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Es war ein Abend für die Statistikfreunde - und für die Nostalgiker. Im ausverkauften Karaiskakis-Stadion in Piräus (42.743 Zuschauer, griechischer Winter, aber Fußballherz warm) gewann Olympiokos am 19. Spieltag der 1. Liga Griechenland mit 2:1 gegen Giannina. Zwei Tore von Lukas Charisteas, der offenbar beschlossen hatte, dass 32 kein Alter, sondern ein Lebensgefühl ist, machten den Unterschied. Von Beginn an war klar: Giannina wollte hier nicht nur die Akropolis besichtigen. Schon nach 60 Sekunden prüfte Jack Sutherland den wachsamen Omiros Nafpliotis im Tor der Hausherren - ein Warnschuss, der in der Fankurve eher für ein kollektives Einatmen als für Panik sorgte. Olympiokos antwortete, wie man es von einer Mannschaft erwartet, die 54,7 Prozent Ballbesitz hatte: geduldig, fast stoisch, mit einem gepflegten "Wir warten auf unsere Chance". Die kam in der 34. Minute, als Charisteas - jener Charisteas, der so elegant köpft, dass selbst Möwen über dem Stadion kurz innehielten - nach einem schnellen Angriff von rechts trocken zum 1:0 traf. Trainer Dirk Reichmann sprang an der Seitenlinie auf, riss die Arme hoch und brüllte über den Platz: "Genau das haben wir trainiert!" Später sagte er grinsend: "Na ja - vielleicht nicht ganz so schön." Giannina, von Kai Häntsch gecoacht, ließ sich nicht entmutigen. Der Gast hatte mit 12 Torschüssen sogar etwas mehr vom Abschlussglück - nur ohne Glück eben. Rui Bosingwa flankte, Glenn Verbeke tänzelte, Gerasimos Choutos versuchte es aus der Distanz - aber die Kugel fand einfach nicht den Weg ins Tor. "Wir spielen schön, aber leider zählt Schönheit hier keine Punkte", knurrte Häntsch nach dem Abpfiff. Kurz vor der Pause dann die Szene, die das Spiel entschied: Karolos Nikolopoulos, der rechte Mittelfeld-Besen von Olympiokos, tankte sich auf seiner Seite durch, legte quer - und wieder stand Charisteas da, wo ein Stürmer stehen muss. 2:0 in der 45. Minute, das Stadion bebte. "Ich hab einfach nur den Fuß hingehalten", meinte der Doppeltorschütze später mit einem Grinsen, das Bände sprach. Nach dem Seitenwechsel schaltete Olympiokos sichtbar einen Gang zurück. Giannina übernahm mehr Initiative, ohne jedoch das Pressing zu erhöhen - der Trainer blieb seiner "kein Pressing ist auch eine Taktik"-Philosophie treu. Das zahlte sich in der 73. Minute dann doch aus: Nach einer Ecke von Heinrich traf Glenn Verbeke mit einem satten Schuss zum 2:1-Anschluss. Es wurde noch einmal spannend, zumindest für Leute mit stabilem Blutdruck. Die Schlussphase bot Drama in klassischer Manier: Gelbe Karte für Joris Vandenhoff (72.), eine Verletzung von Sutherland (88.) und die Einwechslung von Amaury Figo, der kaum auf dem Platz stand, bevor er den Ball ins Seitenaus drosch - wohl um zu zeigen, dass er da ist. Olympiokos verteidigte mit Einsatz, Herz und einer Prise Nervosität. In der 90. Minute probierte es Stavros Margaritis noch einmal aus der zweiten Reihe - drüber. Reichmann schlug nur die Hände über dem Kopf zusammen. Am Ende blieb es beim 2:1, einem Ergebnis, das so solide war wie der griechische Mittelblock an diesem Abend. Reichmann lobte sein Team: "Wir haben gewonnen, weil wir an uns geglaubt haben - und weil Lukas heute einfach alles getroffen hat, was sich bewegt hat." Häntsch dagegen fand deutliche Worte: "Wir waren besser, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Leider." Statistisch gesehen war es ein Spiel auf Augenhöhe: 10 zu 12 Torschüsse, fast ausgeglichene Zweikampfquote (49 zu 51 Prozent), aber eben zwei Tore gegen eins. Und in der Bilanz zählt nur das. Als die Fans von Olympiokos nach dem Schlusspfiff noch minutenlang sangen, winkte Charisteas in die Kurve und rief: "Ihr wart unser zwölfter Mann!" - und man glaubte es ihm. Währenddessen schlich Giannina vom Platz, mit gesenktem Kopf, aber erhobenem Stil. Ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Drama - und eine Prise Ironie des Sports. Giannina spielte schön, Olympiokos gewann. Oder wie ein Zuschauer es beim Hinausgehen formulierte: "Manchmal reicht es, wenn man Lukas Charisteas heißt." Und vielleicht war das die ehrlichste Analyse des Abends. 27.08.643987 00:55 |
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