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Es war einer dieser Abende, an denen das Stadion von Larissa bebte - nicht, weil Tore im Minutentakt fielen, sondern weil 36.793 Zuschauer kollektiv zwischen Verzweiflung und Ekstase pendelten. Am Ende reichte ein Treffer von Alvertos Charisteas in der 84. Minute, um AEL Athen gegen Atromitos mit 1:0 über die Ziellinie zu bringen. Ein spätes Happy End in einem Spiel, das lange wie ein Lehrfilm über das Vergeben von Großchancen wirkte. Von Beginn an ließ AEL keinen Zweifel daran, wer Herr im Haus ist. Trainer Ryan Mystery hatte seine Elf auf Flügelspiel eingestellt - und das sah man. Schon in der achten Minute prüfte der flinke James Badham Gäste-Keeper Jannis Lee, und kurz darauf versuchte Jose Maria Costinha gleich zweimal sein Glück. "Ich dachte irgendwann, das Tor sei verhext", grinste Mystery später, "so oft fliegt der Ball Richtung Tribüne, und keiner will rein." Atromitos, vom stets gestenreich coachenden Michael Graf betreut, verlegte sich auf Konter. Henri Couture hatte nach zwei Minuten die erste Gelegenheit, aber Tyler Hannigan - der später verletzungsbedingt durch Tiago Pinto ersetzt wurde - hielt sicher. Danach rollte Angriff auf Angriff auf das Gästetor. 17 Schüsse aufs Tor zählte die Statistik am Ende für AEL, nur sechs für die Gäste. Dass es zur Pause trotzdem 0:0 stand, lag an der altbekannten Mischung aus Pech, Nervosität und einem glänzend aufgelegten Keeper. "Ich habe irgendwann aufgehört mitzuzählen, wie oft der Ball an mir vorbeizischt", sagte Lee nach dem Spiel und grinste gequält. "Aber immerhin war keiner drin - bis kurz vor Schluss." Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig: AEL drückte, Atromitos verteidigte, und irgendwo dazwischen ging der Ball immer wieder knapp vorbei. In der 55. Minute scheiterte Badham erneut - diesmal aus fünf Metern, freistehend. Ein älterer Herr auf der Haupttribüne kommentierte trocken: "Der Junge braucht ein Navi für den Strafraum." Atromitos versuchte es weiter mit langen Bällen, blieb aber harmlos. "Wir spielen offensiv, aber manchmal vergisst die Offensive, dass man auch treffen muss", knurrte Graf nach dem Spiel. Immerhin gab es ein Lebenszeichen in der 79. Minute, als Linksverteidiger Oscar Neil plötzlich vorne auftauchte, den Ball satt traf - und doch nur Hannigans Ersatzmann Pinto prüfte. Dann kam die 84. Minute - und mit ihr die Explosion. Anargiros Lagonikakis, unermüdlich auf der rechten Seite, setzte sich endlich einmal gegen zwei Gegenspieler durch und legte den Ball zurück an den Strafraumrand. Dort lauerte Charisteas, nahm Maß und jagte das Leder unhaltbar in den Winkel. 1:0. Stadion bebte. Bierduschen inklusive. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war", sagte Charisteas später lachend. "Ich hab nur die Leute schreien hören - da wusste ich, irgendwas Gutes ist passiert." Atromitos reagierte wütend, bekam aber nur noch eine Gelbe Karte für Innenverteidiger Alkinoos Mitroglou (80.) und eine letzte Halbchance durch Nicola Sala in der 87. Minute. Danach verteidigte AEL mit allem, was Beine hatte - inklusive Ersatzspieler Karolos Darlas, der in der Nachspielzeit noch für Stabilität sorgte. 57,9 Prozent Ballbesitz, 55,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Zahlen unterstreichen, dass AEL den Sieg verdient hatte. Es war kein glanzvoller, aber ein erlösender Erfolg. "Wir wollten beweisen, dass wir auch Spiele dreckig gewinnen können", meinte Trainer Mystery, "auch wenn’s heute eher eine Schlammschlacht aus vergebenen Chancen war." Kollege Graf blieb trotz allem gefasst: "Wir haben getan, was wir konnten. Nur hat der liebe Fußballgott offenbar seine Dauerkarte in Athen." Als die Flutlichter erloschen, blieb das Gefühl: Ein Spiel, das auf dem Papier knapp aussieht, in Wahrheit aber eine Einbahnstraße war - mit einem späten, emotionalen Höhepunkt. Und irgendwo auf der Tribüne summte ein Fan noch leise: "Ein Tor reicht - wenn’s das Richtige ist." AEL Athen 1, Atromitos 0. Ein Ergebnis, das nüchtern klingt - aber nach 90 Minuten Leidenschaft, Flügelstürmen und kollektiver Geduldsprobe fast schon wie ein kleines Wunder wirkte. 21.05.643993 23:10 |
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