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Es war einer dieser Abende, an denen Fußballromantik und Frustration Hand in Hand durchs Stadion spazierten. Vor 79.500 Zuschauern im tobenden "Harbour Field" scheiterten die Falmouth Villagers trotz drückender Überlegenheit an den Quebec Blues - und am eigenen Nervenkostüm. Am Ende stand ein nüchternes 0:1 (0:1) auf der Anzeigetafel, das die Gäste aus Kanada jubeln ließ und Coach Hermann Tüllinghoff ratlos zurückließ. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Kaum war der Schiedsrichterpfiff verklungen, da feuerte Theo Boyle, der 21-jährige Wirbelwind auf der linken Seite, schon nach drei Minuten den ersten Warnschuss Richtung Blues-Tor - vorbei. Drei Minuten später zeigte Quebec, wie man’s macht: Olivier Krieger flankte aus dem linken Halbfeld, und Linksverteidiger Matthijs Coster rauschte heran, als würde er die Welt retten wollen. Mit dem Vollspann drosch er das Leder in der sechsten Minute unhaltbar unter die Latte. 1:0 - und gleichzeitig das letzte Mal, dass der Ball den Weg ins Netz fand. "Ich wollte eigentlich nur flanken", grinste Coster nach dem Spiel und sah dabei so harmlos aus, dass man ihm fast glaubte. Trainer Lutz Lindemann schlug ihm lachend auf die Schulter: "Wenn das eine Flanke war, dann will ich ab morgen nur noch Flanken sehen!" Für die Villagers begann danach eine lange, zähe Jagd auf den Ausgleich. Taktisch offensiv, mit langen Bällen und aggressivem Pressing, rannten sie gegen eine tiefstehende Blues-Abwehr an, die sich wie eine Eisscholle in der kanadischen Bucht nicht vom Fleck bewegen ließ. 15 Torschüsse verbuchte das Heimteam - mehr als doppelt so viele wie die Gäste. Doch was hilft die Statistik, wenn das Tor wie vernagelt scheint? Sebastien Gagne setzte den Ball in Minute 19 knapp vorbei, Boyle scheiterte in der 27. am glänzend reagierenden Keeper Javier Jimenez, und als Connor Fairchild in der 32. Minute aus spitzem Winkel abzog, hörte man ein kollektives Aufstöhnen von den Rängen - wieder nichts. "Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können, und der Ball wäre immer noch nicht reingegangen", knurrte Tüllinghoff später in der Pressekonferenz. "Vielleicht war das Tor einfach zu klein. Oder unser Selbstvertrauen zu groß." Quebec seinerseits verteidigte mit einer Mischung aus stoischer Ruhe und rustikaler Härte. Zwei Gelbe Karten - Coster in der 38. und Musgrave in der 69. Minute - waren der Preis für eine kompromisslose Vorstellung, die den Rhythmus der Villagers immer wieder brach. "Das war kein Zerstören, das war nordamerikanische Pragmatik", rechtfertigte sich Lindemann. "Wir sind nicht hier, um Freunde zu finden." Der zweite Durchgang war ein einziges Anrennen. Boyle, Gagne, Hannigan - sie alle probierten es, aus allen Lagen, aus allen Winkeln. In der 63. Minute zischte Gagnes Schuss nur Zentimeter über die Latte, in der 74. donnerte Boyle den Ball gegen den Pfosten. Torwart Jimenez, inzwischen in Hochform, dirigierte seine Abwehr wie ein Dirigent ein störrisches Orchester. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft er den Ball gehalten hat", seufzte Villagers-Kapitän Jose Fernandes, der in der 88. Minute ausgewechselt wurde. "Manchmal steht dir eben ein Torwart im Weg, der seinen besten Tag erwischt - und du deinen schlechtesten." Die Schlussphase wurde zum Lehrbuchbeispiel für Verzweiflung: Coach Tüllinghoff brachte frische Beine - Choutos, Huxley, Marshal -, doch die Blues blieben eiskalt und verteidigten mit allem, was sie hatten. Selbst Stürmer Andre Pare rückte bis an die eigene Eckfahne zurück und grätschte, als ginge es um sein Leben. Als der Schlusspfiff ertönte, blickten die Villagers-Spieler ins Leere, während die Blues jubelnd Richtung Gästeblock liefen. Lindemann klatschte seine Spieler ab, Tüllinghoff stand noch minutenlang reglos an der Seitenlinie. "Fußball ist manchmal ein grausamer Lehrer", murmelte er, ehe er in den Kabinentrakt verschwand. Statistisch gesehen war es ein Spiel, das die Villagers nie hätten verlieren dürfen: mehr Schüsse, höhere Zweikampfquote (54,5 zu 45,4 Prozent), mehr Einsatz. Doch die Blues hatten 56,8 Prozent Ballbesitz - und eben jenes eine Tor, das in die Wertung eingeht. Am Ende bleibt für Falmouth die Erkenntnis, dass Offensivgeist allein keine Punkte garantiert. Und vielleicht auch, dass man gegen kanadische Blues besser kein frühes Gegentor kassiert. Denn dann wird’s frostig - und zwar nicht nur im Ergebnis, sondern auch im Gemüt. Oder, wie es Boyle im Spielertunnel trocken formulierte: "Heute haben wir alles gegeben - nur keine Punkte." Ein Satz, der sich in Falmouths Fußballchronik wohl noch öfter wiederfinden wird, wenn man nicht bald lernt, Tore nicht nur zu schießen, sondern sie auch zu treffen. 21.04.643987 11:47 |
Sprücheklopfer
Die Alte ist trotzdem unheimlich in Ordnung! Ich habe sie kennengelernt, als ihr Zahnarzt mir das Esszimmer neu tapeziert hat. Kerstin merkte sofort, dass ich bei der Behandlung ein bißchen Schiss hatte. Sie hielt mir ganz lieb das Händchen.
Rudi Assauer über seine neue 24-jährige Lebensgefährtin, die als Zahnarzthelferin arbeitet