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Es war ein Abend, wie ihn Fußballfans lieben - zumindest, wenn sie nicht auf der Seite von Fernandino Colombia stehen. Das Team aus der Hauptstadt musste sich am Freitagabend im heimischen Stadion vor 12.500 Zuschauern gegen den angriffslustigen Club Ayes mit 1:2 geschlagen geben. Dabei hatte alles so gut begonnen: Früh jubelte Pedro Salinas, doch am Ende lachten die Gäste - mit einer Mischung aus Cleverness, Kondition und, seien wir ehrlich, purem Dauerfeuer auf das gegnerische Tor. Bereits in der 7. Minute erklang der erste kolumbianische Freudenschrei. Rui Rielo flankte präzise von links, und Salinas verwandelte trocken. "Ich dachte, er legt nochmal quer", gab Rielo später grinsend zu. "Aber Pedro hat’s halt nicht so mit Geduld." Der Treffer war der Startschuss für eine muntere erste Halbzeit, in der die Hausherren mutig nach vorne spielten - allerdings nur kurz. Denn wer Club Ayes kennt, weiß: Die schießen so lange aufs Tor, bis der Ball irgendwann drin ist. Nach einer Viertelstunde verletzte sich Linksverteidiger Paulo Pauleta unglücklich - eine Szene, die kurzzeitig für Unruhe sorgte. Coach Justin Moller reagierte blitzschnell, brachte Jaime Makukula, und der mischte die linke Seite so auf, dass mancher Zuschauer glaubte, Ayes würde jetzt mit zwölf Mann spielen. Nur neun Minuten später belohnte sich das Team: Alexander Wiltshire schloss eine feine Kombination ab, nachdem Makukula den Ball noch irgendwie über die Linie gekratzt hatte. 1:1 - verdient, ehrlich gesagt. "Wir hätten zur Halbzeit schon führen müssen", knurrte Moller in der Pause, während er sich demonstrativ ein Mate-Teechen einschenkte. Kein Wunder: 16 Torschüsse auf Seiten von Club Ayes standen am Ende nur drei von Fernandino gegenüber. Auch der Ballbesitz sprach mit 52 Prozent knapp für die Gäste - doch es war weniger die Statistik als vielmehr die Wucht ihrer Offensive, die beeindruckte. Die zweite Halbzeit begann wie die erste: Ayes im Vorwärtsgang, Fernandino im Rückwärtslauf. Besonders Thomas Schade, der rechte Flügelstürmer, machte seinem Namen alle Ehre. Immer wieder prüfte er Torhüter Mateo Cuadrado - der 19-Jährige hielt, was zu halten war, und sah dabei aus, als sei er gerade in eine Dauerprüfung geraten. "Ich hab aufgehört zu zählen, wie oft der geschossen hat", keuchte der junge Schlussmann nach Abpfiff, "aber irgendwann dachte ich: Wenn er nochmal kommt, geh ich einfach in die Mitte und hoffe auf göttliche Intervention." In der 72. Minute war es dann soweit. Dorinel Barbulescu, der bis dahin unauffällig das Mittelfeld sortiert hatte, spielte einen Traumpass in die Tiefe, und Kayahan Celikay blieb eiskalt. 2:1 für Club Ayes - der Moment, in dem das Stadion kurz verstummte, bevor die Gästefans ihr eigenes kleines Feuerwerk zündeten. Trainer Moller, sonst ein Mann der ruhigen Worte, riss die Arme hoch. "Kayahan macht das, was Stürmer machen sollen - endlich!", lachte er später. Auf der anderen Seite sah man ratlose Gesichter. Fernandino-Coach - dessen Name an diesem Abend kaum einer mehr erwähnte - gestikulierte wild, stellte auf volle Offensive, doch die Durchschlagskraft blieb aus. Ein letzter Versuch von Dimas Almeida in der 63. Minute verpuffte - es war der letzte ernsthafte Torschuss der Gastgeber. In den Schlussminuten wechselte Moller munter durch, brachte Ersatzkeeper Ralf Preuss und den frischen Jacques Bonald für den ausgelaugten Schade. Bonald durfte noch zweimal abziehen - einmal daneben, einmal drüber. "Ich wollte wenigstens das Tornetz treffen", witzelte er nach dem Abpfiff. Am Ende blieb es beim 1:2 - ein Ergebnis, das deutlich enger klingt, als das Spiel wirklich war. Fernandino kämpfte tapfer, aber Club Ayes war schlicht die reifere Mannschaft. 16 Schüsse aufs Tor, mehr Ballbesitz, mehr Ideen - und, wenn man ehrlich ist, auch mehr Spaß am Spiel. "Wir sind heute nicht bestraft, sondern belehrt worden", meinte Fernandino-Stürmer Salinas mit einem schiefen Lächeln. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal einfach öfter schießen, statt zu hoffen, dass Pedro alles alleine macht." Ein weiser Gedanke, denn an diesem Abend war es die pure Konsequenz, die über Leidenschaft siegte. Club Ayes nimmt die drei Punkte mit, Fernandino den Trost, immerhin das erste Tor erzielt zu haben. Und die Zuschauer? Die gingen zufrieden nach Hause - der neutrale Teil, wohlgemerkt. Ein letzter Blick auf die Statistik verrät: Club Ayes spielte kein perfektes Spiel, aber ein zielstrebiges. Und manchmal, das weiß jeder Fußballromantiker, gewinnt am Ende nicht der Schönste, sondern der Hartnäckigste. So gesehen war der Sieg der Gäste fast poetisch - oder, wie Moller schmunzelnd sagte: "Wir haben’s halt einfach öfter probiert." 18.07.643993 20:40 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund