Jornal do Brasil
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Delgado trifft spät - Recife stiehlt Santos den Abend

Ein lauer Abend in Santos, 50.082 Zuschauer, das Meer rauscht, die Luft schmeckt nach Zuckerrohr und Enttäuschung: UD Santos verliert am 6. Spieltag der brasilianischen 1. Liga mit 0:1 gegen Capibaribe Recife - und das durch ein spätes Tor in der 87. Minute. Ivan Delgado, der bullige Mittelstürmer der Gäste, war der Vollstrecker, Daniel Neman der Architekt. "Ich habe nur die Augen geschlossen und gehofft, dass er durchkommt", grinste Delgado nach Abpfiff - ein Satz, der bei Trainer Opa Jokel sofort für ein väterliches Schulterklopfen sorgte.

Dabei hatte alles so gut begonnen - jedenfalls aus Sicht der Hausherren. Trainer Tim Tahler ließ sein Team in gewohnter, ausbalancierter Ordnung auflaufen, mit kurzem Passspiel und Konterfokus. Recife dagegen kam mit offenem Visier: offensiv, spielfreudig, fast übermütig. Schon nach zwei Minuten prüfte Daniel Neman den Santos-Keeper Adam Baker mit einem Distanzschuss, der eher wie ein Weckruf wirkte als wie ein Torversuch.

In den folgenden 40 Minuten war das Spiel ein einseitiger Belagerungszustand. Recife feuerte eine Salve nach der anderen ab - 19 Torschüsse insgesamt, während Santos ganze drei Mal den Ball halbwegs gefährlich in Richtung Tor brachte. Tiago Oliveira, der temperamentvolle Linksaußen, wirbelte auf seiner Seite wie ein tropischer Sturm. "Wenn ich noch einmal gegen Gama spiele, bring ich Sonnencreme mit - so viel Schatten hab ich selten gesehen", witzelte Oliveira später über seinen Gegenspieler Luís Gama, der immerhin mit einer Gelben Karte (43.) in Erinnerung blieb.

Santos dagegen kämpfte - und zwar mehr mit sich selbst als mit dem Gegner. Igor Longobardi, der erfahrene Linksaußen, versuchte das Spiel mit Erfahrung zu lenken, doch sein Elan endete in der 72. Minute abrupt mit Gelb-Rot. "Ich hab nur laut geatmet, und der Schiri dachte, ich schimpfe", erklärte Longobardi nach dem Spiel mit einem müden Lächeln. Tahler dagegen war weniger humorvoll: "Wenn wir schon kaum den Ball haben, dann sollten wir wenigstens elf Spieler behalten."

Bis dahin hatte Keeper Adam Baker sein Team mit Glanzparaden im Spiel gehalten. Besonders in Minute 67, als Delgado aus spitzem Winkel abzog und Baker die Kugel mit einem Reflex über die Latte lenkte, brandete Jubel auf, als hätte Santos ein Tor erzielt. Doch das Glück des Tüchtigen hielt nicht ewig.

Dann kam die 87. Minute: Neman, unermüdlich im Zentrum, eroberte den Ball gegen den eingewechselten Almeida, schaute kurz auf, steckte den Pass durch die Schnittstelle - und Delgado schob eiskalt ein. Kein Spektakel, kein Kunstwerk, aber ein Tor, das in seiner Einfachheit fast poetisch war. Während Delgado jubelnd in Richtung Gästeblock rannte, blickte Baker ins Nichts. Auf der Bank der Hausherren warf Tahler seine Wasserflasche in den Rasen, als wolle er die Zeit zurückspulen.

Nach dem Abpfiff sprach Jokel, der gemütliche, weißbärtige Trainer der Gäste, mit der Ruhe eines Mannes, der schon alles gesehen hat: "Wir hätten früher treffen müssen, aber vielleicht schmeckt der späte Sieg einfach besser." Sein Gegenüber Tahler dagegen fasste es pragmatisch zusammen: "Wenn du 19 Torschüsse zulässt, darfst du dich über ein 0:1 nicht wundern. Das ist Mathematik, kein Pech."

Statistisch war der Abend ohnehin eindeutig: 56 Prozent Ballbesitz für Recife, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - der Rest ist Zahlenspielerei. Und doch bleibt der Eindruck, dass Santos trotz aller taktischen Vernunft zu brav agierte. Kein Pressing, kein Risiko, keine Idee gegen die Wucht der Gäste.

Als die Flutlichter langsam erloschen und die Fans pfiffen, murmelte ein älterer Herr auf der Tribüne: "Früher hätten wir so ein Spiel noch gedreht - heute drehen nur noch die Gegner den Spieß um." Ein Satz, der die Stimmung in Santos besser beschreibt als jede Statistik.

Am Ende bleibt ein verdienter Sieg für Capibaribe Recife, ein lehrreicher Abend für UD Santos und die Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach gerecht ist - wenn auch gnadenlos.

Und irgendwo in der Kabine summte Delgado leise vor sich hin, während Jokel ihm zunickte. Vielleicht klang es wie ein Lied vom Sieg. Sicher war nur: In Santos wollte an diesem Abend keiner mehr mitsingen.

05.08.643990 22:59
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