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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball zunächst aussieht wie Mathematik - und dann plötzlich wie Poesie. Club Ayes, das Team von Trainer Justin Moller, fertigte Porteno Asuncion mit 5:2 ab, nachdem die Gäste zunächst zweimal in Führung gegangen waren. 38.001 Zuschauer im Estadio Central bekamen beim 6. Spieltag der 1. Liga Paraguay eine Partie zu sehen, die irgendwo zwischen Slapstick, Spektakel und Lehrfilm über die "Kunst des Umschaltspiels" pendelte. Schon nach fünf Minuten drehte sich das Stadion in kollektive Ratlosigkeit: Adrián Rivilla, der flinke Linksaußen von Porteno, knallte die Kugel nach Vorlage von Fernando de Vivar ins Netz - 0:1. "Da dachte ich kurz, wir hätten den Busfahrer aufgestellt", murmelte Club-Ayes-Coach Moller später. Doch lange hielt die Verwirrung nicht. Nur zwei Minuten später, kaum dass die Heimfans fertig geschimpft hatten, zog Thomas Schade von rechts ab - Vorlage von Alejandro Esclapez - und traf zum 1:1. Das Spiel blieb ein offener Schlagabtausch: Porteno hatte mehr Ballbesitz (57 Prozent), Ayes aber den klareren Zug zum Tor (17:10 Torschüsse). Nach 24 Minuten schlug Rivilla erneut zu - wieder eiskalt, diesmal nach Vorarbeit von Carlos Couto. 1:2, und man spürte, dass der Mann einen Sahnetag erwischt hatte. Doch Ayes zeigte Moral. In der 34. Minute schlich sich Linksverteidiger Joris Vandenhoff nach vorne, bekam den Ball im Rückraum, und nagelte ihn mit der linken Klebe unter die Latte. 2:2 - Halbzeit. "Ich hab Joris selten so weit vorne gesehen", grinste Mitspieler Dorinel Barbulescu später. "Ich dachte, er hätte sich verlaufen." Vandenhoff selbst winkte ab: "Ich wollte eigentlich nur den Ball zurückspielen - dann war er halt drin." Nach der Pause übernahm Ayes komplett. Die Offensive, ohnehin von Beginn an offensiv eingestellt, zündete jetzt ein Feuerwerk. In der 61. Minute legte Roger Barre quer, Alexander Wiltshire traf aus spitzem Winkel zum 3:2. Nur zwei Minuten später krönte Kayahan Celikay sein starkes Spiel mit einem Treffer nach feinem Zuspiel von Barbulescu. Und weil’s so schön war, wiederholten die beiden das Ganze in der 65. Minute fast identisch - 5:2. Trainer Philippe Koch von Porteno Asuncion stand da wie ein Mann, der gerade sein Navi anschreit: "Wir hatten den Plan. Nur leider hat den niemand gelesen", sagte er mit einem bitteren Lächeln. Seine Mannschaft verlor nach der Pause jede defensive Ordnung, und als Innenverteidiger José Veloso in der 71. Minute dann auch noch Gelb sah, war die Messe gelesen. Moller reagierte klug, brachte in der 58. Minute Jacques Bonald für Schade und Leandro Manuel für Esclapez - frische Beine, frischer Wind. Später durfte auch David Bertran für den zweifachen Torschützen Celikay ran. "Wir wollten das Tempo hochhalten", so Moller. "Und ehrlich gesagt: Ich wollte Kayahan nicht noch ein drittes Mal in die Umarmung von Barbulescu laufen sehen." Die letzten zwanzig Minuten wurden zum Schaulaufen. Ayes spielte den Ball lässig in den eigenen Reihen, während Porteno zwar noch ein paar harmlose Schüsse abgab, aber nie wieder gefährlich wurde. Goalie Ralf Preuss musste sich nur noch einmal wirklich strecken - und tat dies mit der Eleganz eines Mannes, der wusste: Heute geht nix mehr schief. "Das Ergebnis täuscht vielleicht ein bisschen", meinte Rivilla nach dem Spiel, der immerhin beide Gästetore erzielt hatte. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber Ayes hatte mehr Zielwasser. Vielleicht sollten wir mal das gleiche Wasser trinken." Statistisch gesehen hätte man meinen können, Porteno habe das Spiel kontrolliert. Tatsächlich kontrollierte Ayes aber das, was im Fußball zählt: die Tore. 5:2, und das vollkommen verdient. Die Fans verabschiedeten ihre Helden mit einem donnernden Applaus, während Moller lächelnd Richtung Kabine trottete. "Ich sag’s mal so", meinte er noch in Richtung der Journalisten, "wenn wir immer so spielen, darf der Gegner gerne den Ball haben. Wir nehmen dafür die Punkte." Ein Abend also, der zeigt, dass Ballbesitz zwar schön aussieht, Tore aber schöner sind. Club Ayes lacht sich damit vorerst in die obere Tabellenhälfte - und Porteno Asuncion wird sich fragen, wie man in einem Spiel mit 57 Prozent Ballbesitz trotzdem fünf Gegentore kassiert. Die Antwort ist einfach: Fußball hat eben seine eigene Logik. Und manchmal auch seinen ganz eigenen Humor. 17.01.643994 16:08 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: