// Startseite
| Sverige Fotboll |
| +++ Sportzeitung für Schweden +++ |
|
|
|
Ein Pokalabend, wie ihn die 44.250 Zuschauer im Degerfor-Stadion so schnell nicht vergessen werden: Flutlicht, Frost und Fußball mit allen Zutaten - nur nicht mit dem gewünschten Ende für die Gastgeber. Degerfor FF verliert nach Führung noch mit 1:2 gegen Ersboda BK und scheidet damit in der 3. Runde des Pokals aus. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Schon in der 15. Minute ließ Anselm Taube die Heimfans jubeln. Nach einem klugen Pass von Adrian Holmqvist zog der 22-jährige Linksaußen von der Strafraumkante ab und traf unhaltbar ins rechte Eck. Trainer René Linge sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager beim Popkonzert. "So haben wir uns das vorgestellt - mutig, direkt, mit Herz", rief er in Richtung Bank, während die Ersatzspieler sich bereits in Siegerlaune wähnten. Degerfor spielte in der ersten Halbzeit mutig nach vorn, hatte mit elf Torschüssen insgesamt auch die aktivere Offensive. Junge Wilden wie der 17-jährige David Neres sorgten auf dem linken Flügel immer wieder für Betrieb. "Ich wollte einfach Spaß haben", grinste Neres nach dem Spiel, bevor er mit bandagiertem Knöchel verschwand - er hatte sich in der Nachspielzeit leicht verletzt. Doch der Spaß war spätestens mit Wiederanpfiff vorbei. Kaum hatte Schiedsrichter Andersson die zweite Halbzeit eröffnet, da klingelte es im Kasten von Hjalmar Karlsson. In Minute 46 war es Paulus Ohlson, der nach perfektem Querpass von Gerard Grenier cool einschob. Degerfor wirkte, als hätte jemand den Stecker gezogen. Nur sechs Minuten später traf Grenier selbst - diesmal bedient von Rudolf Uggla - und drehte die Partie. Ersboda BK, das Team von Trainer Piel Juergen, hatte den Spieß umgedreht, bevor Degerfor überhaupt wieder richtig wach war. "Wir haben in der Pause gesagt: Jungs, ihr müsst euch bewegen wie Tänzer, nicht wie Möbelpacker", lachte Juergen später. Und tatsächlich tanzte seine Mannschaft durch Degerfors Defensive, die plötzlich so löchrig war wie ein alter Trainingsanzug. René Linge reagierte mit einem Dreifachwechsel in der 60. Minute - Edvard Lundqvist, Eskil Karlson und Karl Kraft kamen neu, um frische Beine zu bringen. "Wir wollten den Druck erhöhen, aber irgendwie war die Luft raus", seufzte Linge. Die Statistik sprach zwar für Einsatz - 52 Prozent der Zweikämpfe gewann Degerfor -, doch das Spielglück hatte sich längst in Richtung Norden verabschiedet. Ersboda verteidigte clever, ließ den Ball mit kurzen Pässen laufen und setzte auf Konter über die Flügel. Besonders Gerard Grenier, der Mittelfeldmotor, spielte wie aufgezogen. "Ich spürte, dass heute was geht", meinte er später. "Vielleicht lag’s am neuen Shampoo, vielleicht auch am Gegner." Die Schlussphase war dann pure Pokaldramatik. Degerfor warf alles nach vorn, ging auf volles Risiko und stellte taktisch auf extremes Pressing um. Doch je wütender die Angriffe, desto ruhiger wirkte Ersboda. Torwart Valter Dahlin pflückte Flanken wie Äpfel im Herbst, während seine Vorderleute Zeit schindeten, als gäbe es einen Preis fürs Ballwegrollenlassen. In der 86. Minute sah Mikael Uggla Gelb, weil er genau das etwas zu offensichtlich tat. In der Nachspielzeit humpelte der junge Neres vom Feld - sinnbildlich für den Abend. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. "Wir haben gekämpft, aber im Pokal zählt halt nur das Ergebnis", sagte Kapitän Holmqvist und fügte mit einem bitteren Lächeln hinzu: "Und das ist heute einfach Mist." Ersboda BK hingegen feierte ausgelassen. Trainer Piel Juergen bekam eine unfreiwillige Bierdusche und nahm’s gelassen: "Wenn’s so weitergeht, brauche ich bald eine Regenjacke mit Vereinslogo." Seine Mannschaft zieht verdient ins Viertelfinale ein - mit 56 Prozent Ballbesitz, sieben Torschüssen und einer eiskalten Chancenverwertung. Degerfor FF muss dagegen die Scherben einer verpassten Sensation aufsammeln. Vielleicht hilft ihnen der Gedanke, dass man manchmal erst verlieren muss, um zu lernen, wie man richtig gewinnt. Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne brummte: "War trotzdem schön. Nur das Ergebnis war falsch." Und so endete dieser Pokalabend mit zwei Gesichtern - einem jubelnden in Ersboda und einem enttäuschten in Degerfor. Aber das ist eben Fußball: mal bist du Taube, mal bist du Grenier. 11.07.643987 20:39 |
Sprücheklopfer
Wenn für Ze Roberto jemand 30 Millionen bietet, kann er sein Auto putzen und dann ab über die Alpen.
Rainer Calmund