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59.000 Zuschauer im Stadion von Chetumal erlebten am Sonntagabend ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst: 3:2 gewann Atletico Chetumal gegen UD San Luis - ein Ergebnis, das so knapp war wie ein schlecht gebundener Schuhriemen, aber in seiner Dramatik fast schon filmreif. Kaum hatte Schiedsrichter Ramos den Ball freigegeben, da schlug es auch schon ein: In der 2. Minute netzte San Luis’ Stoßstürmer George Winfield eiskalt ein - Assist von Inigo Gonzalo, der mit einem Pass durch die Gasse das halbe Stadion zum Schweigen brachte. "Ich dachte, wir schauen uns das Spiel erst mal an", grummelte Chetumal-Trainer Bastian Roemmler später, "aber Winfield hatte wohl andere Pläne." Chetumal brauchte rund eine halbe Stunde, um den Schock zu verdauen. Dann kam Morgan Cort, der linke Mittelfeldmann mit der Frisur eines 80er-Jahre-Rockstars, nach Vorlage von Andrew Neville angerauscht und drosch die Kugel kompromisslos unter die Latte - 1:1 in der 29. Minute. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Cort nach dem Spiel. "Wenn ich gezielt hätte, wäre er wahrscheinlich drüber gegangen." Zur Halbzeit war das Spiel statistisch ausgeglichen - San Luis hatte etwas mehr Ballbesitz (52:48 %) und einen Hauch mehr Schüsse (13:12), doch Chetumal schien entschlossener. Trainer Roemmler verzichtete auf taktische Eskapaden, während sein Gegenüber Gerhard Münster seine Elf weiter stürmen ließ. Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag - diesmal auf der anderen Seite: In der 57. Minute brachte Andrew Neville Chetumal erstmals in Führung. Nach feiner Vorarbeit von Guy Lancaster schlenzte er den Ball ins lange Eck, als hätte er den Winkel vorher mit dem Lineal ausgemessen. Das Stadion tobte. "Ich hab einfach gespürt, dass der Ball reinmuss", sagte Neville später - und keiner zweifelte daran, dass er das wirklich geglaubt hatte. Doch San Luis antwortete prompt. Nur eine Minute später, in der 58., war es Inigo Gonzalo selbst, der nach Vorarbeit von Sigmund Thorsen aus zentraler Position traf. 2:2 - und der Auswärtsblock drehte völlig durch. "Wir waren da", erklärte Trainer Münster nach der Partie. "Aber irgendwie… war Chetumal noch ein bisschen mehr da." Denn nur acht Minuten später fiel die Entscheidung: Guy Lancaster, bisher als Vorlagengeber glänzend, machte es diesmal selbst. Nach Pass von Nelio Celis zog er von der Strafraumkante ab und traf - 3:2 in der 66. Minute. Keeper Güngör Kaynak sah den Ball wohl erst, als er schon im Netz zappelte. Münster reagierte sofort, brachte Ersatzkeeper Fabio Galindo, angeblich wegen einer leichten Blessur seines Stammkeepers - oder vielleicht, weil man auf ein Wunder hoffte. Chetumal verteidigte den Vorsprung mit Herz und einer Prise Wahnsinn. In der 81. Minute musste Mittelfeldmann Asimakis Tsionanis verletzt raus, humpelte aber unter Applaus vom Platz. "Ich hab mehr Gras in den Socken als auf dem Rasen stand", witzelte er später mit einem Eisbeutel auf dem Knie. San Luis warf in der Schlussphase alles nach vorne, presste aggressiv, wechselte frische Kräfte ein - doch der Ausgleich wollte nicht mehr fallen. Drei gefährliche Distanzschüsse von Olav Buchholz und ein Kopfball von Victor Staes in der 82. Minute gingen knapp vorbei. "Wir hätten noch eine Stunde spielen können", meinte Staes, "aber wahrscheinlich wäre dann der Pfosten auch müde geworden." So blieb es beim 3:2 - Chetumal jubelte, San Luis ärgerte sich, und die Zuschauer gingen mit einem Lächeln nach Hause. "Das war Werbung für den Fußball", sagte Trainer Roemmler, "auch wenn mein Puls anderer Meinung ist." Statistisch gesehen war alles eng: 12 zu 13 Schüsse, 47,5 % Ballbesitz für Chetumal, 52,5 % für San Luis. Aber Fußball wird bekanntlich nicht in Excel entschieden, sondern auf dem Platz - und dort hatte Chetumal an diesem Abend einfach das Quäntchen mehr Leidenschaft. Gerhard Münster nahm es mit Galgenhumor: "Wir haben gut gespielt, schön kombiniert, aber leider vergessen, das Tor etwas größer zu machen." Und so bleibt Chetumal oben dran in der Tabelle der 1. Liga Mexico, während San Luis mit leeren Händen, aber erhobenem Haupt abreist. Zum Schluss noch ein Dialog aus der Mixed Zone: Ein Reporter fragt Morgan Cort, ob er sein Tor schon oft so geschossen habe. Cort grinst: "Klar, im Training. Nur da ist nie jemand zum Jubeln da." Ein Abend voller Tore, Emotionen und kleiner Geschichten - genau so, wie man Fußball lieben muss. 10.04.643994 19:55 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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