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Wenn 27.000 Zuschauer in Mérida an einem warmen Februarabend Fußball sehen wollen, dann bekommen sie Drama, Schweiß und ein bisschen Chaos - und genau das bot das 2:2 zwischen Colegio Merida und Real Caracas am 32. Spieltag der 1. Liga Venezuela. Jürgen Klopp, der bekanntlich selten emotionslos am Spielfeldrand steht, hatte allen Grund, seine berühmte Brille beinahe zu verlieren: Erst in der 82. Minute rettete Lucas Forsythe mit einem wuchtigen Schuss den Punkt für die Gastgeber. Dabei hatte es lange nicht nach einem Happy End für Merida ausgesehen. Real Caracas, von Eiko Henke gewohnt kontrolliert eingestellt, übernahm früh das Kommando. Schon in den ersten Minuten prüfte Francisco Gallardo den Keeper Benjamin Colquhoun, während Dylan Ashton auf der Gegenseite lieber den Schiedsrichter als den Ball traf - er sah in der ersten Minute Gelb. "Ich wollte nur ein Zeichen setzen", grinste Ashton später, "leider war’s das falsche Zeichen." Caracas spielte "balanced", wie es im modernen Taktiksprech heißt, aber das sah für die Zuschauer eher nach chirurgischer Präzision aus. Xavi Eusebio, der im Mittelfeld die Fäden zog, krönte seine starke Leistung in der 36. Minute mit einem platzierten Schuss aus 20 Metern - 0:1, Vorlage vom unermüdlichen Innenverteidiger Daniele Montanari. Nur zwei Minuten später legte Carlos Panero nach, ebenfalls nach Vorarbeit Montanaris. 0:2, und die Heimfans rieben sich ungläubig die Augen. "Da dachte ich kurz, wir werden hier auseinandergenommen", gab Klopp später zu. "Aber dann habe ich mir gesagt: Na gut, wenigstens haben wir noch 45 Minuten, um es wieder kompliziert zu machen." Kompliziert wurde es tatsächlich - allerdings zunächst für seine eigene Mannschaft. Stürmer Roger Bergen musste nach einem unglücklichen Zusammenprall in der 36. Minute verletzt raus, Forsythe kam früher als geplant - und wurde später zum Helden. Noch vor der Pause keimte Hoffnung auf: Julio Machado, agiler Linksaußen mit Drang zum Spektakel, zog in der 42. Minute ab und traf zum 1:2-Anschluss. Der Jubel war mehr Erleichterung als Euphorie, aber er weckte Merida aus der Lethargie. Die zweite Halbzeit begann mit einem offenen Schlagabtausch. Caracas hatte mit 52 Prozent Ballbesitz die Nase vorn, doch Merida biss sich in die Partie. Agustin Godo und Paulo Marquez hielten den Ball am Boden und das Publikum bei Laune. "Wir wollten zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", sagte Godo süffisant, "nicht nur laufen und Klopp anschreien hören." Henke an der Seitenlinie blieb stoisch, fast schon nordisch ruhig. "Das war kein verlorener Sieg, sondern ein gewonnener Lerneffekt", sagte er nach dem Abpfiff mit einem Lächeln, das nur Trainer tragen können, die wissen, dass ihre Mannschaft zweimal geführt und trotzdem nicht gewonnen hat. Denn dann kam die 82. Minute. Paulo Marquez, der Innenverteidiger mit dem Mut eines Stürmers, schob den Ball clever auf Lucas Forsythe. Der eben erst eingewechselte Rechtsaußen nahm Maß und drosch das Leder humorlos ins linke Eck - 2:2! Die Tribüne bebte, Klopp raste die Seitenlinie entlang, und selbst der vierte Offizielle musste kurz grinsen. "Ich hab’ einfach draufgehauen", sagte Forsythe hinterher, "und gehofft, dass der Ball nicht die Stadionwand trifft." Die letzten Minuten waren ein einziger Nervenkitzel: Caracas’ Tomas Fritz sah Gelb, die Gäste reklamierten, Merida konterte - und Schiedsrichter Gómez hatte alle Hände voll zu tun, das Spiel zu Ende zu bringen, bevor Klopp versehentlich selbst eingewechselt wurde. Am Ende standen 10:11 Torschüsse, 47 zu 53 Prozent Ballbesitz und eine Tacklingquote, die so ausgeglichen war, dass selbst ein Statistiker lächeln musste. Beide Teams hätten den Sieg verdient gehabt, und wahrscheinlich war genau deshalb das Unentschieden gerecht - auch wenn das niemand gern hört. "Das ist Fußball", resümierte Klopp mit dem typischen Klopp’schen Funkeln in den Augen. "Manchmal verlierst du zwei Tore und gewinnst trotzdem einen Punkt." Henke nickte nur und murmelte: "Nächstes Mal behalten wir den Montanari lieber hinten." So endete ein Abend, der alles hatte - Tore, Karten, Verletzungen, und einen Trainer, der wieder einmal zeigte, dass Leidenschaft keine Grenzen kennt. Die Fans gingen zufrieden nach Hause, einige mit heiserer Stimme, alle mit der Gewissheit, dass man in Mérida selten ein langweiliges Spiel sieht. Und wer weiß - vielleicht war dieses 2:2 ja der Beginn einer kleinen Klopp’schen Aufholjagd in Venezuela. 12.04.643990 15:55 |
Sprücheklopfer
Das ist Wahnsinn! Da gibt's Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!
Toni Polster nach einer Niederlage