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Was für ein Abend im Estadio Taquari! 43.500 Zuschauer sahen am 11. Spieltag der 1. Liga Paraguay ein Heimteam, das nicht nur spielte, sondern zelebrierte - und ein Gastteam, das phasenweise so aussah, als wolle es lieber den Bus zurück nach Asuncion nehmen. Am Ende stand ein saftiges 4:0 für CF Taquari gegen Porteno Asuncion, und das war noch schmeichelhaft. Von Beginn an spielte Taquari so offensiv, als hätte Trainer Tim Thaler seinen Jungs den Espresso intravenös verabreicht. Schon in der zweiten Minute prüfte Xabier Maniche den Gästekeeper James Dunn mit einem satten Schuss - ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause keine Geschenke verteilen", grinste Thaler später. Porteno Asuncion dagegen wirkte erstaunlich lethargisch. Obwohl sie laut Statistik mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz hatten, blieb das Spiel der Gäste so harmlos wie ein nasser Schwamm. Vier kümmerliche Torschüsse stehen am Ende zu Buche - und keiner davon roch auch nur im Entferntesten nach Tor. Das erste echte Highlight setzte in der 36. Minute Innenverteidiger Fernando Gonzalo. Ja, richtig gelesen: Innenverteidiger. Nach einer präzisen Flanke von Laurent Billet rauschte Gonzalo heran und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. "Ich wollte eigentlich nur schauen, ob ich höher springen kann als Leah", witzelte er nach dem Spiel. Das konnte er. Nur fünf Minuten später legte Eduardo Mendo nach - und wie! Nach einem feinen Zuspiel von Ricardo Velez zog der Mittelfeldmotor aus 20 Metern ab, der Ball schlug unhaltbar im Winkel ein. 2:0 - und Porteno Asuncion schaute sich gegenseitig so fragend an, als hätte jemand das Regelbuch plötzlich auf Mandarin übersetzt. Zur Pause brachte Thaler frisches Blut: Der erst 18-jährige Francisco Doreste kam für den erfahrenen Billet, und was für eine Entscheidung das war! Der Youngster zeigte keine Spur von Nervosität, rannte mit jugendlicher Unvernunft alles an, was sich bewegte - auch Schiedsrichter und Eckfahne inklusive. In der 56. Minute legte er dann traumhaft auf für Xabier Maniche, der zum 3:0 einschob. "Francisco hat mir den Ball so serviert, ich musste eigentlich nur noch Danke sagen", lachte Maniche. Spätestens da war Porteno endgültig bedient. Trainer Mario Mendoza, sonst ein Mann der Ruhe, stand mit verschränkten Armen an der Linie und murmelte etwas, das man besser nicht druckt. Seine Spieler? Sie wirkten wie Touristen, die versehentlich auf den Trainingsplatz geraten waren. In der 80. Minute setzte Attila Detari den Schlusspunkt. Nach einem Vorstoß des kompromisslosen Leah Revivo verwertete der Mittelstürmer eiskalt. 4:0. Jubel, Gesänge, Konfettiregen. Taquari spielte die letzten Minuten mit einem Lächeln - und ein bisschen Spott - zu Ende. "Wir wollten noch ein Fünftes, aber dann hat mein linker Fuß gestreikt", witzelte Detari. Natürlich ging es nicht ohne Farbe: Eduardo Mendo sah nach einem rustikalen Einsteigen Gelb (28.), und kurz vor Schluss erwischte es auch Jozef Kozacik (87.). "Das war kein Foul, das war Kunst am Ball", verteidigte sich Kozacik mit einem breiten Grinsen. Die Fans nahmen’s sportlich - und feierten ihn trotzdem. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - zumindest auf dem Papier. 49 Prozent Ballbesitz für Taquari, 51 für Porteno. Aber Zahlen können täuschen: 15 Torschüsse zu 4 sprechen eine deutlichere Sprache. Tacklingquote? 56 Prozent für Taquari - und das sah man jedem Zweikampf an. Trainer Tim Thaler zog nach Schlusspfiff ein Fazit, das so trocken war wie die Wüste Chaco: "Man sagt ja, Ballbesitz gewinnt Spiele. Heute haben wir bewiesen, dass Tore da auch helfen." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Helden mit Standing Ovations. Porteno Asuncion hingegen verschwand leise in der Kabine - vermutlich, um dort nach dem verlorenen Spielplan zu suchen. Zum Schluss fasste es der 18-jährige Doreste zusammen, als wäre er schon ein alter Hase: "Ich hab einfach gespielt, wie auf dem Schulhof. Nur dass hier 40.000 Leute zugucken. Und dass der Ball nicht aus Plastik war." Ein Abend, an dem CF Taquari nicht nur drei Punkte holte, sondern auch ein Statement setzte: Wer sie im eigenen Stadion unterschätzt, bekommt eine kostenlose Lehrstunde - mit Ball, Tempo und einem Augenzwinkern. 14.05.643987 22:15 |
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