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Es war ein lauer Frühlingsabend in Athen, als sich 24.459 Zuschauer im kleinen, aber stimmungsvollen Stadion von Chaidari FC versammelten - in freudiger Erwartung eines weiteren Heimsiegs. Und für 45 Minuten sah es tatsächlich so aus, als würde die Mannschaft von Trainer Spyridon Mavros (der heute, wie üblich, in seiner schwarzen Glückskrawatte auflief) den Gästen aus Tripolis eine Lehrstunde erteilen. Doch dann kam die zweite Halbzeit. Und mit ihr ein Teenager, der den Abend in eine Tragikomödie verwandelte. Schon in der 7. Minute brachte Odysseas Katsouranis die Gastgeber in Führung. Nach einem präzisen Pass von Adrianos Pappas drückte er den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. "Ich hab gar nicht gezielt, ich wollte nur, dass er irgendwie reingeht", grinste Katsouranis später, während er mit Eispack am Knie in der Mixed Zone stand. Das Publikum jubelte, die Tribüne bebte - und Chaidari spielte plötzlich wie beflügelt. Nur 16 Minuten später folgte das 2:0, und diesmal durfte sich sogar ein Innenverteidiger in die Torschützenliste eintragen: Stelios Samaras, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, wuchtete nach einem Eckball von Pappas den Ball per Kopf ins Netz. "Das war kein Glück, das war Training!", rief er lachend in Richtung seiner Mitspieler. Pappas, bereits mit zwei Assists, wirkte zu diesem Zeitpunkt wie der Maestro eines Ensembles, das die Gäste an den Rand der Verzweiflung brachte. Bis zur Pause bestimmte Chaidari alles: 55 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse im gesamten Spiel - und eine Körpersprache, die zu sagen schien: Hier brennt nichts an. Astra Tripolis dagegen? Blass, nervös, ideenlos. Trainer Kostas Karagounis stand reglos an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, als wüsste er schon: Das hier könnte wehtun. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er nicht ausgerechnet in der 67. Minute ein neues Kapitel geschrieben hätte. Branko Lomic, bis dahin eher unauffällig, traf nach feinem Zuspiel des routinierten Nico Schreiner zum 2:1. "Ich hab einfach draufgehalten", sollte Lomic später sagen - und traf den Nagel auf den Kopf. Denn was danach kam, war ein Sturmlauf, wie ihn Chaidari wohl lange nicht vergessen wird. Nur eine Minute später fiel der Ausgleich: Der eingewechselte 17-jährige Valerios Leontiou, kaum auf dem Platz, netzte nach Vorlage von Brandon Shepherd ein. Und als sich die Gastgeber noch sortieren wollten, klingelte es erneut - wieder Leontiou, diesmal ohne fremde Hilfe. 69. Minute, 2:3, und plötzlich herrschte Totenstille im Stadion. "Ich hab ihm gesagt: Geh raus und mach was Verrücktes", erzählte Karagounis später über seinen Youngster. "Er hat mich wohl zu wörtlich genommen." In der Tat: Leontiou wirbelte durch Chaidaris Abwehr wie ein junger Wirbelsturm, während die erfahrenen Verteidiger Samaras und Breadalbane nur noch hinterherblickten. Als ob das alles nicht genug wäre, setzte der 36-jährige Schreiner in der 75. Minute den Schlusspunkt - ein eleganter Schlenzer ins lange Eck, vorbereitet vom gerade 18 gewordenen Lazaros Gounaris. Der Altersunterschied zwischen den beiden: fast eine Generation. "Er hat mich ’Onkel Nico’ genannt, als ich reingelaufen bin", lachte Schreiner später. "Aber wenn’s hilft - gern wieder!" Die letzten zwanzig Minuten waren ein Lehrstück in verpassten Chancen. Chaidari rannte, schoss (allein Katsouranis zwischen der 80. und 96. Minute fünf Mal aufs Tor), doch der Ball wollte nicht mehr rein. Astra-Keeper Raphael Baillon flog, hechtete, und parierte, als ginge es um sein Leben. "Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen", murrte Chaidaris Kapitän Pappas nach dem Abpfiff. "Vielleicht dachten wir, 45 Minuten reichen." Trainer Mavros wirkte derweil wie ein Mann, der seine Lottozahlen um eine Stelle verpasst hat. "Wir haben in der Pause über Kontrolle gesprochen, nicht über Kapitulation", sagte er trocken - und stapfte davon. Statistisch gesehen war’s sogar ein Duell auf Augenhöhe: 18 zu 17 Torschüsse, 55 zu 45 Prozent Ballbesitz. Doch was zählt, ist das, was auf der Anzeigetafel steht - und die zeigte nach 90 Minuten: Chaidari 2, Astra Tripolis 4. Ein Spiel, das mit Euphorie begann und mit Ernüchterung endete. Oder, wie es ein Chaidari-Fan auf der Tribüne bitter zusammenfasste: "Wir waren 45 Minuten Weltmeister. Leider dauert Fußball 90." Und irgendwo in Tripolis sitzt ein 17-Jähriger namens Leontiou, der heute gelernt hat, wie süß eine Wende schmecken kann. 04.12.643993 16:48 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme