// Startseite
| La Nacion |
| +++ Sportzeitung für Paraguay +++ |
|
|
|
Ein lauer Märzenabend, 43.500 Zuschauer im Estadio Taquari - und am Ende wieder einmal lange Gesichter bei den Gastgebern. CF Taquari unterlag am 7. Spieltag der 1. Liga Paraguay mit 1:2 gegen Club General Luque. Ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Emotion, gelbe Karten und einen Schuss Tragikomik. Schon nach fünf Minuten wurde klar, dass es kein gemütlicher Sonntagsspaziergang werden würde. Rechtsverteidiger Julian Xavier sah früh Gelb, nachdem er Michels Capucho energisch, um nicht zu sagen beherzt, vom Ball trennte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", sagte Xavier später mit einem Grinsen, das ahnen ließ: Er wusste genau, was er tat. Das Spiel nahm Fahrt auf, Taquari mit viel Ballbesitz (am Ende 52,5 Prozent), aber ohne die zündende Idee. Die Gäste aus Luque standen tief, lauerten auf Konter - und trafen eiskalt. In der 31. Minute war es Julian Celis, der eine schöne Hereingabe von Ronald Lessard volley ins linke Eck drosch. Taquaris Keeper Alf Abramson streckte sich vergeblich. "Wir haben das genau so trainiert", behauptete Luques Trainer Rolando Rolando später mit einem Augenzwinkern. "Na gut, fast so. Eigentlich sollte der Ball zu Michel gehen, aber wir nehmen’s, wie’s kommt." Zur Pause führte General Luque 1:0 - und das, obwohl Taquari mehr vom Spiel hatte und 6:4 Torschüsse verbuchte. Trainer Tim Thaler stapfte in die Kabine, den Kopf leicht gesenkt, aber nicht ohne Plan. "Wir wollten offensiv bleiben", erklärte er hinterher, "aber vielleicht hätte ich den Jungs sagen sollen, dass Tore schießen dazugehört." Die zweite Halbzeit begann furios: Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff bediente Carlos Deco auf der rechten Seite den einlaufenden Laurent Billet, der humorlos zum 1:1 einschweißte. Stadion, Trommeln, Feuerwerk - alles explodierte. "Ich hab’ den Ball getroffen wie selten in meinem Leben", grinste Billet später. "Und das war auch nötig, sonst wär’s wohl ein Einwurf geworden." Danach drückte Taquari weiter, hatte Chancen durch Deco (59.) und Jozef Kozacik (72.), doch das Tor fiel auf der anderen Seite. In der 74. Minute leitete Vincent Hennessy einen schnellen Angriff ein, Capucho setzte sich im Strafraum durch und traf trocken ins rechte Eck. 2:1 für General Luque - eiskalt, effizient, einfach typisch Auswärtsteam. Die Schlussphase war ein wilder Ritt: Zwei Gelbe für Taquari (Luis Mudarra in Minute 83) und die Gäste (Pascal Lee in der 79. und später Davide Degano in der 94.), ein verletzter Georges Blanqui in der Nachspielzeit und ein verzweifelter Schuss von Deco in Minute 95, der knapp über den Querbalken strich. Die Fans hielten den Atem an, doch der Ball wollte nicht mehr rein. "Wir haben alles gegeben, aber manchmal ist der Fußball ein kleiner Sadist", murmelte Trainer Thaler nach dem Abpfiff. Sein Gegenüber Rolando hingegen strahlte: "Wir haben Moral gezeigt. Und Capucho - was soll man da sagen? Ein Torjäger, wie man ihn nur im Panini-Heft findet." Statistisch gesehen hätte Taquari mehr verdient: 11 Schüsse aufs Tor, mehr Ballbesitz, mehr Einsatz. Doch General Luque war kaltschnäuziger, abgeklärter - und hatte die besseren Nerven. Nach dem Schlusspfiff applaudierten die Heimfans trotzdem. Vielleicht aus Dankbarkeit für einen unterhaltsamen Abend, vielleicht auch, weil sie wussten: Ihr Team hatte zwar verloren, aber nicht versagt. "Wenn wir so weiterspielen, drehen wir bald den Spieß um", versprach Billet, bevor er lachend hinzufügte: "Nur bitte ohne frühe Gelbe - meine Mutter hat schon wieder geschimpft." Ein Abend voller Emotionen, ein Spiel, das zeigte, wie nah Triumph und Frust im Fußball beieinanderliegen. CF Taquari bleibt das Team der schönen Pässe ohne Happy End, General Luque dagegen reist heim mit drei Punkten und einem breiten Grinsen. Und irgendwo in der Kabine, so ist zu hören, summte Trainer Rolando leise vor sich hin - vermutlich keine Siegeshymne, sondern eher die Melodie des puren Erleichtertseins. 20.01.643994 01:37 |
Sprücheklopfer
Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt.
Fritz Walter Junior