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Derlei erlöst Stuttgart - Spätes Glück gegen zähe Gladbecker

Wenn ein Stadion mit über 54.000 Zuschauern kollektiv aufstöhnt, dann liegt das selten an der Qualität der Stadionwurst. Am 11. Spieltag der 1. Liga Deutschland erlebte die Mercedes‑Arena eine Partie, die lange nach dem Motto "Viel Lärm um nichts" verlief - bis Carl Derlei in der 79. Minute beschloss, das Ganze doch noch in ein Happy End zu verwandeln.

Der VFL Stuttgart gewann schließlich mit 1:0 (0:0) gegen den FC Gladbeck. Ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet verdient war - und trotzdem die 90 Minuten nicht im Entferntesten widerspiegelt. Die Stuttgarter feuerten ganze 16 Torschüsse ab, während die Gäste mit drei eher symbolischen Versuchen die Gefahrenzone nur aus der Ferne besichtigten. Und doch dauerte es bis in die Schlussphase, ehe der Ball endlich im Netz zappelte.

"Ich hatte schon angefangen, über das Abendessen nachzudenken", gestand Stuttgarts Trainer Venni Mislintat nach dem Spiel mit einem schiefen Grinsen. "Aber Carl hat mich zum Glück wieder zurück in die Realität geholt."

Tatsächlich war Derlei an diesem Abend ein Mann mit unerschütterlichem Glauben ans Prinzip Wiederholung. Fünfmal tauchte er gefährlich vor dem Tor auf, scheiterte an Pfosten, Torwart oder dem eigenen Gleichgewicht - und beim sechsten Versuch machte er alles richtig. Nach einem klugen Pass von Maxim Tillman nahm der Linksaußen Maß und hämmerte den Ball aus zwölf Metern ins rechte Eck. Die Explosion der Erleichterung auf den Rängen war fast lauter als der Schlusspfiff.

Gladbeck hatte bis dahin tapfer verteidigt, allerdings ohne selbst je gefährlich zu werden. Ein früher Schuss von Martin Jemez in der ersten Minute weckte kurz Hoffnung auf ein offenes Spiel, doch danach war Schluss mit Offensivlust. "Wir wollten kontrolliert stehen und auf unsere Chance warten", erklärte Gästetrainer El Comandante, "aber Stuttgart wollte einfach nicht aufhören, uns zu beschäftigen."

In der Tat präsentierte sich der VFL mit 60 Prozent Ballbesitz als spielfreudige, manchmal zu verspielte Mannschaft. Ernesto Vaz versuchte sich mehrmals aus der Distanz, Tillman zog die Fäden im Mittelfeld, und Gleb Schalimow mühte sich redlich, ehe er in der 59. Minute dem jungen Ingvar Abramson Platz machte. Der Nachwuchsstürmer sammelte prompt seine erste Gelbe Karte - ein Zeichen jugendlichen Übereifers, wie Mislintat später süffisant kommentierte: "Er wollte halt zeigen, dass er da ist. Das hat der Schiri auch gemerkt."

Gladbeck wechselte gleich dreifach in der 60. Minute, brachte frische Beine, aber keine frischen Ideen. Weder Bruno Mingo noch Philip Hess konnten den Ball lange in den eigenen Reihen halten. Und wenn sie es doch schafften, stand da meist Eduardo Cabrero im Weg, der Stuttgarter Abwehrchef mit der Gelassenheit eines Mannes, der lieber alles selbst macht.

Torwart Jaime Oliveira erlebte einen ruhigen Abend - seine größte Schwierigkeit bestand darin, bei knappem Windstoß nicht einzuschlafen. Nach dem Spiel meinte er lachend: "Ich habe mehr Schritte beim Aufwärmen gemacht als im Spiel."

Als der erlösende Treffer fiel, rannte Mislintat wie ein junger Wilder an der Seitenlinie entlang, während El Comandante trotzig die Arme verschränkte. "Ein Punkt wäre möglich gewesen, wenn wir irgendwann mal nach vorne gespielt hätten", knurrte der Gladbecker Coach später und verschwand wortlos in den Kabinengang.

In den letzten Minuten drückte Stuttgart weiter, als wolle man dem Publikum zeigen, dass man Tore theoretisch auch in Serie schießen könnte. Doch der Ball wollte kein zweites Mal über die Linie. Derlei, erneut frei durch in der Nachspielzeit, schoss lieber den Torwart an - vielleicht aus Mitleid.

Statistisch gesehen war das Spiel einseitig: 16:3 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 60 Prozent Ballbesitz - Zahlen, die klingen, als hätte Stuttgart das Feld dominiert. Und doch blieb der Sieg knapp. "Fußball ist kein Matheunterricht", kommentierte Tillman trocken auf Nachfrage. "Sonst hätten wir 4:0 gewonnen."

Am Ende jubelten die Schwaben über drei Punkte, die ihnen in der Tabelle gut tun. Gladbeck dagegen nimmt die Heimreise mit leerem Tank und einer Portion Frust an. "Wir müssen lernen, dass Verteidigen allein keine Kunst ist", sagte Abwehrmann Noah Ulrich, bevor er in den Mannschaftsbus stieg.

Vielleicht war es kein Spektakel für die Geschichtsbücher, aber eines dieser Spiele, aus denen Trainer später kluge Zitate basteln: Geduld zahlt sich aus, Chancen muss man erzwingen, und wer 16 Mal aufs Tor schießt, darf ruhig einmal treffen.

Oder, wie Mislintat es am Ende zusammenfasste, während er sich den Kragen hochzog und in die kalte Februarnacht verschwand: "Ein dreckiges 1:0 ist immer noch schöner als ein elegantes 0:0."

Und recht hat er.

22.09.643990 22:47
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