Anpfiff
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Charlottenburgs Aufholjagd endet in der Kälte - Nürnberg siegt 4:3

An einem frostigen Januarabend bebte das Charlottenburger Stadion, als 25.884 Zuschauer Zeugen eines Spiels wurden, das in die Kategorie "verrückt, aber unterhaltsam" fällt. Der SC Nürnberg entführte mit einem 4:3-Sieg drei Punkte aus der Hauptstadt - und das, obwohl die Franken ab der 62. Minute mit einem Mann weniger auskommen mussten. Trainer Andreas Depner grinste hinterher: "Ich habe noch nie ein Spiel gesehen, das so früh entschieden schien und dann so spät noch mal lebendig wurde. Wir haben es überlebt - mehr nicht."

Von Beginn an war klar, dass Nürnberg nichts anbrennen lassen wollte. Schon in der 2. Minute klingelte es: Luka Behrens, der Spielgestalter im Mittelfeld, traf nach einer Vorlage von Harald Sonne. Charlottenburgs Torwart Ruben Barros blickte verdutzt hinter sich, als wolle er fragen: "War das schon der erste Angriff?" - Ja, war es. Und es sollte nicht der letzte bleiben. In der 13. Minute revanchierte sich Sonne selbst und traf nach schöner Vorarbeit des erfahrenen Ramon Nene zum 0:2. Die Gäste spielten schnörkellos, zielstrebig, fast altmodisch effizient. Charlottenburg hingegen wirkte, als hätte man die warmen Duschen schon vor Anpfiff im Kopf.

Die Minuten liefen, Nürnberg blieb gierig. In der 23. Minute erhöhte Michiel Van den Eeden nach Vorarbeit von Behrens auf 0:3 - und auf den Rängen machte sich ein ungläubiges Murmeln breit. "Ich dachte, wir hätten den Bus geparkt - leider stand er im falschen Strafraum", knurrte Heimtrainer Gustav Reingau später. Doch seine Mannschaft gab sich nicht auf. Mario Garcia, erst 20 Jahre jung, setzte in der 36. Minute ein erstes Ausrufezeichen. Nach einer Flanke von Dedrick Bleecker drückte er den Ball über die Linie - 1:3. Das Publikum war wieder wach, die Hoffnung keimte.

Zur Halbzeit roch es nach Debakel, zur zweiten Hälfte nach Wunder. Charlottenburg kam mit offenem Visier aus der Kabine, während Nürnberg seine Offensivlust zunächst zügelte. In der 51. Minute traf erneut Garcia - diesmal nach feinem Zuspiel von Jacinto Gama. Der Junge spielte, als hätte man ihm gesagt, Scouts aus Spanien säßen auf der Tribüne. Zwei Minuten später drehte das Stadion völlig durch: Mike Krieger, ebenfalls erst 20, netzte nach erneuter Vorlage von Gama zum 3:3 ein. Binnen drei Minuten war das Spiel wieder offen. "Da dachte ich, jetzt holen wir sie uns", sagte Garcia später, "aber Fußball ist manchmal einfach gemein."

Dann kam die 62. Minute: Nürnbergs Rechtsverteidiger Felix Abramson grätschte beherzt, aber ungestüm - Rot. "Ich hab den Ball gespielt", rief er noch, während der Schiedsrichter schon die Karte zückte. Ironischerweise wirkte das wie ein Weckruf für seine Mitspieler. Charlottenburg drückte, Nürnberg konterte - und in der 75. Minute traf ausgerechnet der Routinier Eduardo Arredondo per Kopf nach einer Ecke von Andreas Mayr. 3:4, und plötzlich war wieder Ruhe im Rund. Wenige Minuten später musste Arredondo verletzt raus, was Nürnberg zu einer improvisierten Abwehrlinie zwang. Aber sie hielten.

Charlottenburg hatte mehr Ballbesitz (52,9 Prozent) und elf Torschüsse, Nürnberg kam auf fünfzehn - und nutzte seine Chancen gnadenlos. In der Nachspielzeit versuchte Noe Gallardo noch, das Unmögliche möglich zu machen, verzog aber knapp. "Wenn der reingeht, reden wir heute über Märchen statt über Lehrgeld", seufzte Trainer Reingau nach Schlusspfiff.

Auch Nürnbergs Coach Depner wirkte erleichtert: "Wir haben das Spiel zweimal gewonnen und einmal fast verloren. Meine Jungs haben heute Nerven gezeigt - und zwar alle." Der Held des Abends, Luka Behrens, grinste müde: "Wir wollten offensiv spielen. Dass es so offensiv wird, hätten wir selbst nicht gedacht."

Ein Spiel mit sieben Toren, einer roten Karte, einer Verletzung und unzähligen Herzstillständen - Fußball, wie ihn Drehbuchautoren nicht besser schreiben könnten. Charlottenburg bleibt mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf zurück. Und wer weiß: Vielleicht werden sie beim nächsten Mal die Geschichte zu Ende erzählen, die sie hier in der zweiten Halbzeit begonnen haben.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn wir schon verlieren, dann bitte immer so. Ich hab selten so gefroren und so viel Spaß gehabt."

06.03.643987 12:13
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Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben.
Berti Vogts
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