El Colombiano
+++ Sportzeitung für Kolumbien +++

Cucuta dreht das Spiel - und La Equidad schaut staunend zu

Es gibt Fußballabende, an denen man das Gefühl hat, das Drehbuch sei in der Pause umgeschrieben worden. Der 4. Spieltag der 1. Liga Kolumbien bot genau so ein Spektakel: AD La Equidad führte früh, dominierte den Ball, verlor aber am Ende mit 3:5 gegen Atletico Cucuta - ein Spiel, das 39.281 Zuschauer zwischen Jubel, Kopfschütteln und offenen Mündern zurückließ.

Dabei fing alles so verheißungsvoll an für die Gastgeber. Alexander Rushton, der Mann mit der linken Klebe, traf gleich doppelt - in der 21. und 22. Minute. Zwei Tore in zwei Minuten, das Stadion tobte, Trainer Fin Devo riss die Arme hoch und rief seinem Assistenten zu: "Heute läuft’s wie geschmiert!" Niemand ahnte, dass diese Worte nur Minuten später bitter schmecken würden.

Denn dann kam Bruno Pelayo. Der Mittelfeldmotor von Cucuta verwandelte sich zwischen Minute 38 und 41 in eine Art Ein-Mann-Orkan, der die Defensive von La Equidad einfach wegblies. Erst traf er nach feinem Zuspiel von Alfred Abelson, dann legte er selbst nach - und plötzlich stand es 2:2. Als ob das nicht genug wäre, sorgte der erfahrene Abelson in der 44. Minute für die Führung der Gäste - natürlich auf Vorlage von Pelayo. Der Pausenstand: 2:3. Und auf der Trainerbank von La Equidad sah man Devo mit leerem Blick auf seinen Notizblock starren, während Cucuta-Coach Felix Eckball sich lässig seinen Schal richtete.

"Wir wussten, dass wir geduldig bleiben müssen", erklärte Eckball später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Selbstbewusstsein und Schadenfreude lag. "Unsere Jungs haben das Spiel gelesen - und dann einfach umgeschrieben."

Die zweite Hälfte begann, wie sie aufgehört hatte: mit einem entfesselten Atletico Cucuta. Curt Haupt, der robuste Stürmer mit dem Sinn für das Spektakuläre, traf in der 60. Minute zum 2:4 - natürlich wieder nach Vorarbeit von Pelayo, der an diesem Abend wohl selbst im Halbschlaf hätte eine Torvorlage geben können. Und weil Haupt offenbar Spaß gefunden hatte, legte er in der 77. Minute gleich noch einen drauf, diesmal nach Pass des jungen Marcio Cunha.

La Equidad, das trotz 56 Prozent Ballbesitz das Spiel nicht mehr kontrollieren konnte, versuchte es mit Verzweiflung und langen Bällen. "Wir hatten das Gefühl, der Ball wollte einfach nicht mehr mit uns spielen", stöhnte Mittelfeldmann Silvestre Poncela später.

In der 85. Minute gelang wenigstens noch ein Trostpflaster: Der junge Herold Vogel staubte nach Ecke von Mario Mocana zum 3:5 ab - ein Treffer, der das Ergebnis kosmetisch verbesserte, aber nichts am Ausgang änderte. "Ich wollte wenigstens zeigen, dass wir leben", sagte Vogel mit einem schiefen Grinsen.

Statistisch gesehen hätte La Equidad das Spiel gar nicht verlieren dürfen: Mehr Ballbesitz, mehr Passsicherheit, weniger Karten. Aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Atletico Cucuta schoss ganze 18 Mal aufs Tor - dreimal so oft wie der Gastgeber - und zeigte eine Kaltschnäuzigkeit, die an kühle Bergluft erinnerte.

Nur einmal wurde es wirklich hitzig: In der 58. Minute sah Cucutas Rechtsverteidiger Vicente Meira Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, kurz darauf traf es auch Pelayo, der zu diesem Zeitpunkt wohl dachte, ihm gehöre das Spielfeld. Dazu kam eine Verletzung von Innenverteidiger Sergio Alvar, der humpelnd vom Platz musste. "Ein kleiner Krampf, nichts Weltbewegendes", winkte Trainer Eckball ab - während er bereits den jungen Mario Pinto einwechselte, der prompt die Defensive stabilisierte.

La Equidad dagegen blieb taktisch zu brav. "Wir wollten ruhig bleiben, aber vielleicht waren wir zu ruhig", murmelte Trainer Devo in der Pressekonferenz. Sein Gegenüber grinste nur: "Ruhig ist schön - aber Tore schießen ist besser."

Am Ende blieb den Fans der Hausherren nur höflicher Applaus und ein Raunen, das irgendwo zwischen Bewunderung und Enttäuschung lag. Denn was Atletico Cucuta da in Bogotá ablieferte, war kein Zufall, sondern eine Lektion in Effizienz.

Und während die Flutlichter langsam erloschen, fasste ein älterer Zuschauer auf der Tribüne das Spiel wohl am besten zusammen: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Und leider zählt am Ende nur Letzteres."

Vielleicht wird Fin Devo diesen Satz noch eine Weile im Kopf haben - bis zum nächsten Spieltag, wenn La Equidad beweisen muss, dass Ballbesitz allein kein Trostpflaster ist.

16.12.643993 05:52
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Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
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