atmen ließ - und das, obwohl beide Teams laut Statistik gleich viel Ballbesitz hatten (50,3 zu 49,7 Prozent). Doch wer die 90 Minuten gesehen hat, wusste: Diese Zahlen erzählen nicht die ganze Wahrheit.

Tampico wirkte wie ein Tourist in der Hölle - neugierig, aber überfordert. Ihr einziger Torschuss des Abends, abgegeben von Ingo Coluna in der 22. Minute, war so zaghaft, dass selbst der Ball irritiert schien, in welche Richtung er eigentlich wollte. Coluna sah kurz darauf Gelb, vermutlich aus Frust darüber, dass er den Ball überhaupt getroffen hatte.

Guadalajara hingegen kombinierte geduldig, fast akademisch. Trainer Ralf Mr, sonst eher wortkarg, grinste nach dem Spiel: "Wir haben heute nicht gespielt, wir haben doziert." Ein Vortrag mit praktischen Beispielen: In der 34. Minute setzte Cesc Carvalho nach einem Traumpass von Pedro Suero zum Schuss an - und traf eiskalt. 1:0 für die Diablos, das Stadion explodierte. Carvalho, der schon zuvor mehrfach gefährlich geworden war, rannte jubelnd zur Eckfahne, während Suero ihm lachend zurief: "Ich hab’s dir gesagt, Cesc - diesmal machst du ihn rein!"

Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild gleich: Guadalajara kontrollierte, Tampico hoffte. In der 57. Minute machte Luis Sainz dann alles klar. Nach schönem Zuspiel - natürlich wieder von Carvalho - ließ er dem tapferen Ricardo Flores keine Chance. 2:0, die Vorentscheidung. "Ich hab den Ball gesehen und gedacht: Ach, warum eigentlich nicht?", scherzte Sainz später. "Manchmal muss man einfach auf sein linkes Gefühl hören."

Tampico versuchte danach, mit Härte zu antworten. Drei Gelbe Karten und ein fragwürdiger Zweikampf von Nevio Gutierre in der 86. Minute zeugten von wachsender Verzweiflung. Doch Guadalajara ließ sich nicht provozieren. "Wir sind die Diablos, aber keine Teufel im Kopf", sagte Abwehrchef Julian Veloso, der kurz vor der Stunde ausgewechselt wurde, mit einem Augenzwinkern.

Statistisch betrachtet hätte der Sieg auch höher ausfallen können: 20 Torschüsse für Guadalajara, nur einer für Tampico. Die Tackling‑Quote von knapp 60 Prozent sprach ebenfalls für die Gastgeber, die taktisch zunächst ausgewogen agierten, gegen Ende aber sichtbar Lust auf mehr entwickelten. In den letzten Minuten stellten sie auf "offensiv" - vielleicht, um das Publikum zu unterhalten, vielleicht auch, um zu zeigen, dass sie noch könnten, wenn sie wollten.

Ein besonders amüsanter Moment ereignete sich in der 77. Minute, als Ralf Mr den jungen Jacques Michaud vom Feld nahm. Der Franzose protestierte halb im Scherz: "Coach, ich war doch gerade warmgelaufen!" Mr grinste nur: "Dann kannst du ja gleich duschen, das Wasser ist auch warm."

Bei CA Tampico herrschte nach dem Abpfiff betretenes Schweigen. Trainer Luis Moutinho - nein, kein Verwandter des portugiesischen Nationalspielers, aber ähnlich stoisch - sprach von "einem Lernspiel". Übersetzt heißt das wohl: Wir hatten keine Chance, aber immerhin waren wir dabei.

Die Fans der Diablos feierten hingegen ausgelassen. Pyros flackerten, Gesänge hallten über das Stadion, und Cesc Carvalho wurde zum Mann des Abends erklärt. Zwei Torbeteiligungen, ein ständiger Unruheherd - kein Wunder, dass er nach dem Spiel lächelnd meinte: "Ich hab heute einfach getanzt, wie der Ball es wollte."

So bleibt festzuhalten: Guadalajara hat nicht nur gewonnen, sondern demonstriert, dass Geduld, Technik und ein Schuss Ironie die beste Mischung sind, um Gegner in die Knie zu zwingen. Tampico dagegen wird sich fragen müssen, wie man mit fast 50 Prozent Ballbesitz so harmlos bleiben kann. Vielleicht hilft ein Blick auf die Statistik - oder besser noch: ein paar Trainingseinheiten mit echten Bällen.

Und während die Diablos‑Fans singend das Stadion verließen, murmelte ein älterer Herr auf der Tribüne: "Früher haben sie wild gespielt. Heute spielen sie klug. Vielleicht ist das noch gefährlicher." Man möchte ihm glauben.

06.03.643987 18:45
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