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Ein lauer Abend in Athen, 25.365 Zuschauer und ein Spiel, das sich anfühlte wie eine griechische Tragikomödie: Chaidari FC unterliegt Astra Tripolis mit 1:2 - trotz mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle und weniger Ertrag. "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore", fasste Chaidaris Kapitän Archondis Damanakis nach dem Schlusspfiff trocken zusammen. Treffender kann man’s kaum sagen. Schon die Anfangsphase deutete an, dass Astra Tripolis nicht zum Sightseeing in die Hauptstadt gekommen war. In der 11. Minute prüfte Xavi Mino den Heimkeeper Liam Masse erstmals mit einem Flachschuss, kurz darauf donnerte der 20-jährige Branko Lomic das Leder an die Querlatte - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. In der 22. Minute war es dann soweit: Amaury Nani tanzte sich auf der rechten Seite durch, legte clever quer, und Lomic schob eiskalt ein. 0:1, und der Gästeblock tobte. Chaidari schien kurz geschockt, aber nicht geschlagen. Trainer (dessen Name offenbar niemand notiert hatte - eine Lücke, die in der Pressekonferenz für betretenes Schweigen sorgte) fuchtelte wild an der Seitenlinie, forderte "mehr Mut im letzten Drittel" und bekam prompt eine Reaktion. Adrianos Pappas, der laufstarke Linksaußen, zirkelte in der 43. Minute eine Flanke in den Strafraum, wo Damanakis per Kopf zum 1:1 traf. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, und das Stadion explodierte. "Ich hab’ den Ball kaum gesehen, nur gespürt, dass er richtig kam", grinste Damanakis später. Mit diesem Zwischenstand ging es in die Pause - und während die Chaidari-Fans noch begeistert sangen, zog Tripolis-Trainer Kostas Karagounis an der Taktikschraube. Drei Wechsel zur Halbzeit: Der junge Agapios Philippidis kam hinten links, Jay Poulin ersetzte den routinierten Barbosa, und vorne durfte wieder der flinke Amaury Nani ran. "Ich wollte frischen Wind - und vielleicht ein bisschen Chaos", erklärte Karagounis später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn lag. Der Plan ging auf. Tripolis blieb offensiv, lauerte auf Ballverluste - und traf erneut. In der 59. Minute war es Artemios Papadopulos, der nach einem beherzten Vorstoß von Linksverteidiger Jean Poulin (ja, derselbe, der kurz danach ausgewechselt wurde - Timing ist alles) aus zwölf Metern zum 1:2 einschob. Der Treffer kam in einer Phase, in der Chaidari eigentlich Oberwasser hatte: 55 Prozent Ballbesitz, 9 Torschüsse, aber eben keine Kaltschnäuzigkeit. Danach entglitt den Gastgebern das Spiel Stück für Stück. Pappas rannte, Fotopoulos flankte, Katsouranis probierte es in der 90. Minute noch einmal mit einem verzweifelten Versuch - doch Astra verteidigte clever. "Wir mussten nicht schön spielen, nur besser treffen", sagte Torschütze Papadopulos später lakonisch. Die Statistiken erzählten eine bittere Wahrheit: Chaidari hatte mehr Ballbesitz, mehr Pässe, aber weniger Effektivität. Tripolis schoss zwölfmal aufs Tor, Chaidari neunmal - und die drei entscheidenden Schüsse saßen alle bei den Gästen. Selbst die Zweikampfquote (52 zu 48 Prozent) sprach am Ende knapp für Astra. Und so stand am Ende ein 1:2 auf der Anzeigetafel, das sich für Chaidari wie ein 0:3 anfühlte. Während die Spieler sich enttäuscht auf den Rasen sanken, rannte Karagounis jubelnd zur Kurve. "Wir sind nicht die Schönsten, aber wir sind gefährlich", rief er den Fans zu. Man nahm es ihm ab. Für Chaidari bleibt die Erkenntnis: Wer so viel den Ball hat, sollte auch wissen, was er damit anfangen will. Für Astra hingegen war es ein Statement-Sieg - jung, frech, effizient. Der 20-jährige Lomic und der 22-jährige Papadopulos entpuppen sich als das vielleicht spannendste Sturmduo der Liga. Am Ende blieb noch ein Moment, der das Spiel perfekt zusammenfasste: Schiedsrichter pfeift ab, Damanakis schaut zum Himmel und murmelt: "Götter, gebt uns mal ein bisschen Glück." Vielleicht war Zeus an diesem Abend einfach Tripolis-Fan. Und so ging der sechste Spieltag der griechischen Liga mit einem leisen, aber deutlichen Fazit zu Ende: Ballbesitz schießt keine Tore - und Astra Tripolis spielt, als hätte es das schon immer gewusst. 17.03.643987 23:20 |
Sprücheklopfer
50 Prozent der Spieler hassen mich.
Mario Basler