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Ein lauer Januarabend in Luque, 42.151 Zuschauer, der Rasen in fast englischem Zustand - und zwei Teams, die anfangs so taten, als sei ein 0:0 das höchste Glück. Doch am Ende jubelte der Club General Luque mit einem 2:0 über AD Villa Hayes - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es die Statistik vermuten lässt. Denn während die Gäste ganze zwei Torschüsse verbuchten (beide harmlos genug, um den Balljungen nicht aus der Ruhe zu bringen), feuerte Luque gleich 17 Mal aufs Tor. Dass es trotzdem bis zur 69. Minute dauerte, bis der Ball endlich im Netz zappelte, lag weniger an der Präzision der Schützen als an Theo Montgomery, dem Torwart von Villa Hayes. Der 27-Jährige fischte in der ersten Halbzeit alles weg, was halbwegs eckig auf ihn zuflog - und das war einiges. "Ich dachte schon, der Mann hat Magneten in den Handschuhen", grinste Paul Mayer, der rechte Flügelstürmer von Luque, nach dem Spiel. Mayer selbst war der aktivste Mann auf dem Platz, schoss gefühlt auf alles außer die Eckfahne, aber das Glück verweigerte ihm die Gefolgschaft. Trainer Rolando Rolando - ja, der Mann heißt wirklich so - blieb dennoch gelassen. "Wir wussten, dass es irgendwann kracht. Wenn du so oft draufhältst, muss irgendwann einer reinrutschen", sagte er mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Selbstsicherheit und Erleichterung pendelte. Und tatsächlich: In der 69. Minute war es so weit. Guillermo Gelmirez, bis dahin eher unauffällig, flankte präzise von links, und Cedric Van Gheem rauschte heran, als hätte er genau diesen Moment schon im Traum trainiert. Kopfball, Innenpfosten, Tor. 1:0. Das Stadion bebte, Van Gheem riss die Arme hoch, während Gelmirez ihm lachend zurief: "Endlich trifft mal einer!" Villa Hayes versuchte in der Folge, das Spiel zu öffnen - allerdings mit der Konsequenz, dass Luque mehr Räume bekam. Acht Minuten später war es dann Gabriel Houghton, der im Mittelfeld an den Ball kam, einen kurzen Doppelpass mit Innenverteidiger Pedro Derlei spielte und aus gut 20 Metern trocken abzog. Der Ball flog wie an der Schnur gezogen ins rechte Eck - 2:0. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil keiner rauskam", meinte Houghton später bescheiden, "und dann ist er halt drin. Manchmal ist Fußball einfach." Von da an war die Partie entschieden. Villa Hayes, taktisch stets "balanced", wie es im modernen Jargon heißt, blieb auch beim Rückstand erstaunlich ausgeglichen - was leider auch für die Intensität galt. Kein Pressing, kein Risiko, keine Wendung. Ihr Trainer (dessen Name die Statistik leider verschluckt hat) schien mit einem knappen Resultat leben zu können. Luque hingegen änderte in den letzten Minuten die Formation, ging auf "balanced" zurück, ließ den Ball laufen und die Uhr mit ihm. In der 85. Minute kam mit Amaury Travassos ein frischer Verteidiger - ein klares Signal: Deckel drauf. "Am Ende war’s ein verdienter Sieg", resümierte Coach Rolando nüchtern. "Wir waren geduldig, wir haben unser Ding gemacht." Und dann fügte er schmunzelnd hinzu: "Nächstes Mal darf Paul aber ruhig auch mal treffen - sonst baut er mir noch eine Wohnung im Strafraum." Paul Mayer nahm’s sportlich. "Ich hab mir gedacht, wenn ich schon kein Tor schieße, dann wenigstens Kondition für drei Spiele auf einmal." Die Fans verabschiedeten ihr Team mit stehenden Ovationen. Nach dem Schlusspfiff herrschte Volksfeststimmung, während die Spieler von Villa Hayes mit hängenden Köpfen Richtung Kabine schlichen - wohlwissend, dass zwei harmlose Schüsse in 90 Minuten selten für Punkte reichen. Statistisch war’s ein einseitiger Abend: 50,6 Prozent Ballbesitz für Luque, 17:2 Torschüsse, 57,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und zwei Treffer, die das Zahlenwerk abrundeten. Es war kein Spektakel voller technischer Finessen, eher ein geduldiges Bohren in der gegnerischen Abwehrwand. Doch genau das machte den Unterschied: Geduld hat manchmal mehr Stil als Zauberei. Oder, wie Rolando Rolando es beim Rausgehen sagte, während er sich die Kappe zurechtrückte: "Schöner Fußball ist, wenn du gewinnst. Alles andere ist Dekoration." 21.04.643987 20:46 |
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