// Startseite
| La Nacion |
| +++ Sportzeitung für Paraguay +++ |
|
|
|
Wer am Montagabend pünktlich zum Anpfiff im Estadio Taquari saß, hat sich vermutlich gerade erst hingesetzt, da stand es schon 1:0. Lionel Xavier brauchte exakt eine Minute, um AD Villa Hayes den ersten Albtraum des Abends zu bescheren. Der 31-Jährige zirkelte den Ball nach feinem Zuspiel von Jose Enrique Exposito unhaltbar ins rechte Eck - und grinste dabei so, als wüsste er genau, dass das erst der Anfang war. "Ich wollte eigentlich erstmal ruhig anfangen", lachte Xavier nach dem Spiel, "aber der Ball lag so schön da, da konnte ich ja schlecht höflich sein." Von Ruhe war bei CF Taquari in der Anfangsphase ohnehin nichts zu sehen. Trainer Tim Thaler hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, das Pressing blieb zwar aus, aber die Aggressivität war deutlich spürbar - und Villa Hayes bekam kaum Luft. Der zweite Treffer folgte in Minute elf, wieder durch Xavier, wieder nach Pass von Exposito. Ein Déjà-vu, das den 43.500 Zuschauern sichtlich gefiel. Villa Hayes dagegen wirkte überfordert. Nach 22 Minuten musste Innenverteidiger Vincent Caneira verletzt raus, Diego Gonzalez kam - und holte sich später in der 83. Minute auch noch Gelb. "Wir haben uns in der ersten Halbzeit etwas zu sehr bewundert, wie gut Taquari spielt", gab Gast-Trainer Franco Morales (der sich nach dem Spiel hinter seiner Sonnenbrille versteckte) zu. Taquari schoss insgesamt 18-mal aufs Tor, Villa Hayes gerade dreimal - und das beschreibt den Abend recht gut. Der Ballbesitz lag zwar mit 52 zu 48 Prozent fast ausgeglichen, aber was Taquari mit dem Ball machte, hatte Zielstrebigkeit, Stil und gelegentlich sogar Poesie. In der 25. Minute wechselte Thaler den müden Xabier Maniche aus und brachte Carlos Deco, der sich sogleich in die Offensive einfügte, als wäre er schon immer Teil dieses Taktik-Gemäldes gewesen. Kurz vor der Pause sah man den jungen Francisco Doreste (erst 18!) erstmals in Aktion - quirlig, ungestüm, aber mit Ideen. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach Spaß haben", meinte Thaler später, "und wenn der Spaß dann in Torchancen endet, soll’s mir recht sein." Die zweite Halbzeit begann ruhiger. CF Taquari blieb offensiv, aber mit kontrolliertem Aufwand. Gunnar Hoffmann sah Gelb, grinste aber bei der Aktion so breit, dass selbst der Schiedsrichter kurz zögerte. Bastiaan Van Vleck auf Seiten der Gäste bekam ebenfalls Gelb - vermutlich, um wenigstens in irgendeiner Statistik aufzutauchen. In der 71. Minute dann das endgültige K.O. Leah Revivo, normalerweise für Abwehrarbeit zuständig, leitete mutig aus der eigenen Hälfte ein, Attila Detari startete durch, nahm den Pass im Lauf - und vollendete eiskalt zum 3:0. Ein Tor, so schön, dass selbst der gegnerische Keeper Theo Montgomery kurz den Kopf schüttelte, als wolle er sagen: "Ja, das war sauber." Danach war alles entschieden. Thaler gönnte Torwart Alf Abramson eine Pause und brachte den 21-jährigen Ton Van Tessel - ein symbolischer Akt, fast eine Demonstration der Leichtigkeit des Abends. "Ich wollte ihm das Gefühl geben, dass er dazu gehört", sagte Thaler, "und außerdem hatte Alf schon genug kalten Wind geschnuppert." Villa Hayes versuchte es in den letzten Minuten noch mit etwas Stolz, doch mehr als ein harmloser Schuss von Gabri Bergantinos (86.) sprang nicht heraus. Die Fans von CF Taquari sangen längst von der Tabellenspitze, während auf der Trainerbank der Gastgeber der Kaffee dampfte und Thaler mit einem zufriedenen "Das war ordentlich" den Abend zusammenfasste. Lionel Xavier, der Mann des Spiels, wurde beim Abpfiff gefeiert wie ein Popstar. "Zwei Tore, drei Punkte, keine Verletzung - das ist mein Lieblingsrezept", grinste er und verschwand in den Katakomben. Fazit: CF Taquari spielte erwachsen, effektiv und mit Spaß am Spiel. Villa Hayes dagegen verirrte sich zwischen Defensivordnung und Selbstzweifel. Und während die Zuschauer noch jubelten, summte ein Ordner an der Eckfahne leise: "So spielt ein Tabellenführer." Ein bisschen Ironie darf man sich da gönnen: Wenn Taquari so weiterspielt, wird die 1. Liga Paraguay bald umbenannt werden müssen - vielleicht in "Liga Lionel". 04.11.643987 13:11 |
Sprücheklopfer
Wenn meine Oma ein Bus wäre, dann könnte sie hupen!
Dieter Eilts auf eine Hätte-wenn-und-aber-Frage eines Journalisten