La Nacion
+++ Sportzeitung für Paraguay +++

Deco trifft früh - Taquari siegt trotz weniger Ballbesitz

Ein lauer Januarabend, 20 Uhr, Flutlicht im Estadio Libertad: 12.500 Zuschauer hofften auf ein Feuerwerk des heimischen CF Libertad - bekamen aber nur ein Strohfeuer und eine kalte Dusche von CF Taquari. Am Ende stand ein schmales, aber verdientes 0:1 (0:1) für die Gäste, die ihre Chancen nutzten, während Libertad trotz 55 Prozent Ballbesitz wie ein Jongleur ohne Bälle dastand.

Die Partie begann mit einem Paukenschlag: Kaum waren elf Minuten gespielt, da zappelte der Ball schon im Netz der Gastgeber. Carlos Deco, der flinke Rechtsaußen Taquaris, zog nach Vorarbeit von Eduardo Mendo trocken ab - und Libertas Keeper Nevio Ximenis sah aus, als habe er den Schuss nur im Nachspann gesehen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand der Torwart später mit einem gequälten Lächeln.

Danach wurde es ein Spiel zwischen Ungeduld und Unglück. Libertad kombinierte gefällig, hielt den Ball, aber kaum einer seiner fünf Torschüsse brachte den neuen Taquari-Keeper Ton Van Tessel - der zur zweiten Halbzeit für Alf Abramson eingewechselt wurde - wirklich ins Schwitzen. Einmal, in der 68. Minute, prüfte Günter Freund den jungen Niederländer mit einem satten Linksschuss, doch Van Tessel klatschte die Kugel ab wie ein Volleyballer auf der Copacabana.

Taquari dagegen blieb gefährlich. Attila Detari scheiterte früh gleich zweimal (10. und 27. Minute), und Ricardo Velez hatte offenbar beschlossen, dass Dauerfeuer auch eine Form der Verteidigung ist: Drei seiner insgesamt zwölf Abschlüsse gingen knapp vorbei, einer traf fast den Linienrichter, einer immerhin den Pfosten. "Der Ball wollte einfach nicht mehr rein", scherzte Velez später, "wahrscheinlich hatte er Mitleid mit Libertad."

Libertads Trainer - dessen Name sich an diesem Abend wohl besser ungenannt macht - reagierte kaum auf das Geschehen. Seine Mannschaft spielte brav ihr "balanciertes" System, wie es im Taktikzettel stand, ohne Pressing, ohne Risiko, ohne Wirkung. Taquari hingegen blieb offensiv ausgerichtet, aggressiv in den Zweikämpfen (53 Prozent gewonnen) und bissig bis zur letzten Minute.

Die Emotionen kochten kurz auf, als Xavi Viqueira in der 76. Minute Gelb sah - nicht für ein Foul, sondern offenbar für eine Mischung aus Meckern und Verzweiflung. "Ich wollte nur mit dem Schiedsrichter diskutieren, nicht heiraten", knurrte er nach Abpfiff.

In der Schlussphase warf Libertad noch alles nach vorn, was irgendwie laufen konnte. Nael Marco hatte in der 92. Minute die letzte Chance: ein Schuss aus spitzem Winkel, der eher an eine Befreiung erinnerte als an einen Torschuss. Der Ball segelte in den Nachthimmel, und irgendwo auf der Tribüne soll ein Zuschauer gerufen haben: "Der kommt Mittwoch wieder runter!"

Taquaris Coach Tim Thaler zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden, wenn auch mit seinem typischen, halb ironischen Grinsen: "Wir wollten zeigen, dass man auch ohne Ballbesitz Fußball spielen kann. Und manchmal ist weniger eben mehr - besonders beim Reden."

Statistisch betrachtet hatte Libertad die Nase vorn - mehr Ballbesitz, mehr Pässe, weniger Ertrag. Taquari dagegen nutzte seine Offensivmomente eiskalt. Dass das 1:0 schon so früh fiel, passte perfekt zum Spielverlauf: Die Gäste stellten danach um, standen kompakt und ließen Libertad ins Leere laufen.

Nach 90 Minuten blieb den Heimfans nur höflicher Applaus und der Gedanke, dass es wohl Tage gibt, an denen selbst 55 Prozent Ballbesitz nicht reichen, um ein Prozent Glück zu erzwingen.

Ein älterer Fan auf der Tribüne fasste es am besten zusammen: "Wir hatten den Ball, sie hatten das Tor - und das ist leider das, was zählt."

So ging ein Abend zu Ende, an dem CF Taquari mit einem einzigen Treffer Geschichte schrieb - und CF Libertad lernte, dass man Ballbesitz nicht essen kann.

Oder, wie es Torschütze Carlos Deco mit einem Augenzwinkern sagte: "Ein Tor ist ein Tor - egal, ob du’s mit 30 Prozent Ballbesitz machst oder mit Glück."

Vielleicht war’s Glück. Vielleicht war’s Können. Sicher war’s effektiv. Und das reicht manchmal völlig.

18.06.643987 16:52
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Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand
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