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An einem frostigen Februarabend in Degerfors bebte das alte Stadion wie selten zuvor - 31.374 Zuschauer sahen ein Spiel, das zwar spät in Fahrt kam, dann aber alles bot, was der skandinavische Fußball an Pathos, Härte und jugendlicher Unbekümmertheit hergeben kann. Degerfor FF schlug den Gast Mjällby BK mit 2:1 (0:0) und sicherte sich damit drei Punkte, die man wohl noch lange im Vereinsheim diskutieren wird. Die erste Halbzeit war, um es freundlich zu sagen, ein Musterbeispiel nordischer Geduld. Beide Teams neutralisierten sich so konsequent, dass selbst der Stadionsprecher zwischendurch fragte, ob jemand noch wach sei. Degerfors mit leichtem Offensivdrang - Valter Sundström prüfte den Gästekeeper gleich zweimal (1. und 16. Minute) - doch Arjen Blood im Tor der Gäste machte seinem Namen alle Ehre: eiskalt, unerschütterlich, unüberwindbar. Mjällby dagegen versuchte es mit Härte und langen Bällen. Nach 20 Minuten sah Innenverteidiger Liam Lindström Gelb, sieben Minuten später folgte sein Kollege Leandro Gomes. Trainer Lasse Fredericson kommentierte später schmunzelnd: "Wir wollten eigentlich kein Rugby spielen. Aber manchmal verwechselt man bei minus fünf Grad schon mal den Sport." Nach dem Wechsel wurde es lebendiger - und kurios. In der 61. Minute, als viele Zuschauer gerade die kalten Hände an ihren Kaffeebechern wärmten, fasste sich ausgerechnet Linksverteidiger Gudmund Abelson ein Herz. Nach einem klugen Pass von Tiburtius Berglund zog der 21-Jährige einfach mal ab - und traf präzise ins lange Eck. 1:0 für Degerfors! Der Jubel war so laut, dass ein Rentner in der dritten Reihe kurz sein Hörgerät prüfte. Doch Mjällby wäre nicht Mjällby, wenn sie nicht noch einmal zurückkämen. In der 73. Minute zirkelte Iban Martins einen butterweichen Ball auf die Stirn von Herbert Dahlin, der mit einem wuchtigen Kopfstoß den Ausgleich erzielte. 1:1 - und plötzlich war Feuer drin. "Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel", gab Degerfors-Coach René Linge später zu. "Aber dann kam der Junge." Der Junge - das war David Neres, gerade einmal 18 Jahre alt, in der 60. Minute eingewechselt. Kaum 18 Minuten später, in der 78., stand er goldrichtig. Ein Abpraller von der Strafraumkante, ein kurzer Blick, ein Schuss - und der Ball zappelte im Netz. 2:1, und das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Neres nach dem Abpfiff. "René hat mir gesagt: Wenn du reinkommst, mach irgendwas Wildes. Also hab ich das getan." Mjällby warf in den Schlussminuten alles nach vorn, wechselte den 17-jährigen Viktor Gyökeres für einen Verteidiger ein - ein Zeichen der Verzweiflung, das nicht fruchtete. Die Gäste kamen noch zu ein paar Abschlüssen, insgesamt zwölf im Spiel, aber Torwart Hjalmar Karlsson hielt, was zu halten war. Die Statistik las sich am Ende fast ausgeglichen: 50,5 Prozent Ballbesitz für Degerfors, 49,5 für Mjällby, neun zu zwölf Torschüsse - aber eben zwei zu eins Tore. Und Fußball, das wissen wir alle, ist kein Schönheitswettbewerb. Trainer Linge fasste es trocken zusammen: "Wir waren nicht besser, aber effizienter. Das ist im Februar in Schweden ungefähr so selten wie Sonnenschein." Sein Gegenüber Fredericson nickte nur und meinte: "Wenn du zwei Tore kassierst, eines davon von einem Linksverteidiger, dann weißt du, der Fußballgott hat heute Humor." Besonders bitter für Mjällby: Rechtsverteidiger Valentin Carlsson musste nach einem Zweikampf in der 50. Minute verletzt raus, wurde durch Markus Pederson ersetzt - und genau über diese Seite fiel später das Siegtor. "Ich wollte eigentlich nicht mehr hinsehen", gestand Fredericson mit Galgenhumor. Als der Schlusspfiff ertönte, tanzten die Degerfors-Spieler im Schneeregen, während die Fans sangen, als wäre der Klassenerhalt schon geschafft. Neres wurde gefeiert wie ein Popstar, Abelson bekam Schulterklopfen von allen Seiten, und der Stadionsprecher verlor beinahe die Stimme. "Das war eines dieser Spiele, die man nicht vergisst", sagte Kapitän Anselm Dahlström. "Nicht, weil es schön war - sondern weil es weh tat, aber trotzdem Spaß machte." Und so endete ein Abend, der langweilig begann und spektakulär endete. Degerfors FF 2, Mjällby BK 1 - ein Ergebnis, das den Gastgebern Auftrieb gibt und die Gäste mit der Erkenntnis zurücklässt: In Schweden gewinnt am Ende nicht immer der, der mehr schießt, sondern der, der kälter bleibt. Oder, um es mit René Linge zu sagen: "Manchmal braucht man nur Mut, einen warmen Schal und einen 18-Jährigen mit kalten Füßen." 21.09.643990 05:10 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand