La Nacion
+++ Sportzeitung für Paraguay +++

Club Ayes tanzt Olimpia aus - und Thomas Schade gleich zweimal

Ein lauer Abend in Asunción, 20.000 Zuschauer, Flutlicht und die Hoffnung auf einen schönen Fußballabend - zumindest für eine Seite. Am 34. Spieltag der 1. Liga Paraguay wurde es für Deportivo Olimpia ein Abend zwischen Albtraum und Aufbäumen. Am Ende hieß es 2:4 (0:3) gegen den entfesselten Club Ayes, der in der ersten Halbzeit so gnadenlos effektiv war, dass selbst die Stadionkatze kurz das Mausen vergaß.

Bereits nach einer Viertelstunde begann das Unheil: Theofanis Chatzi, quirlig wie ein Espresso auf zwei Beinen, legte mustergültig für Thomas Schade auf - und der drosch den Ball in der 15. Minute trocken ins Netz. Acht Minuten später dasselbe Duo, dasselbe Drehbuch, nur diesmal noch selbstbewusster: Chatzi flankt, Schade nickt ein - 0:2. "Ich dachte kurz, ich schaue ein Replay", murmelte ein Olimpia-Fan resigniert in sein Plastikbier.

In Minute 45 setzte dann auch noch Innenverteidiger Julian Gutierrez ein Ausrufezeichen - nach, na klar, einer Vorlage von Chatzi. Der Mann hatte offenbar beschlossen, die rechte Seite des Spielfelds für sich zu pachten. Olimpia-Trainer, dessen Name in den Akten mysteriöserweise fehlt, aber dessen Gesichtsausdruck keiner Erklärung bedurfte, verschwand noch vor der Pause kurz im Spielertunnel - vermutlich, um nach einem neuen Matchplan zu suchen.

"Wir haben uns in der ersten Halbzeit selbst geschlagen", sagte später Olimpia-Mittelfeldmann Nevio Sorribas. "Drei Mal derselbe Ablauf - das darf uns einfach nicht passieren. Wir standen da wie Touristen am Karnevalszug."

Und doch kam die Wende - zumindest kurz. Direkt nach Wiederanpfiff schien Olimpia das Spiel neu zu entdecken. In der 49. Minute traf Ricardo Molina nach Vorarbeit von Innenverteidiger Dimas Ramallo. Ein schöner Treffer, wuchtig, fast trotzig. Das Stadion erwachte, die Trommeln dröhnten, und für einen Moment glaubte man an eine dieser sagenhaften Aufholjagden, über die später Generationen von Enkelkindern erzählen.

Doch Club Ayes blieb kaltschnäuzig. Trotz nur 43,7 Prozent Ballbesitz und etwas weniger Zweikampfquote (51,6 Prozent) wirkte die Mannschaft von Trainer Justin Moller jederzeit wie der coolere Typ in der Bar - die, die selten reden, aber immer treffen. "Wir wussten, dass Olimpia mehr den Ball haben will", grinste Moller nach dem Spiel. "Wir wollten lieber die Tore haben."

In der 80. Minute machte dann Vincent Ordono mit seinem Treffer zum 4:1 endgültig alles klar. Nach einer Ecke von Alberto Costinha stand der linke Stürmer goldrichtig und hämmerte den Ball unter die Latte. Olimpia-Goalie Joao Gomes blieb nur das Nachsehen - und ein missmutiger Blick Richtung Abwehr.

Zwar verkürzte Adriano Hermenegildo in der 86. Minute nach Vorlage von Tim Link noch auf 2:4, doch der Treffer war eher kosmetischer Natur - ein kleines Pflaster auf eine Wunde, die schon längst offen klaffte. Kurz darauf sah Linksverteidiger Caio Antunes Gelb, als er die Frustration in ein etwas zu rustikales Tackling verwandelte.

Statistisch gesehen war Olimpia sogar das aktivere Team: 56 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse - doch Club Ayes hatte 14 Abschlüsse und die ungleich höhere Effizienz. "Wir spielen schön, sie spielen klug", fasste es Stürmer Silvestre Ruy zynisch zusammen.

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten selbst einige Heimfans anerkennend. "Man muss neidlos sagen: Das war cleverer Fußball", meinte ein älterer Herr im Vereinshemd, während er seinen Sohn tröstete.

Im Spielertunnel herrschte dagegen Stimmung zwischen Wut und Selbstironie. "Wenn du drei Tore in einer Halbzeit kassierst, brauchst du keine Statistik - du brauchst Aspirin", witzelte Olimpia-Verteidiger Ramallo.

Für Club Ayes war es dagegen ein Abend, der in Erinnerung bleibt. Doppeltorschütze Schade stand nach Abpfiff mit einem breiten Grinsen vor den Kameras. "Ich schulde Chatzi mindestens zwei Abendessen", lachte er. "Vielleicht sogar drei - für die Vorarbeit beim Warmmachen."

Olimpia wird sich nun fragen müssen, warum man trotz offensiver Ausrichtung und permanentem Druckspiel in der zweiten Hälfte die ersten 45 Minuten schlicht verschlief. Club Ayes hingegen reist mit breiter Brust nach Hause - oder wie Trainer Moller es formulierte: "Wir haben getanzt, und sie haben gezählt."

Ein Satz, der den Abend wohl am besten zusammenfasst.

Und so bleibt den Fans von Olimpia nur der Trost, dass Fußball manchmal einfach ungerecht ist - oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen seufzte: "Wenn Ballbesitz Tore wären, hätten wir 10:4 gewonnen."

07.10.643993 18:20
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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