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Was für ein Abend in Degerfors! 27.983 Zuschauer sahen am Mittwoch ein Fußballspiel, das am Ende so eindeutig war, wie es in der ersten halben Stunde noch nicht aussah. Degerfors FF besiegte Ersboda BK mit 4:1 (1:1) - ein Ergebnis, das nach Zahlen klingt, aber nach Leidenschaft schmeckte. Die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings aus Sicht der Gäste. In der 11. Minute nutzte Julio Sancho einen Fehler in der Degerfors-Abwehr eiskalt aus. Nach feinem Zuspiel von Gerard Grenier schob der quirlige Linksaußen den Ball flach ins Eck. 0:1, und das Stadion murmelte ungläubig. "Da waren wir kurz im Tiefschlaf", meinte später Degerfors-Coach René Linge mit einem Grinsen, "vielleicht lag’s am Kaffee vor dem Spiel - koffeinfrei, wie ich vermute." Doch Degerfors antwortete - und wie! Nur 21 Minuten später rauschte Linksverteidiger Gudmund Abelson heran, als wäre er von einem unsichtbaren Magneten Richtung Tor gezogen. Nach Vorarbeit von Tiburtius Berglund hämmerte er den Ball in die Maschen. 1:1, das Stadion tobte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Abelson später lachend zu. "Aber das Tor zählt trotzdem, oder?" Bis zur Pause wogte das Spiel munter hin und her. Ersboda versuchte es mit kurzen Pässen und viel Aggressivität - das passte zu den taktischen Vorgaben ihres Trainers Piel Juergen, der seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, aber mit starker Physis eingestellt hatte. Doch die Degerfors-Spieler hielten dagegen, kontrollierten mit 55 Prozent Ballbesitz und 22 Torschüssen das Geschehen. In der zweiten Halbzeit kam dann die große Show des Mattias Ohlson. In der 58. Minute verwertete der Mittelstürmer eine butterweiche Flanke von Bengt Dahlström zum 2:1. Ein Tor wie gemalt - und Ohlson selbst strahlte danach wie ein Kind an Weihnachten. "Ich hab’ den Ball gar nicht richtig gesehen, nur gespürt, dass er reingeht", sagte er. "Das war Instinkt - oder Glück, aber das verrat ich nicht." Ersboda wankte, aber fiel noch nicht. Trainer Juergen versuchte mit einer Doppel-Auswechslung (neuer Keeper, neuer Flügel) frischen Wind zu bringen, doch der Degerfors-Sturm blies weiter unaufhaltsam. In der 67. Minute traf Valter Sundström nach klugem Pass von Anselm Dahlstrom zum 3:1. Ein Treffer, der die Partie entschied. Man sah, wie die Gäste sich gegenseitig anschauten - dieser Blick, halb ratlos, halb resigniert. Den Schlusspunkt setzte Bengt Dahlström in der 73. Minute. Der rechte Mittelfeldspieler, ohnehin einer der Aktivposten, kombinierte sich mit dem eingewechselten Patrice Evra (nein, nicht jener berühmte Franzose - aber immerhin sein Namensvetter) sehenswert in den Strafraum und schob zum 4:1 ein. Die Fans sangen, die Ersatzspieler jubelten, und Trainer Linge rieb sich genießerisch die Hände. "So will ich meine Jungs sehen - hungrig, aber mit Anstand", sagte er. "Und wenn Bengt so weitermacht, darf er nächste Woche das Aufwärmen leiten." Einziger Wermutstropfen für Degerfors: In der 74. Minute holte sich der junge Edvard Lundqvist eine Gelbe Karte ab - eine Szene, die mehr nach Übermut als nach Bosheit aussah. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", meinte er später schmunzelnd. Statistisch war der Sieg so klar wie die Sonne im schwedischen Sommer: 22:3 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und ein Gegner, der nach der Pause kaum noch aus der eigenen Hälfte kam. Ersboda wirkte nach dem Rückstand ideenlos, die langen Bälle fanden keinen Abnehmer, und Degerfors’ Defensive stand wie eine rote Wand. Piel Juergen wirkte nach dem Abpfiff erstaunlich gefasst. "Wir hatten unseren Moment", sagte er, "aber dann hat Degerfors gezeigt, warum sie oben mitspielen. Uns fehlte die Ruhe, und vielleicht auch ein bisschen der Glaube." René Linge dagegen konnte sich das Grinsen kaum verkneifen: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir das drehen, gibt’s am Montag kein Krafttraining. Jetzt muss ich wohl Wort halten." So endete ein Spiel, das alles bot: frühes Zittern, spätere Ekstase, und am Ende den Eindruck, dass Degerfors in dieser Saison ganz oben mitreden will. Und während die Zuschauer sich in die kühle Märznacht verabschiedeten, hörte man einen kleinen Jungen rufen: "Papa, ich will auch mal so schießen wie der Bengt!" - worauf der Vater nur trocken meinte: "Dann fang morgen an zu üben." Ein Abend, an dem die Zahlen nur die halbe Geschichte erzählen - die andere Hälfte schrieb die Leidenschaft in Rot. 04.12.643993 22:19 |
Sprücheklopfer
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