Heraldo de Mexico
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Dämonen führen, Teufel siegen - Guadalajara dreht Toluca spät!

Ein lauer Januarabend, 32.000 Zuschauer im Estadio Nemesio Diez, und zwei Mannschaften mit so viel Feuer im Namen, dass man eigentlich sofort die Feuerwehr hätte rufen können: Demonios Toluca gegen Diablos Guadalajara. Und am Ende brannten tatsächlich die Gäste heller - sie gewannen mit 2:1, nachdem Toluca lange wie der sichere Sieger aussah.

Dabei begann alles so harmlos, fast gemütlich. Guadalajara spielte von Beginn an offensiv, aber ineffektiv. 23 Torschüsse verzeichneten die Statistiker am Ende für die Diablos - doch über weite Strecken schien es, als könnten sie auch mit verbundenen Augen schießen, so weit gingen die Bälle vorbei. "Ich dachte schon, wir müssten das Tor abbauen und woanders hinstellen", knurrte Guadalajara-Coach Ralf Mr. halb lachend nach dem Spiel.

Toluca dagegen stand tief, solide, fast stoisch. Und wenn doch einmal Gefahr drohte, griff Keeper Jorge Marco beherzt zu. In der 34. Minute bekam Nuno Olazabal von Guadalajara Gelb - ein Foul, das so plump war, dass selbst der Schiedsrichter kurz schmunzeln musste. "Er wollte wohl einfach sicherstellen, dass man seinen Namen im Spielbericht liest", spottete ein Zuschauer hinter der Pressetribüne.

In der zweiten Halbzeit nahm die Partie endlich Fahrt auf. Toluca, bislang mit nur fünf Torschüssen, nutzte plötzlich die eine seltene Gelegenheit eiskalt. In der 65. Minute bekam Rechtsverteidiger Gabri Peyroteo den Ball nach einem wuchtigen Vorstoß von Youngster Sergi Eximeno an der Strafraumkante - und drosch ihn, als wäre er persönlich beleidigt worden, unter die Latte. 1:0 für Toluca, das Stadion tobte.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste Peyroteo später, "und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet." Tat er nicht - sondern im Tor. Und für einen Moment schien das die Geschichte des Abends zu sein: die abgeklärten Dämonen aus Toluca, die den Teufeln aus Guadalajara den Zahn ziehen.

Aber Fußball wäre kein so grausames Spiel, wenn es diese Momente der falschen Sicherheit nicht gäbe. Guadalajara reagierte mit gleich drei Wechseln zwischen der 45. und 81. Minute, brachte frische Beine und - wie sich zeigen sollte - frische Ideen. Zuerst kam Caio Delgado für Pedro Coluna, später auch Pierre Le Tallec für den erschöpften Oscar Galindez.

Dann, in der 83. Minute, schlug Cesc Carvalho zu. Der rechte Mittelfeldspieler hatte zuvor schon drei Mal aufs Tor geschossen, immer knapp vorbei oder direkt auf den Torwart. Diesmal aber nahm er eine Hereingabe von Le Tallec volley - und traf. 1:1. Guadalajara jubelte, Toluca starrte ungläubig.

"Da wusste ich, jetzt kippt’s", gestand Tolucas Kapitän Xabier Eusebio später. Und er sollte recht behalten. Nur vier Minuten nach dem Ausgleich folgte der Knockout: Caio Delgado, gerade einmal 20 Jahre alt und erst seit einer halben Stunde auf dem Feld, vollendete eine blitzsaubere Kombination über Carvalho zum 2:1.

Die letzten Minuten glichen einem verzweifelten Belagerungszustand. Toluca versuchte, wenigstens einen Punkt zu retten, aber der Ball wollte einfach nicht mehr aufs gegnerische Tor. "Wir waren zu brav, zu kontrolliert", klagte Trainer Marco (der seinen Namen lieber nicht nennen ließ). "Manchmal muss man eben selbst zum Teufel werden, um gegen die Diablos zu bestehen."

Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - 49,5 Prozent Ballbesitz für Toluca, 50,5 für Guadalajara. Doch die nackten Zahlen erzählen nicht, wie die Gäste in den letzten zehn Minuten wie entfesselt stürmten, während Toluca nur noch hoffte, dass die Uhr schneller tickt.

Als der Schlusspfiff ertönte, sank Peyroteo, der Held der 65. Minute, auf die Knie. Neben ihm tröstete Eximeno, der Vorlagengeber, mit einem Schulterklopfen. "Wir haben ihnen zu viel Raum gegeben", murmelte er, "und sie haben uns verbrannt."

Guadalajara-Coach Ralf Mr. hingegen grinste in die Mikrofone: "Wir sind die Diablos - wir kommen eben spät, aber aus der Hölle zurück."

Ein Satz, der wohl noch länger in Toluca nachhallen wird. Denn wer dieses Spiel gesehen hat, weiß: Man darf nie glauben, gegen den Teufel sei der Sieg schon sicher.

Und so bleibt Toluca nach diesem 1:2 (0:0) mit leeren Händen, während Guadalajara mit feurigem Endspurt den achten Spieltag der 1. Liga Mexico in ein kleines Inferno verwandelte.

Manche sagen, Fußball sei nur ein Spiel. Nach diesem Abend wird man in Toluca widersprechen - und in Guadalajara höllisch gut schlafen.

10.04.643987 01:38
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